Wegen Coronakrise : Karfreitagsriten in Rom und Jerusalem ohne Pilger

Der Petersplatz wird auch an den Osterfeiertagen für Pilger nicht geöffnet sein.
Der Petersplatz wird auch an den Osterfeiertagen für Pilger nicht geöffnet sein.

Karfreitag fühlt sich in Rom noch trauriger an als sonst. In Jerusalem geht ein Erzbischof den Leidensweg fast alleine.

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10. April 2020, 16:05 Uhr

Vatikanstadt/Jerusalem | Wegen der Corona-Krise sind die Karfreitagszeremonien in Rom und Jerusalem auf ein Minimum beschränkt worden. Papst Franziskus muss alle Riten anlässlich des Todes von Jesus und der Auferstehung an Ostern ohne die sonst üblichen Pilgermassen begehen. Die katholische Kirche hatte die traditionelle Kreuzweg-Prozession (21.00 Uhr) wegen der Lungenkrankheit vom Kolosseum auf den abgesperrten Petersplatz verlegt.

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Die Prozession und eine vorausgehende Feier im fast total leeren Dom werden nur per Live-Stream im Netz und in verschiedenen TV-Sendern zu sehen sein. Bereits am Gründonnerstag hatte Franziskus bei einer Auftakt-Messe mit wenigen kirchlichen Würdenträgern sehr einsam gewirkt. Der Papst hatte dabei an Priester, Ärzte und Pfleger erinnert, die in der Corona-Krise Großes leisten würden und von denen viele an der Covid-19-Krankheit gestorben seien. Die traditionelle Fußwaschung war wegen der Gesundheitsrisiken abgesagt worden.

Am Freitagmittag standen dann nur einige Polizeiwagen und vereinzelte Fernseh-Teams vor den Sperrgittern des Petersplatzes. Die Stimmung dort und in den fast leer gefegten Straßen der italienischen Hauptstadt wirkte trotz Sonnenscheins und warmer Temperaturen noch gedrückter als an den Vortagen.

Der Verzicht auf das bewegende Kreuzwegritual am Kolosseum dürfte dem 83 Jahre alte Kirchenoberhaupt schwer gefallen sein. Denn Franziskus ist dafür bekannt, dass er den Kontakt zu Menschen liebt. Bei der Prozession wird traditionell Jesu Leiden auf dem Weg zum Tod in 14 Stationen nachgestellt. Diesmal sind nur ganz wenige Beteiligte dabei. Die Meditationstexte, die verlesen werden, stammen unter anderem von Häftlingen eines Gefängnisses aus dem norditalienischen Padua.

In den Tagen danach wird Papst Franziskus auch die Messen zum Osterfest und den traditionellen Segen «Urbi et Orbi» am Sonntag (12.00 Uhr) ohne Pilger feiern. Diese Festgottesdienste werden ebenfalls unter anderem im Internet übertragen.

Der Platz vor dem Damaskustor in der Jerusalemer Altstadt ist menschenleer. Foto: Sebastian Scheiner/AP/dpa
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Der Platz vor dem Damaskustor in der Jerusalemer Altstadt ist menschenleer. Foto: Sebastian Scheiner/AP/dpa
In Jerusalem fielen die Prozessionen mit Gläubigen ebenfalls aus: Der Leiter des katholischen Patriarchats im Heiligen Land, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, ging am Karfreitag durch die Via Dolorosa in der Altstadt ohne Pilger. Wo sonst Tausende in mehreren Zügen den Leidensweg Jesu nachempfinden, ging Pizzaballa lediglich mit drei Begleitern bis zur Grabeskirche. Dort hielt er nach Angaben eines Sprechers des Franziskaner-Ordens eine kleine Andacht ab. Die Kirche ist wegen der Ausbreitung des Coronavirus für die breite Öffentlichkeit geschlossen. Anders als in den vergangenen Jahren waren die Gassen in der Jerusalemer Altstadt insgesamt leer. Geschäfte und Gotteshäuser blieben geschlossen.


Für Christen weltweit ist Ostern das wichtigste religiöse Fest. Sie feiern damit Jesus' Auferstehung. Italien ist von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Dort und in Israel gelten strikte Ausgangsbeschränkungen. Die israelische Regierung hat verfügt, dass sich Menschen nur unter bestimmten Bedingungen weiter als 100 Meter von ihren Häusern entfernen dürfen.

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