Jahre in Ecuadors Botschaft : Assange wurde im Exil zweimal Vater – Verlobte bittet um Freilassung

Wikileaks-Gründer Julian Assange versteckte sich sieben Jahre und bekam in der Zeit zwei Kinder.
Wikileaks-Gründer Julian Assange versteckte sich sieben Jahre und bekam in der Zeit zwei Kinder.

Eine Juristin fürchtet wegen der Corona-Pandemie zunehmend um sein Leben – sie soll auch gemeinsame Söhne mit ihm haben.

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12. April 2020, 10:39 Uhr

London | Wikileaks-Gründer Julian Assange ist während seines siebenjährigen Asyls in der Botschaft von Ecuador in London zwei Mal heimlich Vater geworden. Mutter der beiden inzwischen zwei und vier Jahre alten Jungen ist Stella Morris, ein Mitglied von Assanges Anwaltsteam. Sie seien seit 2017 verlobt und wollten bald heiraten, bestätigte die Anwältin am Sonntag in einem rund zwölfminütigen Interview auf Wikileaks.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte als erste von der Vaterschaft des 48-Jährigen berichtet. Sie zeigte Fotos von Assange mit seinen beiden Söhnen Gabriel und Max, begleitet von einem Interview mit Morris, in dem die 37-Jährige vor allem erzählt, wie ihre Beziehung im Jahr 2015 in der Botschaft begann.

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"Das ist der Mensch, (...) den ich auf der ganzen Welt am besten kenne", sagte die in Südafrika geborene Anwältin später in dem Wikileaks-Video. "Er ist außergewöhnlich", schwärmte sie. Sich in einer Zeit zu verlieben, in der "jeder versucht, dein Leben zu zerstören, ist eine Art Akt der Rebellion", sagte Morris weiter. Sie verglich ihre Geschichte mit ähnlichen Schicksalen "in Zeiten des Kriegs".

Die Geburt seiner Kinder in Londoner Krankenhäusern verfolgte Assange demnach per Live-Videoübertragung. Morris schmuggelte Gabriel später für einen Besuch in die Botschaft von Ecuador. Gabriel und sein jüngerer Bruder Max haben dem Bericht zufolge die britische Staatsbürgerschaft und haben ihren Vater im Gefängnis besucht. Seine Kinder gäben ihm "viel Ruhe und Rückhalt".

Wegen Corona: Antrag auf Freilassung abgelehnt

Morris habe sich entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen, da sie – auch wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Gefängnis – um Assanges Leben fürchte, erklärte sie.

Assange sitzt derzeit im Hochsicherheitsgefängnis HMP Belmarsh im Südosten Londons. Ein Prozess über einen Auslieferungsantrag der USA soll am 18. Mai fortgesetzt werden. Zuletzt hatte ein Gericht am 25. März einen Antrag von Assange auf Freilassung unter Kautionsauflagen wegen der Coronavirus-Pandemie abgelehnt.

Morris' Kollegin Jennifer Robinson, die Assange und Morris 2011 miteinander bekannt gemacht hatte, bestätigte der Nachrichtenagentur AFP die Geburt der Kinder. Vergeblich habe die 37-Jährige in dem Antrag auf bedingte Freilassung auf ihre Situation als Familie hingewiesen, fügte Robinson hinzu.

Die nächste Anhörung im Auslieferungsverfahren ist ab Mitte Mai vorgesehen, doch könnte auch sie von der Corona-Krise betroffen sein.

175 Jahre Haft drohen – Assange bestreitet Vorwürfe

Der 48-Jährige leidet nach Angaben von Freunden seit Monaten unter gesundheitlichen Problemen. Zudem breitet sich das Coronavirus in britischen Gefängnissen aus. In der Anstalt Belmarsh soll bereits ein Häftling an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben sein.

Die US-Justiz wirft Assange vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning – damals Bradley Manning – geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dabei soll Washington zufolge insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft.

Er bestreitet die Vorwürfe. Seinen Anwälten zufolge sind die Anklagepunkte konstruiert, um ein Exempel zu statuieren. Sie sehen in dem Verfahren einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und fordern Freilassung Assanges. Die Wikileaks-Enthüllungen hatten unter anderem zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch US-Soldaten geführt.

Schutz in ecuadorianische Botschaft

Assange hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte.

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