Keine Überraschung für Ministerium : Verwechslung: Jesidin ist Peiniger doch nicht in Deutschland begegnet

Die Jesidin Aschwak Hadschi Hamid Talo hatte doch nicht ihren früheren IS-Peiniger in Deutschland gesehen.
Die Jesidin Aschwak Hadschi Hamid Talo hatte doch nicht ihren früheren IS-Peiniger in Deutschland gesehen.

Den Ermittlungsbehörden warf die Jesidin damals vor, ihren Fall nicht ernst genug zu nehmen.

von
01. Dezember 2019, 16:16 Uhr

Bagdad/Schwäbisch Gmünd | Der Fall sorgte vor rund einem Jahr für Schlagzeilen: Eine traumatisierte Jesidin berichtete, dass sie ihren früheren IS-Peiniger in ihrer neuen Heimat in Schwäbisch Gmünd getroffen haben will. Jetzt nimmt die Geschichte eine neue Wendung. Die Frau hat eingeräumt, dass sie diesem Mann doch nicht im Südwesten begegnet ist. In einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit Iraks Staatsfernsehen sagte sie, es habe sich herausgestellt, dass der Mann, den sie gesehen habe, ein anderer gewesen sei. Dieser habe ihrem Peiniger geähnelt.

Vorwurf an Ermittlungsbehörden

Aschwak Hadschi Hamid Talo war 2015 als Flüchtling nach Baden-Württemberg gekommen und lebte mit ihrer Mutter und ihren Brüdern in Schwäbisch Gmünd. Sie verließ Deutschland 2018, nachdem sie ihren Peiniger nach eigenen Angaben auf der Straße gesehen hatte, kehrte aber wieder zurück. Den Ermittlungsbehörden warf sie damals vor, ihren Fall nicht ernst genug zu nehmen.

Das baden-württembergische Innenministerium sieht sich in dem Fall nun bestätigt. "Wir haben immer auf das laufende Ermittlungsverfahren verwiesen und vor vorschnellen Schlüssen gewarnt", teilte ein Sprecher am Sonntag auf Anfrage mit. "Insofern überrascht uns diese Entwicklung nicht wirklich. Sie zeigt deutlich, dass voreilige Urteile und Bewertungen riskant sind."

IS überrannte auch Gebiete der Jesiden

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte im Sommer 2014 große Regionen im Norden des Iraks überrannt. Dazu gehörten auch Gebiete der Jesiden, einer religiösen Minderheit, die von den Dschihadisten verfolgt wird. Tausende jesidische Frauen wurden von den Extremisten verschleppt und über Jahre misshandelt und missbraucht. Auch Aschwak Hadschi Hamid Talo wurde von einem IS-Kämpfer gekauft.

Die religiöse Minderheit der Jesiden stammt aus dem Irak, aus Syrien, der Türkei und dem Iran. Die monotheistischen Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um die irakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Viele sind wegen ihrer Verfolgung ins Ausland geflohen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen