Neu im Kino : Bardem und Cruz verbindet ein "Offenes Geheimnis"

Ein 'Offenes Geheimnis' verbindet Laura (Penélope Cruz) und Paco (Javier Bardem). Foto: Prokino/ Teresa Isasi
Ein "Offenes Geheimnis" verbindet Laura (Penélope Cruz) und Paco (Javier Bardem). Foto: Prokino/ Teresa Isasi

Javier Bardem und Penélope Cruz sind die Stars, Regie führt Oscar-Preisträger Farhadi: Wie gut ist "Offenes Geheimnis"?

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25. September 2018, 13:28 Uhr

Berlin | Für seinen zweiten europäischen Film arbeitet Oscar-Preisträger Asghar Farhadi mit Penélope Cruz und Javier Bardem. Am 27. September 2018 kommt der Thriller "Offenes Geheimnis" ins Kino. Premiere feierte der Film in Cannes.

Was ist das "Offene Geheimnis"?

Zur Hochzeit ihrer Schwester reist Laura in das spanische Dorf ihrer Jugend zurück, zusammen mit ihren Kindern Irene und Diego. Vor Jahren war sie zu ihrem Mann nach Argentinien gezogen und hatte nicht nur die Familie hinter sich gelassen, sondern auch Paco. Von der einstigen Jugendliebe zeugt nur noch eine in den Kirchturm geritzte Botschaft. Als Lauras Tochter mit einem Burschen aus dem Ort in den Glockenturm steigt, erfährt sie, was im Dorf ein offenes Geheimnis ist: Ihr Vater war nicht der einzige Mann im Leben der Mutter. (Bully Herbigs erster Thriller: Wie gut ist die Republikflucht-Geschichte "Ballon"?)

Entführung auf dem Hochzeitsfest

Ein paar Stunden später ist das Mädchen verschwunden: Von der Hochzeitsgesellschaft hatte sie sich mit einem Schwips ins Schlafzimmer verabschiedet; als Laura nach den Kindern sieht, ist Irenes Bett leer. Zumindest fast: Auf dem Laken liegen Zeitungsberichte über einen Teenager, der vor einiger Zeit in der Nähe gekidnappt und ermordet wurde. Haben die Täter noch einmal zugeschlagen? Gab es Helfer aus der Familie? Oder hat die übermütige Irene ihre Entführung nur inszeniert?

Cruz und Bardem

Seinen Thriller, der in Cannes als Eröffnungsfilm lief, hat Asghar Farhadi zwei echten Superstars auf den Leib geschrieben: Penélope Cruz und Javier Bardem als Laura und Paco. Nach der französischen Produktion „Le passé“ (2013) ist es der zweite Ausflug des Iraners ins europäische Kino und zugleich ein Wechsel vom Großstadt-Drama aufs Land. Das ist entscheidend für eine Geschichte, in der jeder über jeden Bescheid weiß – und Geheimnisse trotzdem so sorgfältig gehütet werden, dass die Betroffenen mitunter jahrzehntelang im Irrtum über das eigene Dasein leben. (Von "Venom" bis "Werk ohne Autor": Über welche Filme wir im Oktober reden)

Psychothriller mit doppelter Spannung

Farhadi arbeitet dabei mit einer doppelten Spannung; den Krimi beherrscht das Rätsel um den Verbleib von Irene, die melodramatischen Ebene wird von der Frage dominiert, wer alles in dieser Familie wen belügt. Eine Lösegeldforderung, die bald eintrifft, wird zum Katalysator verdrängter Konflikte. Unter dem Zwang, sehr schnell, sehr viel Geld aufzutreiben, reißen die notdürftigen Schweißnähte des Familienkonstrukts auf.

Fast mathematisch spielt der zweifache Oscar-Preisträger – Farhadi wurde für „Nader und Simin“ (2011) sowie für „The Salesman“ (2016) ausgezeichnet – in den Begegnungen und Aussprachen seiner Figuren alle erdenklichen Konstellationen durch. Dabei nähert er sich immer mehr der heimlichen Figur im Zentrum, die von ihrer Rolle in der Familie selbst am wenigsten begreift. Ihr schmerzhafter Erkenntnisprozess gibt dem Film vom Ende her eine emotionale Wucht – die anfangs vielleicht ein bisschen zur sehr vom Ratespiel um die Entführung überdeckt wird.

„Offenes Geheimnis“. E/F/I 2018. R: Asghar Farhadi. D: Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darín. 133 Minuten, ab 12 Jahren.

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