Einfuhr von Abfall : Indonesien schickt Müll in wohlhabendere Länder zurück

Derzeit wehren sich immer mehr südostasiatische Länder gegen die ungebremste Einfuhr von Müll.
Derzeit wehren sich immer mehr südostasiatische Länder gegen die ungebremste Einfuhr von Müll.

Plastikabfall aus den großen Industrienationen landet oft in anderen Ländern. Indonesien schickt die Abfälle nun zurück.

von
09. Juli 2019, 10:13 Uhr

Jakarta | Indonesische Behörden haben erneut die Einführung von unsortierten und zum Teil gefährlichen Abfällen aus einem wohlhabenderen Land verhindert. Acht Container mit mehr als 210 Tonnen Müll werden in ihr Herkunftsland Australien zurückgeschickt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag von der Zollbehörde in der Provinz Ostjava erfuhr. Erst in der Vorwoche hatte das Inselreich 49 Container mit Abfall in Industrieländer zurückgesendet, darunter Müll aus Deutschland.

Windeln, Plastikflaschen und Dosen aus Australien

Die in der Stadt Surabaya beschlagnahmten Container aus Australien enthielten neben dem deklarierten Papiermüll auch gefährliche Materialien und Haushaltsmüll wie Windeln, Plastikflaschen, Dosen und Elektroschrott. Nach Behördenangaben hatte das australische Unternehmen Oceanic Multitrading die Container mit Hilfe der indonesischen Firma PT versendet.

Schwere Umweltschäden

Derzeit wehren sich immer mehr südostasiatische Länder gegen die ungebremste Einfuhr von Müll. Hintergrund ist, dass China im vergangenen Jahr entschieden hatte, kein gebrauchtes Plastik aus anderen Ländern mehr zu verarbeiten. Seitdem finden große Kunststoffmengen ihren Weg nach Südostasien, wo der Müll dann oft nicht fachgerecht entsorgt wird und schwere Schäden zu Lasten von Menschen und Umwelt entstehen. (Weiterlesen: "Es ist ekelhaft": Wal mit 40 Kilogramm Plastik im Magen verendet)

So viel Müll verschicken die Deutschen

Deutschland exportiert jährlich gut eine Million Tonnen Plastikabfälle im Wert von circa 350 Millionen Euro. Allein nach Malaysia exportierte Deutschland im Jahr 2018 nach vorläufigen Zahlen des Umweltbundesamtes etwa 130.000 Tonnen mehr oder weniger sortierten Plastikabfalls. 2017 waren es erst 75.000 Tonnen gewesen. Nach Vietnam gingen 57.000, nach Indonesien 64.000, nach Indien 68.000 und nach Hongkong 73.000 Tonnen.

Verteilung der Zielländer deutscher Plastikmüllexporte im Jahr 2018. Datenquelle: EUWID 2019. Bild: NABU Deutschland
Verteilung der Zielländer deutscher Plastikmüllexporte im Jahr 2018. Datenquelle: EUWID 2019. Bild: NABU Deutschland

Die vermeintlich so umweltbewussten Deutschen produzieren nicht nur mehr Müll als die meisten anderen EU-Bürger. Aus der Bundesrepublik wird Abfall auch in großem Stil exportiert. Es ist Mülltourismus im globalen Maßstab: Aus den Tonnen, aus dem Sinn - ein enormes Geschäft. Jetzt allerdings wollen manche der ärmeren Staaten, die schon die eigenen Müllprobleme nicht in den Griff bekommen, nicht länger mitmachen. Sie schicken illegalen Abfall zurück.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen