Prozessauftakt : Isolierte Familie in den Niederlanden: Vater drohte mit "bösen Geistern"

Der abgelegene Bauernhof in Ruinerwold, auf dem die Kinder festgehalten wurden.
Der abgelegene Bauernhof in Ruinerwold, auf dem die Kinder festgehalten wurden.

Sechs seiner Kinder hielt ein Niederländer über Jahre auf einem abgelegenen Bauernhof versteckt.

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21. Januar 2020, 13:14 Uhr

Der Vater, der mit seiner Familie isoliert auf einem niederländischen Bauernhof lebte, hat der Anklage zufolge seine sechs Kinder über Jahre hinweg misshandelt. Der Niederländer Gerrit Jan van D. (67) habe sie neun Jahre lang "psychisch gefangen gehalten", erklärte Staatsanwältin Diana Roggen am Dienstag in Assen vor Gericht. "Es sind Straftaten gegen Kinder in einer extrem abhängigen Situation."

Vorwurf der Freiheitsberaubung und Geldwäsche

Gut drei Monate nach Entdeckung der Familie auf dem Hof im ostniederländischen Dorf Ruinerwold wurde der bizarre Fall jetzt erstmals dem Gericht vorgelegt. Der Vater sowie der Österreicher Josef B. (58), der den Hof gemietet hatte, werden der Freiheitsberaubung und Geldwäsche beschuldigt. Das Gericht verlängerte die Untersuchungshaft für beide Männer um weitere drei Monate. Der nach einem Schlaganfall gelähmte Gerrit Jan van D. erschien nicht vor Gericht. Das Gericht ordnete auch eine medizinische Untersuchung an, um zu klären, inwieweit er vernehmungsfähig sei. Der Österreicher B. wies die Vorwürfe zurück. Er sprach von einer "Hexenjagd".

Tochter und Sohn offenbar vergewaltigt

Der 67-Jährige soll eine Tochter und einen Sohn im Alter von damals 12 bis 15 Jahren mehrfach vergewaltigt haben, wie es in der Anklage heißt. Den Missbrauch habe er damit gerechtfertigt, dass ein "weiblicher Geist" oder der Geist ihrer toten Mutter in die Kinder gefahren sei.

Vater drohte mit "bösen Geistern"

Der Vater wollte die Kinder laut Anklage von der Welt fern halten und drohte ihnen bei Kontakt mit der Außenwelt mit "bösen Geistern". Die Kinder sagten demnach, dass sie auch geschlagen und getreten worden seien. Weitere Strafen seien das Zudrücken der Kehle und stundenlanges Sitzen in kaltem Wasser gewesen.

Die Polizei hatte die Familie im letzten Oktober in einem geheimen Raum hinter einem Schrank entdeckt. Zuvor hatte der älteste Sohn in der Dorfkneipe um Hilfe gebeten. Drei ältere Kinder waren schon früher aus der Familie geflohen. Die Mutter war 2004 gestorben. Das Hauptverfahren wird möglicherweise erst nach dem Sommer eröffnet.

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