"The Man Who Killed Don Quixote" : Im Hirn von Terry Gilliam: Neues vom Monty-Python-Star

Don Quichotte und Sancho Pansa: Adam Driver und Jonathan Pryce in Terry Gilliams 'The Man Who Killed Don Quixote'. Foto: Diego Lopez Calvin/Concorde
Don Quichotte und Sancho Pansa: Adam Driver und Jonathan Pryce in Terry Gilliams "The Man Who Killed Don Quixote". Foto: Diego Lopez Calvin/Concorde

Terry Gilliam hat seinen mythischen Cervantes-Film also doch noch beendet. Was taugt "The Man Who Killed Don Quixote"?

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26. September 2018, 09:09 Uhr

Berlin | An diesen Film hat kaum noch einer geglaubt: Nach einer jahrzehntelangen Pannengeschichte bringt Terry Gilliam "The Man Who Killed Don Quixote" nun doch noch ins Kino. Am 27. September 2018 startet die sehr freie Cervantes-Geschichte im Kino. ("Venom" bis "Werk ohne Autor": Über welche Filme werden wir im Oktober reden?)

Legendäres Pannenprojekt: Gilliams "Don Quixote"

„Und nun, nach 25 Jahren von Produktion und Destruktion: ‚The Man Who Killed Don Quixote‘“, so kündigt Terry Gilliam seinen Film im Vorspann selbstironisch an. Tatsächlich ist er der kaum noch für möglich gehaltene Abschluss einer chaotischen Produktionsgeschichte, die sogar noch älter ist. 1989 hatte Gilliam die Idee, Cervantes „Don Quixote“ zu verfilmen. Ein Jahrzehnt verstrich, bis Gilliam den Stoff in ein finanzierbares Drehbuch verwandelt hatte. Nach Erfolgen wie „König der Fischer“ (1991) und „12 Monkeys“ (1995) begann der Dreh im Herbst 2000 – und mit ihm die verheerende Pannenserie: Tiefflieger ließen den Tonmann verzweifeln, Unwetter machten die Kulisse unbespielbar, und an Tag 5 fiel der Hauptdarsteller aus. Nach einem Bandscheiben-Vorfall konnte Jean Rochefort nicht mehr reiten – eine Grundvoraussetzung für die Ritter von der traurigen Gestalt.

Das Projekt war gestorben, und sein Misserfolg war so spektakulär, dass er zum Gegenstand eines eigenen Dokumentarfilms wurde. Der Film über Don Quixote – den Mann, der Traum und Wirklichkeit nicht auseinanderhalten kann – war selbst zu einer unerfüllbaren Illusion geworden. Und kaum jemandem dürfte diese Ironie stärker imponiert haben als Terry Gilliam, dem finstersten aller Humoristen.

Infektiöser Irrsinn: "Don Quixote" macht alle verrückt

Der nun also doch noch vollendete Film ist ein Denkmal gescheiterter Hoffnungen: Fragwürdiger Held der Geschichte ist Toby. Als ambitionierter Filmstudent hat er selbst einen gefeierten „Don Quixote“-Film realisiert – damit aber auch eine Illusionsmaschine in Gang gesetzt, die das Leben aller Beteiligten zerstört. Toby hat der Erfolg zum Zyniker gemacht, der seine Kunst als Werberegisseur an Vodka-Oligarchen verscherbelt. Seine Laiendarsteller von damals sind in der Gosse gelandet: Die Dulcinea hat es statt nach Hollywood nur bis zum Escort-Service geschafft. Und der Hauptdarsteller hält sich inzwischen wirklich für Don Quixote.

Ein Verrückter, der glaubt, der berühmteste Verrückte der Weltliteratur zu sein: Gilliams Grundidee multipliziert Cervantes‘ Figur mit sich selbst. Keine schlechte Voraussetzung für einen Film über den Wahnsinn des Filmemachens – aus dem dann allerdings trotzdem nichts wird. Stattdessen lässt der Regisseur seiner Fantasie die Zügel schießen und jagt Adam Driver (Toby/Sancho Pansa) und Don Quixote (sehr lustige: Jonathan Pryce) durch ein groteskes, hochgradig beliebiges Traumtheater. ("Ballon": Wie gut ist Bully Herbig als Thriller-Regisseur?)

Worum geht es hier eigentlich?

Nachdem Toby seinen alten Don Quixote wiederfindet, geraten beide in eine Polizeikontrolle und sind seitdem auf der Flucht. Als erstes lassen sie dabei die Wirklichkeit hinter sich: Es tauchen zornige Riesen auf, randvoll mit Gold gefüllte Pferdekadaver, bärtige Frauen, die spanische Inquisition, und nie ist ganz klar, ob man gerade auf einer Kostümparty ist, in einem Traum oder irgendwo in Terry Gilliams Hirn. Trump wird im Nebensatz erwähnt, kurz geht’s auch um Terroristen; aber so gut der Traumtänzer im Weißen Haus auch zum Thema passen würde –Zeitbezüge verpuffen hier grundsätzlich in einer halben Pointe. Am Ende sieht der ganze Film aus wie die Vorspänne, die Gilliam vor 50 Jahren für „Monty Python’s Flying Circus“ entworfen hat. Eingefleischten Fans wird das Freude machen. Angesichts der gewaltigen Erwartung, die sich um diesen Film aufgebaut hat, ist das Resultat allerdings – desillusionierend.

„The Man Who Killed Don Quixote“. E/F 2018. R: Terry Gilliam. D: Adam Driver, Stellan Skarsgard, Jonathan Pryce. 133 Minuten, ab 12 Jahren. Der Film startet am 27. September 2018.

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