Bericht : IS soll Anschlag auf Musikfestival in Deutschland geplant haben

Eines der Terrorziele soll ein Musikfestival gewesen sein. Symbolfoto: dpa/Thomas Frey
Eines der Terrorziele soll ein Musikfestival gewesen sein. Symbolfoto: dpa/Thomas Frey

Generalbundesanwalt Peter Frank bestätigt: "Für uns war die Faktenlage in diesem Fall sehr konkret und auch belastbar."

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17. Oktober 2018, 17:57 Uhr

Berlin | Der sogenannte Islamische Staat (IS) soll einen großen Terroranschlag in Deutschland vorbereitet haben. Darüber berichtet ein deutscher IS-Anhänger, der an den Planungen beteiligt gewesen sein soll, im Interview mit Reportern von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" sowie parallel dazu auch die "Zeit".

Die Bundesanwaltschaft bestätigte die Terrorplanungen. "Wir haben sehr frühzeitig von den Anschlagsplanungen erfahren, so dass wir im Oktober des Jahres 2016 ein strafrechtliches Verfahren einleiten konnten", sagte Generalbundesanwalt Peter Frank den ARD-Sendern. "Für uns war die Faktenlage in diesem Fall sehr konkret und auch belastbar." Den Sendern zufolge werden weitere Tatbeteiligte noch gesucht. Demnach hätten die Sicherheitsbehörden die Pläne in einer mehr als einjährigen Operation durchkreuzt.

Hildesheimer IS-Anhänger spielt zentrale Rolle

Laut Bericht sollten 2016 drei Teams von Attentätern nach Deutschland reisen, um den Anschlag vorzubereiten und durchzuführen. Eines der möglichen Ziele soll dabei ein Musikfestival gewesen sein.

Eine zentrale Rolle sollen dabei der Hildesheimer IS-Anhänger Oguz G. und seine aus Salzgitter stammende Frau Marcia M. gespielt haben, die nach Erkenntnissen der Ermittler 2015 zur Unterstützung des IS nach Syrien ausreisten. Als im Oktober 2017 kurdische Einheiten die damalige IS-Hauptstadt Rakka eroberten, hätten die beiden sich den kurdischen Behörden gestellt. Seitdem seien sie in den kurdisch kontrollierten Gebieten Syriens in Haft .

Marcia M. soll an eine Informantin des Verfassungsschutzes geraten sein, als sie versucht hätte, von Syrien aus potenzielle Unterstützer in Norddeutschland anzuwerben. Sie habe offensichtlich Islamistinnen dazu bewegen sollen, IS-Kämpfer zu heiraten. Die Frauen hätten diese dann nach Deutschland einladen sollen, um dort den geplanten Anschlag verüben zu könnten.

Umfangreiche Aussagen von Marcia M. und Oguz G.

Laut Ermittlungen könnte der Auftrag zu der Tat auf einen hochrangigen IS-Funktionär mit dem Kampfnamen Abu Mussab al-Almani zurückgehen – hinter dem sich der inzwischen offenbar bei Kämpfen in Syrien zu Tode gekommene Schweizer Thomas C. verbergen soll. Die Kenntnisse der Ermittler aber hätten die Pläne letztlich durchkreuzt.

Oguz G. soll im Gespräch mit NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" gesagt haben, dass er seine Taten inzwschen bereue. In die Anschlagsplanungen sei er zufällig "reingerutscht" und habe dann versucht, "aus der Sache wieder rauszukommen".

Wie die "Zeit" berichtet, hätten sich er und Marcia M. im Oktober 2017 den kurdischen Behörden gestellt und inzwischen umfangreich ausgesagt. Zudem liegen Haftbefehle gegen beide in Deutschland vor.

(mit dpa)

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