Anschläge in Deutschland geplant : Ermittler heben IS-Zelle in NRW aus: Fünf Männer in Untersuchungshaft

Beim Bundesgerichtshof sind fünf Terrorverdächtige aus NRW dem Haftrichter vorgeführt wurden.
Beim Bundesgerichtshof sind fünf Terrorverdächtige aus NRW dem Haftrichter vorgeführt wurden.

Der fünfte Mann saß schon vorher in U-Haft. Die Bundesanwaltschaft hatte trotzdem einen neuen Haftbefehl erwirkt.

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15. April 2020, 09:04 Uhr

Düsseldorf/Karlsruhe | Antiterrorermittler haben offenbar Anschlagspläne einer IS-Zelle in Deutschland im Keim erstickt und am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen vier mutmaßliche Islamisten aus Tadschikistan festgenommen. Die Verdächtigen sollen mit einem bereits seit März 2019 inhaftierten weiteren Tadschiken Anschläge auf Einrichtungen von US-Streitkräften und Einzelpersonen geplant haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von einem Vorgang mit "riesigen Dimensionen".

Laut Bundesanwaltschaft planten die Verdächtigen insbesondere einen Mordanschlag auf einen Menschen, der sich "aus Sicht der Beschuldigten islamkritisch in der Öffentlichkeit geäußert hatte". Dieses potenzielle Mordopfer soll einer der Festgenommen bereits ausgespäht haben. Auch wurden demnach US-Luftwaffenstützpunkte in Deutschland ausgekundschaftet. Reul zufolge handelte es sich um zwei US-Militärbasen.

Offenbar Mord eines Islamkritikers geplant

Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Donnerstag richteten sich die Mordpläne gegen den Islamkritiker Amir Masoud Arabpour M. aus Neuss. Am 14. März 2019 kundschaftete demnach ein Mitglied der Zelle das Umfeld des potenziellen Anschlagsopfers aus. Für die Anschläge auf US-Lufwaffenbasen wollten die Tatverdächtigen dem Bericht zufolge offenbar Drohnen nutzen. Zudem sollen die fünf mutmaßlichen Islamisten einen Angriff per Gleitschirm durchgespielt haben.

Reul sagte in Düsseldorf, den Beschuldigten sei es mit ihren Anschlagsplänen "sehr ernst" gewesen. Nach derzeitigen Erkenntnissen habe aber ein Anschlag nicht unmittelbar bevorgestanden. Drei der Verdächtigen seien als Gefährder eingestuft, die anderen beiden als sogenannte relevante Personen.

Als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen

Alle fünf seien als Flüchtlinge nach Deutschland eingereist. An der Razzia waren laut Reul insgesamt rund 350 Polizisten beteiligt. Nach ersten Erkenntnissen sei bei Durchsuchungen von insgesamt 13 Objekten in Nordrhein-Westfalen Geld und Datenträger gefunden worden.

Dem Generalbundesanwalt zufolge wurden die vier Verdächtigen durch Spezialkräfte des Landes Nordrhein-Westfalen und Beamte des Polizeipräsidiums Düsseldorf in Siegen, in Werdohl im Märkischen Kreis sowie im Kreis Heinsberg festgenommen. Zudem wurden die Wohnungen der Beschuldigten sowie weitere Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht.

Die vier Festgenommenen sowie der bereits in Untersuchungshaft sitzende Mann seien dringend verdächtig, in Deutschland als Mitglieder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eine Terrorzelle gegründet zu haben. Sie sollen sich demnach im Januar 2019 dem IS angeschlossen haben.

Statt Kampf in Tadschikistan auf Deutschland konzentriert

Den Ermittlern zufolge gründeten die Beschuldigten im Auftrag der Miliz gemeinsam eine Zelle in Deutschland. Zunächst sollen sie geplant haben, in Tadschikistan an Kämpfen gegen die Regierung teilzunehmen.

Von diesem Vorhaben sollen sie jedoch Abstand genommen haben und stattdessen tödliche Anschläge in Deutschland geplant haben. Dabei standen sie laut Bundesanwaltschaft in Kontakt mit zwei ranghohen IS-Führungsmitgliedern in Syrien und Afghanistan, von denen sie entsprechende Anweisungen erhielten.

Die Zelle soll bereits über scharfe Schusswaffen und Munition verfügt haben. Zudem beschaffte der zuvor Festgenommene laut den Ermittlern Anleitungen für die Herstellung sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen. Einige der hierfür notwendigen Komponenten seien bereits im Internetversandhandel erworben worden.

Spende an IS mittels Auftragsmord

Auch sollen die Verdächtigen zur Finanzierung ihrer Pläne sowie zur Unterstützung des IS in Syrien Geld in Deutschland gesammelt und über in der Türkei ansässige Finanzagenten an die Dschihadistenmiliz transferiert haben. Um dem IS noch weitere Mittel zukommen lassen zu können, soll der schon länger in U-Haft sitzende Tadschike zudem einen mit 40.000 Dollar dotierten Auftrag für einen Mordanschlag in Albanien angenommen haben.

Dazu sollen er und einer der weiteren vier Festgenommenen nach Albanien gereist sein. Laut Bundesanwaltschaft scheiterte die Ausführung des Auftrags jedoch kurzfristig, woraufhin beide Männer nach Deutschland zurückgekehrt sein sollen.

Die vier nun festgenommenen Beschuldigten wurden noch am Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Dieser setzte ihre Haftbefehle in Vollzug und ordnete gegen alle Beschuldigten den Vollzug von Untersuchungshaft an.

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