Befreiung von Auschwitz-Birkenau : Holocaust-Ausstellung eröffnet: Die Gesichter der Überlebenden

Nordrhein-Westfalen, Essen: Die Ausstellung 'Survivors - Faces of Life after the Holocaust' zeigt Porträt-Fotos von Holocaust-Überlebenden.
Nordrhein-Westfalen, Essen: Die Ausstellung "Survivors - Faces of Life after the Holocaust" zeigt Porträt-Fotos von Holocaust-Überlebenden.

Ein Fotograf hat 75 Holocaust-Überlebende porträtiert. Die Aufnahmen sind in einer Ausstellung in Essen zu sehen.

von
21. Januar 2020, 15:36 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnete am Dienstag in Essen eine Ausstellung mit großformatigen Porträtfotos von Holocaust-Überlebenden. Zu sehen sind Fotografien des Künstlers Martin Schoeller. Dieser hat 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau 75 Holocaust-Überlebende in Israel porträtiert. Die Ausstellung trägt den Titel "Survivors. Faces of Life after the Holocaust" (Überlebende: Gesichter des Lebens nach dem Holocaust).

 Ein Blick in die Ausstellung 'Survivors - Faces of Life after the Holocaust'. Foto: imago images/Michael Kneffel
imago images/Michael Kneffel
Ein Blick in die Ausstellung "Survivors - Faces of Life after the Holocaust". Foto: imago images/Michael Kneffel


Merkel rief die Bürger dazu auf, Zivilcourage zu zeigen. "Und so ist auch jedes Porträt hier eine Mahnung an uns, für Menschlichkeit einzutreten, eine Mahnung, im Alltag eben nicht zu schweigen und wegzuschauen, wenn jemand angegriffen, gedemütigt und in seiner Würde verletzt wird", sagte die Kanzlerin. Die Menschenwürde zu achten und zu schützen sei die vornehmste Pflicht des Staates und "unser aller Verantwortung".

Es gebe leider Gründe, "uns diese Verantwortung heute wieder deutlich ins Gedächtnis zu rufen, und zwar wahrlich nicht erst seit dem Anschlag von Halle". Rassismus und Antisemitismus seien "nicht nur ein widerwärtiger Angriff auf einzelne Bürger, sondern eben auch ein Angriff auf die grundlegenden Werte, die unsere Gesellschaft tragen und zusammenhalten", so Merkel weiter.

Die Arbeiten werden erstmalig präsentiert. Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur Bonn mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Sie soll weltweit gezeigt werden.

Weiterlesen: Merkel in Auschwitz: "Ich empfinde eine tiefe Scham"

"Der kleine Junge vom Todesmarsch auf dem Weg zur Kanzlerin"

Die Luftwaffe hat am Dienstag den Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst (87) aus Tel Aviv nach Deutschland geflogen. "Das ist unglaublich. Der kleine Junge vom Todesmarsch nun in einer deutschen Militärmaschine auf dem Weg zur Kanzlerin", sagte Fürst der Deutschen Presse-Agentur auf dem Flug nach Düsseldorf.

Der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhalten sich beim Empfang vor der Ausstellung. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
dpa/Rolf Vennenbernd
Der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhalten sich beim Empfang vor der Ausstellung. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd


Lange seien Erinnerungen und Gefühle tief in seiner Seele begraben gewesen, hat er mal geschrieben. Ein bekanntes Foto, aufgenommen am 16. April 1945, zeigt ihn auf dem Bauch liegend in der dritten Etage einer Pritsche im Konzentrationslager Buchenwald, das Kinn abgestützt, aber mit konzentriertem Blick. Vorher war er im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und zwei weiteren Lagern inhaftiert.

Die Ausstellung arbeitet gegen das Vergessen des Holocaust an

"Ich bin als Vertreter derer unterwegs, die nicht sprechen können - weil sie ermordet wurden oder zu alt sind. Es ist, als stände ich nun allein auf dem Gipfel", sagte Fürst im Flugzeug. "Aber auch wenn es traurig ist, erzähle ich es immer ein wenig mit Humor." Er nehme auch wahr, dass es in Deutschland viele Menschen gebe, die gegen das Vergessen arbeiten. Die Ausstellung in Essen ist dazu ein Beitrag.

Die Ausstellung wurde am 21.012020 in Essen eröffnet. Foto: imago images/Michael Kneffel
imago images/Michael Kneffel
Die Ausstellung wurde am 21.012020 in Essen eröffnet. Foto: imago images/Michael Kneffel


"Jede Fotografie spricht zu unserem Herzen"

"Jede der Fotografien sagt mehr, als es Worte je vermögen", sagte Kai Diekmann, Vorsitzender des Deutschen Freundeskreises von Yad Vashem. "Jeder der von nahem und überlebensgroß gezeigten Gesichtszüge trägt ein Stück persönlicher und kollektiver Geschichte in sich. Ihre Gesichter beobachten uns. Ihr Blick fesselt uns. Die Furchen der Gesichter sind Zeichen des durchlebten Grauens und zugleich des Triumphs, sich ein neues Leben aufgebaut zu haben." Und: "Jede Fotografie spricht zu unserem Herzen – und öffnet ein Tor zu dem überwältigenden Vermächtnis der Opfer und Überlebenden."

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau hat der Fotograf Martin Schoeller 75 Überlebende des Holocaust porträtiert. Foto: imago images/Michael Kneffel
via www.imago-images.de
Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau hat der Fotograf Martin Schoeller 75 Überlebende des Holocaust porträtiert. Foto: imago images/Michael Kneffel


Weiterlesen: Befreiung aus dem KZ vor 74 Jahren: Begegnung mit Zeitzeugen

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen