Mit Kieferbruch im Krankenhaus : Hockenheims Oberbürgermeister kannte brutalen Angreifer nicht

Der SPD-Kommunalpolitiker steht seit 2004 an der Rathausspitze. Am 15. Juli 2019 wurde er von einem Unbekannten angegriffen und verletzt.
Der SPD-Kommunalpolitiker steht seit 2004 an der Rathausspitze. Am 15. Juli 2019 wurde er von einem Unbekannten angegriffen und verletzt.

Der Kommunalpolitiker kann sich zwar erinnern. Aber seine Aussage hilft der Polizei nicht weiter.

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16. Juli 2019, 16:08 Uhr

Böhl-Iggelheim | Nach dem Angriff auf den scheidenden Oberbürgermeister von Hockenheim (Baden-Württemberg) fehlt von dem Schläger laut Polizei noch eine heiße Spur. Die Ermittlungen nach dem Angriff liefen "mit Hochdruck" und "in alle Richtungen", sagte die Polizeisprecherin. "Wir können keinen Sachverhalt ausschließen."

Gummer könne sich zwar an den Angriff erinnern. Den Täter habe er aber nicht gekannt, auch habe er in einem ersten Gespräch über die Attacke keine Hinweise auf ein Motiv geben können.

Der Angreifer habe am Montagabend am Haus des 67-jährigen Dieter Gummer in Böhl-Iggelheim (Rheinland-Pfalz) geklingelt und um ein Gespräch gebeten. Der SPD-Politiker kam laut Polizei nach unten in den Hof seines privaten Anwesens, als der Unbekannte durch das offenstehende Tor auf ihn zuging und ihm unvermittelt mit der Faust ins Gesicht schlug.

Gummer sei gestürzt und mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen, hieß es weiter. Er erlitt bei der Attacke einen Kieferbruch und lag am Mittwoch weiter auf der Intensivstation. Der Täter entkam unerkannt zu Fuß. Er wird als dunkelhäutig und schlank beschrieben. Laut Polizei sprach er Deutsch mit leichtem Akzent.

Landesinnenminister verurteilt "Verrohung"

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) verurteilte den Angriff: "Gewalt ist immer und in jedem Fall absolut verabscheuungswürdig", sagte er. Strobl warnte auch vor einer Verrohung der Sprache: "Aus Worten werden Taten. Deshalb gilt auch hier: Wehret den Anfängen." Der baden-württembergische SPD-Chef Andreas Stoch forderte dazu auf, eine "Verrohung dessen, was unsere Gesellschaft im Kern auszeichnet", nicht zuzulassen.

Gummer ist seit 2004 Oberbürgermeister der baden-württembergischen Stadt Hockenheim und scheidet demnächst altersbedingt aus dem Amt aus. Über seine Nachfolge entscheiden die Bürger von Hockenheim am Sonntag im zweiten Durchgang der Oberbürgermeisterwahl.

Im Durchschnitt etwa drei Angriffe auf Amtsträger täglich

Nach Angaben des Städtetags gab es im vergangenen Jahr mehr als 1200 politisch motivierte Straftaten gegen Amtsträger. In den vergangenen Wochen hatten Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen Kommunalpolitiker in Deutschland erneut für eine starke Debatte gesorgt. Unter anderem waren Forderungen nach härterer Strafverfolgung laut geworden.

Die Diskussion um die Sicherheit von Kommunalpolitikern war angestoßen worden durch den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der am 2. Juni vor seinem Haus erschossen worden war. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan E. hatte die Tat zunächst gestanden, später aber sein Geständnis widerrufen. Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Bürgermeister des sauerländischen Altena und weitere deutsche Politiker haben bereits Morddrohungen erhalten.

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