Nach Kollision mit Frachter : Ermittlungen gegen Kapitän des gesunkenen Segelschiffs eingeleitet

DLRG-Mitarbeiter und Taucher im Einsatz auf dem Segelschiff 'No 5 Elbe'.
DLRG-Mitarbeiter und Taucher im Einsatz auf dem Segelschiff "No 5 Elbe".

Warum das Segelschiff auf der falschen Seite fuhr und mit einem Containerschiff kollidierte, ist weiterhin unklar.

svz.de von
11. Juni 2019, 17:17 Uhr

Hamburg | Drei Tage nach der Kollision eines Containerschiffs mit einem Lotsenschoner hat die Polizei Ermittlungen gegen den 82 Jahre alten Kapitän des historischen Zweimasters eingeleitet. Es gehe um den Verdacht der Gefährdung des Schiffsverkehrs und der fahrlässigen Körperverletzung, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Nach ersten Erkenntnissen war der historische Segler am Samstag auf der falschen Elbseite gefahren und dort mit dem Containerschiff kollidiert. An Bord waren 43 Menschen. Bei der Havarie gab es glücklicherweise nur acht Leichtverletzte. Der Kapitän gilt nach Angaben des Schiffbetreibers, der Stiftung Hamburg Maritim, als sehr erfahren. Er habe erst wenige Monate zuvor seine vorgeschriebene Seediensttauglichkeit nachgewiesen.

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Nach Angaben der Polizei ist klar, dass sich der Lotsenschoner zum Zeitpunkt des Unglücks auf der falschen Fahrtseite befunden hat. Unklar sei aber, ob dies mit einem Kreuzen unter Segeln zu tun gehabt habe. Nach unbestätigten Angaben hatte der 82-jährige Kapitän auch auf warnende Funksignale eines vorausfahrenden Frachtschiffs nicht reagiert, dem aufgefallen war, dass sich der Schoner auf der falschen Seite befand. Die Stiftung Maritim betonte, der Kapitän sei ein sehr erfahrener Elblotse, der von Anfang an auf dem Schiff gefahren sei. Auf Traditionsschiffen müssten Kapitäne alle zwei Jahre ihre Seediensttauglichkeit nachweisen, und das habe der 82-Jährig erst wenige Monaten zuvor gemacht.

Das jüngst aufwendig sanierte historische Segelschiff war am Samstag auf der Elbe mit dem Containerschiff kollidiert und dann im Uferbereich der Schwinge-Mündung auf niedersächsischer Seite gesunken. Das Schiff ging praktisch in dem Augenblick unter, als die Feuerwehr den Kapitän als letzte Person an Land gebracht hatte, wie ein Sprecher der Feuerwehr Stade der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er betonte, es sei großes Glück, dass Feuerwehr und DLRG bei dem Unglück zufällig mit Schiffen in der Nähe gewesen seien. Wenn sie nicht so schnell gekommen wären und den Zweimaster in Richtung Land gebracht hätten, dann wäre das Schiff vermutlich schon in der Elbe gesunken.

Mit der Bergung soll bald begonnen werden

Der Betreiber des Zweimasters "No 5 Elbe" hofft nun auf eine schnelle Bergung und eine Reparatur des Schiffs. Er sehe für den historischen Lotsenschoner nicht schwarz, der lasse sich wohl wieder reparieren, sagte Joachim Kaiser von der Stiftung Hamburg Maritim. Nach Angaben der Polizei soll zunächst ein Bergungskonzept erarbeitet werden, dann könne vielleicht am Donnerstag mit der Bergung des Schiffs begonnen werden.

Der 37 Meter lange Gaffelschoner ist Hamburgs letztes verbliebenes Seeschiff aus der Ära des Holzschiffbaus. Er lief 1883 auf der Werft von H.C. Stülcken auf Steinwerder vom Stapel. 2002 erwarb die Stiftung Hamburg Maritim das Schiff in Seattle und brachte es wieder zurück nach Hamburg. Hier nahm das Traditionsschiff an Veranstaltungen wie dem Hafengeburtstag teil und wurde für Ausfahrten genutzt. Zuletzt lag es acht Monate in einer dänischen Werft und erhielt für 1,5 Millionen Euro unter anderem neue Außenplanken.

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