114.000 Opfer pro Jahr : "Alarmierende Zahlen": Jede dritte Frau in Deutschland erlebt Gewalt

Insgesamt 122 Frauen wurden vergangenes Jahr in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.
Insgesamt 122 Frauen wurden vergangenes Jahr in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Mehr als ein Mal pro Stunde wurde eine Frau im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner angegriffen.

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25. November 2019, 14:45 Uhr

Berlin | Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich zutiefst besorgt über die Gewalt gegen Frauen geäußert. Die aktuellen Zahlen seien "alarmierend", sagte Giffey am Montag in Berlin. Laut Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 122 Frauen in Deutschland von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Insgesamt seien mehr als 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt oder Bedrohungen geworden. Nach Dunkelfeldstudien sei jede dritte Frau einmal im Leben von Gewalt betroffen. Am Montag wurde der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen.

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Fast ausschließlich sind Frauen die Opfer

Bei Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung in Partnerschaften seien die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich. Bei Bedrohung, Stalking, Nötigung in der Partnerschaft seien es 88,5 Prozent, bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung seien es 79,9 Prozent, bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen seien 77 Prozent der Opfer Frauen.

Von den insgesamt 117.473 erfassten Tatverdächtigen waren 78.759 (67,0 Prozent) deutsche Staatsangehörige. Nach Deutschen wurden als Tatverdächtige am häufigsten türkische Staatsangehörige (6.694 Personen; 5,7 Prozent aller Tatverdächtigen) erfasst, gefolgt von polnischen (3.042; 2,6 Prozent), syrischen (2.759; 2,3 Prozent) und rumänischen (1.909; 1,6 Prozent) Staatsangehörigen.

Mehr Plätze in Frauenhäusern wichtig

Giffey startete zudem die bundesweite Initiative "Stärker als Gewalt". Ihr gehören bislang 13 Organisationen an. Nach ihren Angaben sollen in den nächsten vier Jahren 120 Millionen Euro in den Ausbau der Kapazitäten in den Frauenhäusern fließen. Bundesweit gibt es rund 6.300 Plätze in Frauenhäusern, die meisten gibt es in Bayern mit 821, die wenigsten im Saarland mit 81.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Initiative 'Stärker gegen Gewalt' gestartet. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat die Initiative "Stärker gegen Gewalt" gestartet. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Frauen müssen zusammenhalten

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) nannte es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"ein "widerliches Phänomen", wenn versucht werde, Frauen über sexualisierte Beleidigungen zu treffen. "Oftmals heißt es doch: Sie dürfen nicht so empfindlich sein, das gehört doch zur Meinungsfreiheit. Wenn mich jemand mit dem F-Wort belegt, dann hat das nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Das ist schlicht und ergreifend eine Beleidigung."

Die Ministerin sagte zudem, sie wünsche sich, dass sich Frauen allgemein untereinander noch mehr unterstützten. Sie verwies darüber hinaus auf berufliche Bereiche, die derzeit wenig kinderfreundlich seien. Deutschland sei hier aber auf einem guten Weg, so gebe es einen Rechtsanspruch auf Kitaplätze. "Was noch fehlt, ist ein Anspruch auf Ganztagsschulen im Grundschulalter."

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