Bekämpfung von Coronavirus : Gespenstische Leere in Mekka: Es wird erstmal durchgewischt

Normalerweise ist am Pilgerort der Muslime immer viel Andrang an der Kaaba. Nun wurde Mekka abgesperrt.
Normalerweise ist am Pilgerort der Muslime immer viel Andrang an der Kaaba. Nun wurde Mekka abgesperrt.

Saudi-Arabien lässt wegen der Coronavirus-Verbreitung vorerst keine Pilger aus dem Ausland mehr nach Mekka und Medina.

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06. März 2020, 18:28 Uhr

Mekka | Die drastischen Sicherheitsvorkehrungen wegen der Coronavirus-Epidemie in Saudi-Arabien wirken sich sichtlich auf den muslimischen Wallfahrtsort Mekka aus. In der Kaaba, der Pilgerstätte im Inneren der großen Moschee von Mekka, herrschte am Freitag nahezu gespenstische Leere. Arbeiter hatten schon am Tag zuvor begonnen, mit Wischmopps und Polierwagen die Böden in der Heiligen Moschee zu desinfizieren.

Einige tausend Gläubige nahmen am Freitagsgebet in der Kaaba teil – um ein Vielfaches weniger als an den meisten Freitagen, wenn normalerweise hunderttausende Muslime die Pilgerstätte füllen.

Muslime beim Rundgang um die Kaaba im Januar:

Die Pilgerstätte im Januar. Foto: dpa/Stringer/APA Images via ZUMA Wire
Die Pilgerstätte im Januar. Foto: dpa/Stringer/APA Images via ZUMA Wire

Muslime beim Rundgang um die Kaaba am Mittwoch:

Die Pilgerstätte am 2. März. Foto: dpa/Amr Nabil/AP
Die Pilgerstätte am 2. März. Foto: dpa/Amr Nabil/AP

Rundgang gesperrt am Freitag:

Gläubige können derzeit nur die Moschee betreten und die schwarze Kaaba fotografieren. Foto: AFP/Abdel Ghani BASHIR
Gläubige können derzeit nur die Moschee betreten und die schwarze Kaaba fotografieren. Foto: AFP/Abdel Ghani BASHIR

Der Imam Scheich Abdullah Awad al-Dschuhani sagte während der Predigt, er hoffe auf ein Ende "des Unheils und der Epidemie". Die von der Regierung in Riad erlassenen Maßnahmen seien konform mit der Scharia, dem islamischen Gesetz, fügte er hinzu.

Saudi-Arabien lässt keine Pilger mehr ins Land

Saudi-Arabien hatte am Mittwoch alle Pilgerfahrten in die Wallfahrtsorte Mekka und Medina abgesagt. Bereits vorige Woche hatten die Behörden die Vergabe von Visa für die Umrah, die sogenannte kleine Pilgerfahrt, gestoppt. Anders als der Hadsch, die Große Pilgerfahrt der Muslime, ist die Umrah grundsätzlich das ganze Jahr über möglich.

Arbeiter reinigen die Flächen rund um die Kaaba. Foto: AFP/ABDEL GHANI BASHIR
Arbeiter reinigen die Flächen rund um die Kaaba. Foto: AFP/ABDEL GHANI BASHIR

Die saudiarabischen Behörden gaben am Donnerstag drei weitere Coronavirus-Infektionsfälle bekannt. Damit stieg die Gesamtzahl der in dem Königreich nachgewiesenen Fälle auf fünf.

Arbeiter sterilisieren den Boden vor der Kaaba. Wegen des Virus Sars-CoV-2 hat das Königreich seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern nach Mekka und Medina vorübergehend geschlossen. Foto: dpa/Amr Nabil/AP
Arbeiter sterilisieren den Boden vor der Kaaba. Wegen des Virus Sars-CoV-2 hat das Königreich seine Grenzen für Pilgerreisen von Ausländern nach Mekka und Medina vorübergehend geschlossen. Foto: dpa/Amr Nabil/AP

Ein Regierungsvertreter in Riad machte laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA den Iran für den Anstieg der Infektionsfälle verantwortlich. Der Iran lasse saudiarabische Bürger einreisen, "ohne ihre Reisepässe abzustempeln". Der Iran ist eines der am stärksten vom neuartigen Coronavirus betroffenen Länder außerhalb Chinas. 124 Menschen starben in der Islamischen Republik bislang an der von dem Erreger ausgelösten Erkrankung Covid-19. Hinzu kommen mehr als 3500 nachgewiesene Infektionen.

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Keine Freitagspredigt im Irak – Gläubige trotzdem in Moscheen

Auch im Irak hat das Coronavirus Auswirkungen auf die religiösen Rituale. Erstmals seit 17 Jahren fiel die Freitagspredigt des Schiitenführers al-Sistani aus. Grund dafür war laut mit dem Vorgang vertrauten Quellen die Coronavirus-Epidemie. Normalerweise wird al-Sistanis Predigt von seinen Vertretern im Imam-Hussein-Schrein in Kerbela verlesen und im Fernsehen übertragen.

Obwohl die wöchentliche Freitagspredigt abgesagt wurde, versammelten sich Schiiten in Moscheen um zu beten, wie hier in Kufa, Irak. Foto: AFP/Haidar HAMDANI
Obwohl die wöchentliche Freitagspredigt abgesagt wurde, versammelten sich Schiiten in Moscheen um zu beten, wie hier in Kufa, Irak. Foto: AFP/Haidar HAMDANI

Im Irak, der an den Iran grenzt und enge Beziehungen zum Nachbarland unterhält, starben bisher drei Menschen an Covid-19, bei 38 weiteren wurde eine Coronavirus-Infektion festgestellt.

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