Gerüche : Warum Weihnachten gut duftet

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Glühwein, Lebkuchen, Kerzen: Weihnachtliche Düfte machen viele Menschen glücklich. Warum ist das so?

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25. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Aus der heimischen Küche verbreiten Köstlichkeiten aus Topf und Ofen ihren Duft. Das Haus riecht nach Tannengrün, auf dem Weihnachtsmarkt verströmen Punsch, Orangen und Backwerk den bekannten Wohlgeruch. Es ist das ganz besondere Weihnachtsparfüm, das uns auf das Fest einstimmt.

Doch die Ingredienzen-Liste ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Es gibt wohl kaum ein besseres Beispiel als das Fest der Liebe, an dem sich erklären ließe, wie viel Erinnerungen und Gefühle in Gerüchen stecken. Unsere Nase führt uns ohne Umwege zum Herz. Denn wenn die feinen Aromen durch die Wohnung ziehen, wird der magischen Zauber von Weihnachten geweckt.

Wissenschaft vom Duft

Es sind superwinzige Teilchen, die dafür sorgen, dass wir Weihnachten so gut riechen können. Professor Dr. Dr. Hanns Hatt kann das erklären. Er ist Wissenschaftler an der Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität Bochum und forscht zum Thema Riechen. „Überall in der Luft fliegen kleine Teilchen umher“, sagt er. Sie sind so winzig, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht sehen kann.

Diese Teilchen atmen wir mit der Luft ein – auch die, die zum Weihnachtsfest gehören. Mit der Atemluft gelangen die Duft-Moleküle in die Nase. „Dort gibt es in der oberen Etage so etwas wie ein Nebenzimmer, dessen Tür immer einen Spalt weit geöffnet ist“, erklärt Hanns Hatt.

Dort nimmt der Körper eine kleine Probe aus der Atemluft. „Das ist die Aufgabe der Riechzellen“, so Hatt. In der Nase sitzen Millionen dieser Zellen. Sie reagieren jeweils auf ganz bestimmte Gerüche. Eine Zelle, die auf zitronigen Geruch reagiert, ist zum Beispiel nicht empfindlich, wenn es nach Vanille riecht.

Dafür sind andere Zellen zuständig. Hat eine dieser Zellen einen Geruch wahrgenommen und erkannt, schickt sie über ihren Nerv einen winzigen Stromstoß an das Gehirn. So wird es informiert.

Schnuppern ist Training

Es muss nun aber erstmal die verschiedenen Gerüche erkennen und zuordnen. Das ist nicht so einfach. Denn die meisten Gerüche bestehen nicht nur aus einer Sorte von Duft-Molekülen, sondern aus sehr vielen verschiedenen. „Kaffee setzt sich zum Beispiel aus bis zu 250 Duftstoffen zusammen“, sagt Hanns Hatt.

Das Gehirn speichert dafür die Muster, mit denen die Riechzellen auf die Moleküle reagieren. Das ist eine Art Training. Bei bestimmten Mustern weiß es dann, dass es etwa frisches Tannengrün vor sich hat. Der Bereich, in dem das Gehirn Gerüche verarbeitet, ist eng mit einem anderen Bereich verbunden: der, in dem Gefühle verarbeitet und abgespeichert werden. „Deshalb sind Gerüche oft ganz eng mit Gefühlen verbunden“, so der Wissenschaftler.

Steigt uns also der aus der Kindheit vertraute Duft von Weihnachten in die Nase, erinnern wir uns an das wohlige Gefühl von damals und freuen uns.

Aromen, die nach Weihnachten riechen

Zimt, Anis, Kardamon, Piment, Muskat und Nelken  gehören zu Weihnachten wie die Kugeln am Baum.  Die meisten  Gewürze haben eine lange Reise hinter sich, bevor sie uns in Festtagsstimmung versetzen. Sie kamen erst im Mittelalter mit den Kreuzzügen aus dem Orient nach Europa. Abgesehen von ein paar Kräutern waren die Mahlzeiten in unserer Region bis dahin eher fade und geschmacklos. Erst die Kriege öffneten den Zugang zu den Handelswegen, die von China über Indien, Persien und Ägypten bis in den östlichen Mittelmeerraum reichten.

Doch die Gewürzrouten waren gefährlich, beschwerlich und lang. Deshalb waren im Mittelalter Kardamon und Co. kostbar und teuer und fanden nur zu festlichen Anlässen wie Weihnachten Verwendung. 

Gewürznelke

Die getrockneten Knospen des Gewürznelkenbaumes schmecken leicht scharf, haben durch einen hohen Anteil an ätherischen Ölen ein intensives Aroma. Nelken würzen Lebkuchen, Grog oder Apfelrotkohl. Sie können aber auch Zahnschmerzen lindern. Ihre ätherischen Öle verhindern die Ausbreitung von Bakterien, Pilzen oder Viren und räumen im Magen-Darmtrakt auf.

Das Gewürz brachten übrigens die Römer nach Europa. Im alten China wurde die Gewürzpflanze wegen ihres Aromas zur Verbesserung der Raumluft benutzt. Wer hier eine Audienz beim Kaiser hatte, musste vorher auf eine Nelke kauen, damit die Königliche Hoheit nicht durch etwaigen Mundgeruch belästigt wurde.

Piment

Das Wunderwerk an Aromen ist nicht nur in der Küche vielfältig einsetzbar. Es wird für Weihnachtsgebäck genauso wie für Wildgerichte oder marinierte Fleischgerichte verwendet. Desserts, insbesondere in Verbindung mit Obst, verleiht Piment eine unverwechselbare Note. Die Körner sind getrocknete Beeren des Nelkenpfefferbaumes. Ihr Geschmack erinnert an Nelken und Zimt und ist etwas scharf. Sie regen die Verdauung an, helfen bei Blähungen und Appetitlosigkeit. Ihr Öl soll durchblutungsfördernd wirken und verspannte Muskeln lockern, findet Verwendung in Herrenparfüms oder Seifen. Die antibakteriellen Substanzen sollen auch  bei Karies  helfen.  Kolumbus hielt Piment für Pfeffer und nannte ihn „Pimenta“.

Kardamon

Kardamom ist eines der teuersten Gewürze der Welt. Es gehört zur Familie der Ingwergewächse und ist in der asiatischen Küche sehr beliebt. Es eignet sich nicht nur  zum Würzen eines indischen Currys, auch  Kaffee und Tee gibt es ein feines Aroma. Hierzulande werden vor allem Lebkuchen, Spekulatius oder Glühwein mit Kardamom verfeinert. Die Samen enthalten ätherische Öle, die  eine wohltuende Wirkung auf den Magen-Darm-Bereich haben sollen. Kardamom  wird eine krampflösende Wirkung nachgesagt, er soll sich beruhigend auf den Magen auswirken, aber auch bei Mundgeruch Abhilfe schaffen können. In Arabien wird Kardamom  eine stimmungsaufhellende und  aphrodisierende Wirkung zugeschrieben.

Zimt

Das Gewürz, mit dem wir unsere Lebkuchen würzen, ist nichts anderes als Baumrinde. Zimt wird aus der getrockneten Rinde des Zimtbaumes hergestellt. Das Gewürz gibt vor allem Zimtsternen, Spekulatius und Punsch sein unverwechselbares Aroma. Zimt wird unter anderem wegen seiner Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt geschätzt. Darüber hinaus soll er den Blutdruck und Cholesterinspiegel senken und auch das Herz schützen können. Er gilt jedoch nicht uneingeschränkt als gesund. Vor allem Schwangere, Kinder und Menschen mit bestimmten Allergien sollten Vorsicht walten lassen. Sein Inhaltsstoff Cumarin steht zudem im Verdacht krebserregend zu sein. Zimt haftet etwas Wärmendes an und ein Hauch von Exotik.

Muskat

Die Samen des Muskatnussbaums werden als Gewürze verwendet. Es verleiht Lebkuchen den letzten Schliff, würzt Grog und Glühwein, wie auch Kartoffelgerichte und Suppen. Muskatnuss hilft bei Blähungen und Durchfall, Magen-, Leber- und Gallenschwäche ebenso wie bei Gicht, Rheuma und Muskelbeschwerden,  Ekzemen und Herpes. Es soll sogar dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, Herzschwäche und Schlaflosigkeit entgegenwirken.  Araber und Inder schwören seit jeher auf die stimulierende Wirkung des Gewürzes. Ein daraus zubereiteter Trunk soll stimmungsaufhellend wirken – Sinne und Empfindungsvermögen schärfen.  Achtung: Größere Mengen  (ab ca. 4g) können zu  rauschhaften Zuständen, Übelkeit und Herzrasen führen.

Anis

Die Anispflanze gehört in die Familie der Doldenblütler. Ihre getrockneten Samen werden auch süßer Kümmel genannt. Anis darf in Anisplätzchen, Pfeffernüssen und  Schnäpsen nicht fehlen.  Die kleinen Samen verströmen  einen intensiven süßlichen  Duft. Das typisch lakritzige Aroma liefert das ätherische Öl Anethol. Es wirkt pilztötend antibakteriell, schmerzstillend und beruhigend. Durch seine schleimlösende Wirkung  in den Bronchien  empfiehlt es sich als Hustenmittel. Außerdem wird Anis eine krampflösende, magenstärkende und leicht harntreibende Wirkung nachgesagt. Anis ist auch als Stilltee geeignet.  Dem Volksmund nach, wird Anis eine aphrodisierende Wirkung  nachgesagt und soll am Andreastag (30. November) besonders zauberkräftig sein.

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