Mutter unter Mordverdacht : „Der Tod trifft uns ins Herz“: Solingen trauert um getötete Kinder

Vor dem Haus in Solingen, in dem sich möglicherweise ein Familiendrama ereignet hat, haben Anwohner Blumen, Kerzen und Kuscheltiere abgelegt.
Vor dem Haus in Solingen, in dem sich möglicherweise ein Familiendrama ereignet hat, haben Anwohner Blumen, Kerzen und Kuscheltiere abgelegt.

Eine Mutter soll fünf ihrer Kinder ermordet haben. Am Samstag wollen die Anwohner ihrer Trauer Ausdruck geben.

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05. September 2020, 04:34 Uhr

Solingen | Nach dem gewaltsamen Tod von fünf Kindern in Solingen wollen die Nachbarn der Familie heute mit einer Lichterkette und einer Schweigeminute Abschied nehmen.

Die Kinder wurden am Donnerstag tot in einer Wohnung im Solinger Ortsteil Hasseldelle aufgefunden.
imago images / Tim Oelbermann
Die Kinder wurden am Donnerstag tot in einer Wohnung im Solinger Ortsteil Hasseldelle aufgefunden.


Alle Anwohner seien gebeten, um 18.50 Uhr vor die Tür zu treten und eine Lichterkette zu bilden. „Der Tod von fünf Kindern trifft unsere Nachbarn, uns und die Hasseldelle ins Herz“, heißt es in einem Aufruf zur Lichterkette in dem Solinger Stadtteil Hasseldelle.

Mordverdacht gegen die Mutter

Die Mutter der fünf Kinder wird verdächtigt, die Kinder umgebracht zu haben. Gegen sie hat ein Richter Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen. Die Ermittler vermuteten am Freitag, dass die alleinerziehende Mutter von sechs Kindern nach der Trennung von ihrem Mann die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen hat. Die Ehe sei zerrüttet gewesen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Vor der Tat habe die Frau ein Jahr von ihrem letzten Mann, dem Vater von vier ihrer Kinder, getrennt gelebt. Sie sei die einzige Verdächtige.

Blumen, Kerzen, Teddybären erinnern vor dem Wohnhaus an die getöteten Kinder.
imago images / Otto Krschak
Blumen, Kerzen, Teddybären erinnern vor dem Wohnhaus an die getöteten Kinder.


Menschen, die sich selbst töten und dabei andere „mitnehmen“ wollten, empfänden eine Sehnsucht nach „Erlösung“, sagt der Psychiater Prof. Hans-Jörg Assion von der Klinik der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Dortmund. „Die eigene Erlösung von dem Leid wird auf andere Menschen übertragen, die in das lebensmüde Empfinden einbezogen werden, quasi um sie ebenfalls von dem Leiden zu „erlösen“.“ Ein solches Verhalten sei sehr selten. Bei Warnzeichen – etwa dem Reden von Erlösung anderer vom Leid auf Erden – könnten Traumaambulanzen helfen.


Rechtsmediziner fanden bei der Obduktion Hinweise darauf, dass die Kinder betäubt wurden und dann entweder erstickten oder erstickt wurden. Weitere toxikologische Untersuchungen müssten aber abgewartet werden. Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8) wurden von Polizisten am Donnerstag tot in ihren Kinderbetten in der Wohnung der Familie gefunden. Überlebt hat nur der älteste Sohn (11). Er ist nun bei seiner Oma.

Geständnis per Whatsapp

Die Verdächtige habe die Tat ihrer eigenen Mutter in einem Whatsapp-Chat gestanden. Nach 20 Minuten am Düsseldorfer Hauptbahnhof habe sie sich dann vor einen Zug geworfen. Dabei habe sie schwere, aber nicht lebensgefährliche innere Verletzungen erlitten, sagte der Leiter der Mordkommission, Marcel Maierhofer.

Die Polizei ermittelt gegen die Mutter der getöteten Kinder.
imago images / Reichwein
Die Polizei ermittelt gegen die Mutter der getöteten Kinder.


Die Kinder seien zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagvormittag getötet worden. Einsatzkräfte hatten am Donnerstag die Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus mit Gewalt geöffnet. Der Elfjährige, der als einziger der sechs Geschwister überlebte, sei womöglich nur verschont worden, weil er zum Zeitpunkt der Tat in der Schule war, sagte der Leiter der Mordkommission.

Familie erhielt Unterstützung von der Stadt

Die Familie war dem städtischen Jugendamt vor der Tat bereits bekannt. „Der Familie wurden von der Stadt Solingen erforderliche Unterstützungen gewährt. Das Jugendamt hat zusätzlich mögliche Hilfsangebote unterbreitet“, teilte die Stadt mit, ohne Details zu nennen. „Erkenntnisse zu Auffälligkeiten oder einer potenziellen Gefährdung der Kinder gab es zu keinem Zeitpunkt.“

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