Kritik an strengen Corona-Auflagen : Waschen, Schneiden, Abstand halten: So planen Friseure die Wiedereröffnung

Für Friseure gelten bei der Wiedereröffnung am Montag, 4. Mai 2020, verschärfte Hygienebestimmungen.
Für Friseure gelten bei der Wiedereröffnung am Montag, 4. Mai 2020, verschärfte Hygienebestimmungen.

Ab Montag dürfen Friseure wieder öffnen – unter strengen Auflagen.

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30. April 2020, 12:22 Uhr

Dortmund/Berlin | "Wir freuen uns alle sehr, dass wir nach so langer Zeit wieder arbeiten können", sagt Friseurmeister Norbert Migge. Genau wie die mehr als 16.000 anderen nordrhein-westfälischen Friseurbetriebe darf er ab Montag wieder Kunden frisieren – unter strengen Hygiene- und Sicherheitsstandards. Damit er öffnen kann, hat Migge für sein Team und die Kunden Mund-Nasen-Schutz besorgt und die Abläufe umstellen müssen. Desinfektionsmittel steht bereit. Er wird um jeden Stuhl in seinem Salon den nötigen Sicherheitsabstand markieren.

Kein unnötiges Gerede

Migge ist gespannt auf das, was ihn erwartet. Nicht nur, weil er einiges an Reparaturarbeiten auf sich zukommen sieht, wie er lachend sagt, wenn Leute schonmal selbst Hand angelegt hätten. Vieles, was zum Beruf dazugehöre, werde einfach anders ablaufen als vor der Krise: "Wir sind ja angehalten, möglichst wenig mit den Kunden zu reden. Das wird eine ziemliche Umstellung", sagt er. Ganz zu schweigen von der Frage, wie es sei, Neukunden, deren Gesicht unter einer Maske verborgen ist, vernünftig zu beraten und zu frisieren.

All das schrecke die Kundschaft nicht, berichtet Migge: "Seit klar ist, dass wir wieder öffnen können, glüht das Telefon." Die Sehnsucht vieler Menschen nach Profis zur Bewältigung außer Form gewachsener Haarschnitte und wuchernder Locken oder der Bekämpfung grauer Haaransätze ist riesig.

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Scharfe Kritik an Auflagen

Die Auflagen zur Wiedereröffnung der Friseursalons vom 4. Mai an werden sich nach Angaben ihres Verbands beim Umsatz bemerkbar machen. Die vorgeschriebenen Einmalhandschuhe und Mundschutze seien etwa aufgrund der hohen Nachfrage zurzeit teuer und das belaste die Betreiber, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Jörg Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem müssten viele Salons mit weniger Arbeitsplätzen auskommen, um Mindestabstände einhalten zu können. Dadurch könnten weniger Kunden gleichzeitig bedient werden.

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Die Hamburger Friseur-Innung berichtete von einer Verunsicherung in der Branche durch die Vorgaben. "Das Büro der Friseur-Innung hat sehr viel zu tun, weil so viele Anfragen eingehen. Alle sind verunsichert wegen der zahlreichen Auflagen", sagte der Verbandsvorsitzende Birger Kentzler. Mit den Auflagen wird zum Beispiel das Haarewaschen im Salon für alle Pflicht, so sollen mögliche Viren dort abgetötet werden. Das würde einige Kunden laut Kentzler aber auch abschrecken: "Es gibt einen Haufen Leute, die wollen das Waschen der Haare im Salon nicht bezahlen."

Mehr Abstand, weniger Platz

"Die Leute wollen unbedingt wieder zu ihrem Friseur", berichtet Marc Ringel, Geschäftsführer des Friseurverbandes NRW. Doch er dämpft die Erwartungen: "Viele Betriebe können viel weniger Kunden bedienen als sonst", sagt er. Der Grund: Insbesondere die Vorschrift, mindestens 1,50 Meter Abstand um jeden Frisier-Stuhl zu halten, stelle gerade kleinere Betriebe vor große Herausforderungen, so Ringel. In engen Salons könne daher nur jeder zweite Bedienstuhl genutzt werden. Weil das Personal möglichst in getrennten Schichten arbeiten soll, um eine potenzielle Ansteckung des gesamten Teams zu vermeiden, sind die Kapazitäten weiter eingeschränkt. "In dieser Situation werden viele, viele Kunden wahrscheinlich noch mehrere Wochen auf einen Termin warten müssen", erklärt Ringel.

Entsprechend eines von der Berufsgenossenschaft des Friseurhandwerks erarbeiteten Arbeitsschutzstandards gilt in den Salons demnächst bis auf Weiteres eine Maskenpflicht für Mitarbeiter und Kunden. Utensilien wie Kämme und Scheren müssen nach jedem Kunden gereinigt werden. Außerdem bleiben Arbeiten in der Nähe des Gesichts, wie Augenbrauenzupfen, Gesichtskosmetik, Rasieren oder Bartpflege untersagt.

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Kranke werden nicht frisiert

Kunden oder Mitarbeiter mit Symptomen einer Atemwegsinfektion dürfen nicht in den Salon. Zur Nachvollziehbarkeit möglicher Ansteckungsketten müssen die Friseure zudem die Kontaktdaten ihrer Kunden dokumentieren. Das sechsseitige Papier der Berufsgenossenschaft sieht außerdem vor, dass Haare vor dem Frisieren gewaschen werden müssen. Selbst föhnen – wie manche Salons es sonst anbieten – dürfen die Kunden ebenfalls nicht mehr.

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