Fridays for Future : So verliefen die Klimaproteste in Deutschland und der ganzen Welt

Schüler tragen Gasmasken bei einem Klimastreik in Australien. Foto: dpa/Steven Saphore
Schüler tragen Gasmasken bei einem Klimastreik in Australien. Foto: dpa/Steven Saphore

Greta Thunberg wird den Tag an einem eher ungewohnten Ort verbringen.

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29. November 2019, 07:40 Uhr

Berlin | An den Klimaprotesten am Freitag in ganz Deutschland haben sich nach Angaben der Veranstalter rund 630.000 Menschen beteiligt. Das teilte die Bewegung Fridays for Future mit. Aktionen habe es an mehr als 520 Orten gegeben, darunter Fahrraddemonstrationen, Blockaden, Picknicks und Demonstrationen an Kohlekraftwerken. Mit den Protesten wollten die Demonstrierenden nach eigenen Angaben vor der Weltklimakonferenz in Madrid deutlich machen, dass sie die Abkehr der Bundesregierung vom 1,5-Grad-Ziel nicht akzeptieren.

Weiterlesen: An diesen Orten in unserer Region wird am Freitag fürs Klima demonstriert

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Für Deutschland fordert Fridays For Future unter anderem, unverzüglich alle Subventionen für fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zu streichen sowie ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten. Zudem müsse Deutschland bis 2035 auf eine komplett erneuerbare Energieversorgung umschwenken.

Diese Karte zeigt, wo am Freitag in Deutschland und unserer Region gestreikt wird:

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UN-Klimakonferenz in Madrid

In verschiedenen Städten Italiens haben sich den Veranstaltern zufolge insgesamt rund 300.000 Menschen der Bewegung angeschlossen. In Rom seien etwa 30.000 Demonstranten auf die Straße gegangen, rund 25.000 in Mailand, jeweils etwa 10.000 in Neapel und Turin, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Freitag unter Berufung auf die Veranstalter. Angekündigt waren Proteste in 138 italienischen Städten. In einer Mitteilung prangerten die Veranstalter den Schnäppchentag Black Friday an. "Große Marken bieten Rabatte auf Konsumgüter an, um uns zu ermutigen, Dinge zu kaufen, die wir normalerweise nicht kaufen würden", hieß es darin. Man müsse dieses untragbare Modell ändern. Vor der UN-Klimakonferenz, die vom 2. bis 13. Dezember in Madrid stattfinden soll, verurteilten die Aktivisten auch die "Untätigkeit aller Regierungen der Welt".

Weniger Beteiligung in Australien

In der australischen Millionenmetropole Sydney, die wegen der nahegelegenen Waldbrände erneut unter einer dichten Rauchwolke hing, versammelten sich hunderte Schüler und Aktivisten vor der Parteizentrale der Regierungspartei. Die Demonstranten machten den Klimawandel für die schlimmen Waldbrände verantwortlich, die seit Wochen im Südosten Australiens wüten. "Ihr verbrennt unsere Zukunft", stand auf einem Plakat.

Die Proteste richteten sich vor allem gegen Premierminister Scott Morrison, der bestreitet, dass die Brände zu den Auswirkungen des Klimawandels in Australien gehören. "Die Untätigkeit unserer Regierung in der Klimakrise hat die Waldbrände angeheizt", sagte dagegen die Aktivistin Shiann Broderick, die die Schulstreiks in Australien anführt.

Auch Asien demonstriert

Auch in Asien und der Pazifikregion folgten Demonstranten dem Protestaufruf der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. In Japans Hauptstadt Tokio zogen hunderte Demonstranten durch den betriebsamen Stadtteil Shinjuku. In der von Smog geplagten indischen Hauptstadt Neu-Delhi marschierten dutzende Schüler und Studenten vor das Umweltministerium.

Auch in Warschau, Budapest, Athen, Rom und Kopenhagen forderten insbesondere junge Menschen verstärkte Anstrengungen zum Klimaschutz. In Frankreich richteten sich mehrere Proteste auch gegen übertriebenen Konsum – der Klimastreik fiel auf den "Black Friday", an dem Handelskonzerne mit Rabatten locken und durch den Paketversand zusätzliche Abgase erzeugt werden.

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Selbst in den abgeschiedenen Weltregionen der Arktis und Antarktis haben sich Forscher den internationalen Klimaprotesten angeschlossen. Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler am Freitag für mehr Klimaschutz. Das zeigten Bilder, die eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, auf Twitter teilte.

"Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!", schrieb Bergmann dazu. Die Fotos zeigten, wie jeweils ein knappes Dutzend Wissenschaftler vor dem Schiff und der Station Schilder und Plakate hochhielten. Auf dem Plakat der Forscher vor der "Polarstern" stand: "Wir liefern die Fakten. Es ist Zeit zum Handeln!"

Kritik an politischen Entscheidungen

Das Thema Erderhitzung treibt derzeit auch die EU um. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat starke Anstrengungen gegen den Klimawandel versprochen. Und das EU-Parlament hatte am Donnerstag den "Klimanotstand" für Europa ausgerufen. Eine deutliche Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, als erster ganzer Kontinent überhaupt einen solchen Notstand zu erklären. Das soll nach Wunsch der Abgeordneten die Dringlichkeit des Themas zeigen - konkrete Folgen hat der Schritt aber vorerst nicht.

Weiterlesen: Was bringt der ganze Aufwand – ist Klimaschutz überhaupt nötig?

Fridays for Future reichte das nicht. "Dass die EU den Klimanotstand ausruft, ohne zu handeln, ist wie wenn die Feuerwehr im Einsatz nur noch "Es brennt!" schreit, statt zu löschen", schrieb die Gruppe auf dem deutschen Twitter-Account. In Deutschland richtet sich ihre Kritik vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung. "Mit business as usual und viel Pillepalle sind diese Maßnahmen nur eine weitere Folge in der Reihe des klimapolitischen Versagens der GroKo", erklärte das Netzwerk. Der Bundesrat stoppte am Freitag Teile des Klimapakets. Die Länderkammer beschloss einstimmig, den Vermittlungsausschuss anzurufen, in dem Bundestag und Bundesrat nun nach Kompromissen suchen müssen.

Thunberg verbringt Freitag auf hoher See

Die Klimaproteste gehen auf einen Protest der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zurück, die sich viele Menschen in aller Welt im Kampf gegen die Klimakrise zum Vorbild genommen haben. Thunberg selbst wird den Protesttag an einem ungewohnten Ort verbringen: Die 16-Jährige segelt gerade auf einem Katamaran über den Atlantik zurück, um an der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz sowie an einem großen Protest in Madrid am kommenden Freitag teilnehmen zu können. Ob sie es zeitlich schafft, ist unklar. Bis zum Donnerstag hatte sie etwas mehr als zwei Drittel der Strecke geschafft.

Thunberg warb am Donnerstag via Twitter für den Protesttag: "Im September sind 7,5 Millionen Menschen rund um den Globus auf die Straße gegangen. Morgen machen wir das nochmal." Jeder werde gebraucht, jeder sei willkommen.

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Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Zu den fatalen Folge zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch verheerende Stürme, Überschwemmungen und Starkregen.

Wissenschaft bekräftigt Kampf gegen drohende Klimakatastrophe

Zwei aktuelle Untersuchungen weisen auf die Dringlichkeit eines entschiedeneren Vorgehens gegen die drohende Klimakatastrophe hin. So warnte das UN-Umweltprogramm Unep am Dienstag, alle Länder müssten ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel immens verstärken, wenn sie gemeinschaftlich das 1,5-Grad-Ziel erreichen wollten. Wenn die Weltbevölkerung so weiterlebe wie derzeit, drohe die Temperatur bis 2100 um 3,4 bis 3,9 statt wie angestrebt um nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu steigen.

Ein neuer Monitoringbericht der Bundesregierung zeigte zudem, dass die Folgen der Erwärmung auch in Deutschland spürbarer werden und sich immer besser belegen lassen. Demnach hat sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Dadurch kommt es unter anderem zu mehr Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee sowie zu stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

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