Steine- und Flaschenwürfe : Frau stirbt in Ankerzentrum – Bewohner bei Polizeieinsatz in Aufruhr

Der Leichenfund in einem Regensburger Flüchtlingsheim hat am Samstag zu einem Großeinsatz der Polizei geführt.
Der Leichenfund in einem Regensburger Flüchtlingsheim hat am Samstag zu einem Großeinsatz der Polizei geführt.

In einer Asylbewerberunterkunft in Regensburg ist es zu Ausschreitungen gekommen. Ursache war der Fund einer toten Frau.

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11. Mai 2019, 13:33 Uhr

Regensburg | Nach dem Tod einer jungen Frau in einer Flüchtlingsunterkunft ist es in Regensburg zu heftigen Zusammenstößen zwischen Bewohnern und der Polizei gekommen. Etwa 40 bis 50 Bewohner hätten sich daran beteiligt, wie ein Polizeisprecher sagte. Verletzte habe es nicht gegeben.

Nach Polizeiangaben wurden Beamte und Rettungshelfer von Bewohnern "bedrängt und angegriffen", als sie am Samstagvormittag nach einem Notruf in der Flüchtlingsunterkunft eintrafen. Der Rettungsdienst habe dort den Tod einer jungen Frau festgestellt. Zu den Todesursachen machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Die Stimmung unter den Bewohnern des so genannten Ankerzentrums in der Regensburger Zeißstraße habe sich dermaßen "aufgeheizt", dass die Leiche zunächst nicht geborgen werden konnte, erklärte ein Polizeisprecher. Er sprach von einer "hohen Emotionalisierung" unter den Bewohnern.

Mit Steinen und Flaschen beworfen

Nachrückende Polizisten seien mit Steinen, Flaschen und anderen Gegenständen beworfen worden. Die Polizei sei mit einem Großaufgebot im Einsatz gewesen. Als Verstärkung anrückte, konnten die Beamten die Situation deeskalieren, berichtet die "Mittelbayrische".

Demnach beruhigten sich die Bewohner, als die Polizei einigen von ihnen erlaubte, den Sarg mit der Verstorbenen aus dem Gebäude zu tragen und mit dem Bestatter mitzufahren.

Todesursache noch unklar

Gegen Mittag habe der Leichnam der Frau geborgen und in ein Bestattungsinstitut gebracht werden können. Nach Angaben eines Polizeisprechers soll es sich bei der Toten um eine 31-jährige Nigerianerin handeln. Hinweise auf eine Gewalttat lägen bislang nicht vor. Auch ein Suizid sei ausgeschlossen worden. Die Nigerianerin hinterlässt drei Kinder im Alter von drei, fünf und neun Jahren. Sie wurden dem Jugendamt übergeben.

Bei der betroffenen Unterkunft handelt es sich um ein so genanntes Ankerzentrum, in dem der "Mittelbayrischen" zufolge 360 Bewohner leben, die hauptsächlich aus Nigeria und Äthiopien stammen. Das Wort Anker steht in diesem Fall für "Ankunft, kommunale Verteilung, Entscheidung und Rückführung". Ziel dieser Einrichtungen ist es, Asylverfahren zu beschleunigen. In den Zentren werden Asylbewerber für die gesamte Dauer ihrer Antragsprüfung untergebracht.

Kritiker sehen die Art der Unterbringung in großen, oftmals kasernenähnlichen Heimen als ein Grund für Aggressionen unter den Bewohnern an. In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach bei Einsätzen in bayerischen Ankerzentren schwere Konflikte zwischen Bewohnern und Polizeikräften. Dabei gab es beispielsweise im oberfränkischen Bamberg und im schwäbischen Donauwörth Verletzte und Festnahmen.

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