30 Affen tot, zwei verletzt : Feuer-Drama im Krefelder Zoo: Zündete Himmelslaterne das Affenhaus an?

Zoodirektor Wolfgang Dreßen vor dem abgebrannten Affenhaus.
Zoodirektor Wolfgang Dreßen vor dem abgebrannten Affenhaus.

Die Polizei vermutet fahrlässige Brandstiftung. Zwei Schimpansen überlebten abseits der Flammen.

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01. Januar 2020, 13:18 Uhr

Krefeld | Bei einem der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte ist in der Nacht zu Neujahr in Krefeld das Affenhaus ausgebrannt. Mehr als 30 Tiere starben, darunter acht Menschenaffen.

In den Flammen seien fünf Orang-Utans, zwei Flachland-Gorillas, ein Schimpanse und etliche kleinere Affen ums Leben gekommen, sagte der Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen am Mittwoch. Unter den toten Tieren ist auch der älteste Zuchtgorilla Europas, der 48 Jahre alte Massa. "Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos." Der Brand hinterließ einen Millionenschaden.


Himmelslaterne könnte Gehege angezündet haben

Auslöser des um 00.38 Uhr gemeldeten Feuers könnte nach Angaben der Polizei eine Himmelslaterne sein. Mehrere dieser seit 2009 in Deutschland verbotenen Leuchtkörper seien sichergestellt worden, berichtete ein Vertreter der Krefelder Kriminalpolizei. Die Ermittlungen dauerten an. Die Polizei ermittelt derzeit wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Was sind Himmelslaternen?

Himmels- oder Wunschlaternen bestehen aus dünnem Seidenpapier und einer Kerze oder einem Behälter mit Brennpaste in der Mitte. Werden sie entzündet, können sie weit durch die Luft schweben. Seit 2009 sind die Laternen in Nordrhein-Westfalen verboten.


Mögliche Verursacher stellen sich

"Zeugen haben Fackeln in der Nähe des Zoos gesehen", sagte der Kriminalbeamte Gerd Hoppmann über Angaben aus der Silvesternacht. Sie seien "hochgefährlich" und könnten einige Kilometer weit fliegen. Er appellierte an diejenigen, die diese Fackeln gestartet hätten, sich zu melden: "Es kann ihre Situation nur verbessern."

Der Appell schien zu wirken. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, haben sich mögliche Verursacher bei der Polizei gemeldet. "Die Polizei hat die Personen vernommen und wird ihre Angaben überprüfen", teilten die Ermittler am Mittwoch in Krefeld mit. Da die Überprüfung einige Zeit dauere, würden am Mittwoch keine weiteren Informationen zu den Tatumständen und den Verdächtigen gegeben.

Kongming-Laternen, hierzulande auch Himmelslaternen oder China-Fackeln genannt, werden in China zum Neujahrsfest in den Himmel geschickt. In Deutschland ist das Steigenlassen der der Laternen verboten. Symbolfoto: imago images/VCG
Kongming-Laternen, hierzulande auch Himmelslaternen oder China-Fackeln genannt, werden in China zum Neujahrsfest in den Himmel geschickt. In Deutschland ist das Steigenlassen der der Laternen verboten. Symbolfoto: imago images/VCG


Zwei Schimpansen überlebten das Feuer

"Es grenzt an ein Wunder: Zwei Schimpansen haben diesen Feuermoloch überlebt", sagte Zoodirektor Dreßen, der zum Zeichen der Trauer schwarze Kleidung trug. Dabei handele es sich um das ältere Weibchen Bally und das junge Männchen Limbo. Beide hätten lediglich leichte Brandverletzungen erlitten und seien in einem bislang ungenutzten Gehege im Gorillagarten untergebracht worden, der an das Affenhaus angrenzt.

Für Bally und Limbo bedeute der Vorfall "ein extremes Trauma", sagte Dreßen. Auch die im Gorillagarten lebenden Tiere seien "stark beeinträchtigt" worden. Derzeit verhielten sie sich aber unauffällig.

Krefelder legten Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder vor dem Haupteingang des Zoos ab. Foto: dpa/Christoph Reichwein
Krefelder legten Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder vor dem Haupteingang des Zoos ab. Foto: dpa/Christoph Reichwein


Krefelder trauern um Zootiere

Unter Tränen stellten vor dem Eingang am Mittag zahlreiche Menschen Fotos von Affen auf – bis zum Nachmittag war es eine große Menge von Blumen, Kerzen und Stofftieren. Dazu platzierten Zoofreunde Schilder mit Aufschriften wie "Warum" oder "Gestorben für euer Silvestervergnügen". Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort. Am Neujahrstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: "Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock", erklärte der Zoo und warb um Verständnis. Auch am Donnerstag werde man nicht öffnen.

Die Feuerwehr konnte den Tod der Tiere nicht mehr verhindern. Foto: dpa/David Young
dpa/David Young
Die Feuerwehr konnte den Tod der Tiere nicht mehr verhindern. Foto: dpa/David Young


Als die Feuerwehr gut eine halbe Stunde nach Mitternacht zum Gelände kam, sei das Affenhaus schon voll in Flammen gewesen, berichtete der Sprecher der Krefelder Feuerwehr, Kai Günther. Es sei so groß gewesen, "dass uns klar war, dass wir es nicht retten können".

Auch Vögel und Fledermäuse tot

Bei Tageslicht offenbarte sich die ganze Tragödie: Nur noch das Gerippe des im Gewächshausstil erbauten Affentropenhauses steht noch. Die Haltung von Affen soll aber weitergehen, bekräftigten Zoo-Direktor Dreßen und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD).

Laut einer Sprecherin waren unter den toten Tieren auch kleinere Affen wie goldene Löwenäffchen und Zwergseidenäffchen sowie Flughunde und Vögel. Das direkt angrenzende Gorillagehege blieb verschont. Dort lebt eine junge siebenköpfige Gorillafamilie.

Der Schaden beziffert sich auf einen Millionenbetrag. Foto: dpa/Christoph Reichwein
Der Schaden beziffert sich auf einen Millionenbetrag. Foto: dpa/Christoph Reichwein


Anteilnahme auf Facebook

Der vergleichsweise kleine, famililenfreundliche Zoo bekam zahlreiche Botschaften via Facebook. "Ein Tag mit einer schwarzen Trauerkante!", schrieb ein Besucher und wünschte den Pflegern und Mitarbeitern eine Menge Kraft, um mit diesem schrecklichen Verlust fertig zu werden. "Wir hatten als Familie seit Jahrzehnten viele schöne Momente im Affenhaus", schrieben andere.


Der Zoo selbst hatte das Unglück auf seiner Facebookseite bekannt gemacht: "Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt." Es gebe bereits zahlreiche Hilfsangebote, etwa aus dem nahen Duisburger Zoo.


Der Krefelder Zoo hat über 400.000 Besucher im Jahr und 75 Mitarbeiter. Dort leben fast 200 Arten und insgesamt rund 1000 Tiere, darunter so große wie Elefanten, Nashörner und Trampeltiere, aber auch Schneeleoparden und Geparde. Das Affentropenhaus wurde im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche lag bei 2000 Quadratmetern. Der Zoo bleibt auch am Donnerstag geschlossen. Er ist dem Direktor zufolge gegen Brandschäden versichert.

Vor neun Jahren Großbrand in Karlsruher Zoo

Einen großen Zoo-Brand, bei dem zahlreiche Tiere ums Leben kamen, gab es in Deutschland zuletzt vor rund neun Jahren in Karlsruhe. Im November 2010 war im Streichelgehege des dortigen Zoos Feuer ausgebrochen, 26 Tiere starben: Alpakas, Zwergziegen, Shetland-Ponys, Zwergesel und Schafe. Vier Elefanten des benachbarten Dickhäuter-Hauses erlitten Verbrennungen. Die Brandursache wurde nie abschließend geklärt.

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