Spagat im Alltag : Familienforscher: Junge Eltern müssen deutlich mehr leisten als früher

Spagat zwischen Arbeit und Familie: Heute fallen wichtige Karriereschritte und die Familiengründung oft zusammen. (Symbolfoto)
Spagat zwischen Arbeit und Familie: Heute fallen wichtige Karriereschritte und die Familiengründung oft zusammen. (Symbolfoto)

Eltern müssen heutzutage nach Ansicht des Familienforschers, Hans Bertram, mehr leisten als die Generationen vor ihnen.

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06. Juni 2020, 09:34 Uhr

Berlin | Weil sich Männer und Frauen immer später erst für Kinder entschieden, fielen wichtige Karriereschritte und die Familiengründung oft zusammen, erklärte der Soziologe und Familienforschers der Berliner Humboldt-Universität, Hans Bertram, gegenüber der Zeitung "Stimme der Familie. Grund dafür sei unter anderem die längere Ausbildungsdauer junger Menschen heutzutage.

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Außerdem arbeiteten im Gegensatz zu früher heute meist beide Elternteile, so der Familienforscher weiter. Dadurch erhöhe sich automatisch für eine Familie der Aufwand, den Alltag zu organisieren. Der Spagat zwischen Arbeit und Familie zwinge Eltern oft zum Outsourcing.

Vor allem Menschen in bildungsnahen Milieus kinderlos

Tagesstätten und -mütter müssen heute nach Ansicht des Soziologen oft die Lücken füllen, die eigentlich zum Kerngeschäft der Familien gehörten. Weil viele das Risiko scheuten, wegen einer Familie beruflich kürzer zu treten, blieben vor allem Menschen in bildungsnahen Milieus kinderlos, so Bertram. Demnach haben beispielsweise etwa 50 Prozent aller Akademiker aus dem universitären oder wissenschaftlichen Bereich keine Kinder. Im Medienbereich seien es sogar 60 Prozent.

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Der Familienforscher kritisierte, dass die Arbeitswelt immer noch alten Mustern folge und die Rahmenbedingungen für eine echte Aufgabenteilung in den Familien in vielen Branchen noch nicht gegeben sei. Das benachteiligt nach Ansicht von Bertram vor allem Frauen. Während unter den 30 Jahre alten Akademikern noch rund 17 Prozent bei Männern und Frauen als sogenannte High-Potentials eingestuft würden, verkehre sich dieses Verhältnis bei den 34-Jährigen.

Hier würden nur noch zehn Prozent der Frauen, aber 20 Prozent der Männer als sogenannte High-Potentials angesehen. Unter den 40- bis 50-jährigen Frauen gelten demnach nur noch zwei Prozent als aussichtsreich für höhere Positionen. Mütter und Väter müssten Familienpause einlegen können, ohne dass ihnen daraus Nachteile für ihre Karriere entstünden, forderte Bertram. "Solange wir als Gesellschaft aber nicht bereit sind, derart gestaltete Lebensverläufe als Bereicherung zu empfinden, wird sich die Überforderung von Eltern zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr systematisch fortschreiben."

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