Tötung von Mutter und Sohn : Familiendrama auf Teneriffa: Polizei durchsucht Wohnung in Deutschland

Gegen den Familienvater (Mitte unten) war am Freitag Haftbefehl erlassen worden.
Gegen den Familienvater (Mitte unten) war am Freitag Haftbefehl erlassen worden.

Madrid/Santa Cruz de Tenerife/Halle. Verdachts eines Tötungsdelikts: Spanischen Behörden bitten Justiz und Polizei in Sachsen-Anhalt um Hilfe.

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28. April 2019, 16:30 Uhr

Madrid/Santa Cruz de Tenerife/Halle | Nach der Tötung einer 39-jährigen Deutschen und ihres zehn Jahre alten Sohnes auf Teneriffa hat die Polizei in Halle eine Wohnung der Familie durchsucht. Es gebe ein Amtshilfeersuchen der spanischen Behörden an Justiz und Polizei in Sachsen-Anhalt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Halle am Sonntag. Deshalb sei am Samstag eine Wohnung der Familie in Halle auf Anhaltspunkte durchsucht worden. Weitere Details nannte die Sprecherin nicht und verwies an die Staatsanwaltschaft. Dort war am Sonntag niemand zu erreichen.

Der Tod einer Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa geht laut spanischer Polizei auf ein skrupelloses Verbrechen zurück. "Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden", sagte ein Sprecher der Ermittler am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Am mutmaßlichen Tatort rund 15 Kilometer von der Gemeinde Adeje entfernt sei viel Blut gewesen.

Keine Möglichkeit auf Kaution

Der 43 Jahre alte Ehemann wurde schon vor der Entdeckung der Leichen vorläufig festgenommen. Der kleine Bruder des toten Jungen hatte der Polizei zuvor von einem brutalen Angriff des Vaters erzählt und so eine große Suchaktion ausgelöst. Gegen den 43-Jährigen war am Freitagabend Haftbefehl erlassen worden.

Die Möglichkeit, auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen zu werden, gibt es nach einem Gerichtsbeschluss für ihn nicht. Bei einer mehrstündigen Vernehmung habe sich der Mann geweigert, mit der Justiz zu kooperieren, hieß es. Die Autopsie der Leichen soll in den nächsten Tagen Klarheit über den Tathergang bringen.

Wie die "Bild"-Zeitung schreibt, habe der Vater die Familie zuvor mit dem Vorwand in die Höhle gelockt, er habe dort Ostergeschenke versteckt. Eine Niederländerin, die unmittelbar nach der Tat mit dem Jungen gesprochen habe, wird mit den Worten zitiert: "Der Junge erzählte, dass der gemeinsame Tag mit einem Picknick begonnen habe. Sie seien den Berg hoch gegangen. Dann habe der Vater gesagt, dass er in einer Höhle Ostergeschenke versteckt habe und habe die ganze Familie in eine Höhle gelockt."

Noch am Donnerstag bestritt der Verdächtige, etwas mit dem Tod seiner Frau und seines Kindes zu tun zu haben. Er soll am Freitag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Die Autopsie der Leichen könnte Aufschluss zur Tat bringen.

"Leichte Verletzungen , die auf einen Kampf hindeuten"

Die Leichen wurden nach Medienberichten von einem deutschen Freiwilligen entdeckt. Er gehörte zu einem Suchteam von 100 Menschen.

Weiterlesen: Vermisste Deutsche: Mutter und Sohn tot in Höhle auf Teneriffa gefunden

Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Regionalzeitung "Diario de Avisos", der Verdächtige weise "leichte Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuten". Bei seiner Festnahme habe der Mann heftigen Widerstand geleistet, erklärte der Vertreter des Madrider Innenministeriums auf den Kanaren, Juan Salvador León.

In der Vernehmung habe der Mann beteuert, seine Frau und sein Sohn seien noch am Leben gewesen, als er die Höhle verlassen habe. Ein Sprecher der Polizei sagte, es gebe noch "sehr vieles zu klären". Laut der deutschen Polizei stammt die Familie aus Sachsen-Anhalt. Die 39-Jährige habe im Servicebereich eines IT-Unternehmens in Halle gearbeitet, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung".

Jüngster Sohn wird psychologisch betreut

Der kleine Bruder des toten Jungen, nach verschiedenen Angaben fünf bis sechs Jahre alt, war am Dienstagnachmittag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock aufgegriffen worden. Die Behörden schätzen, dass das Kind zuvor an die fünf Stunden lang auf der Insel umher geirrt war.

Der Fünfjährige habe anschließend der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die beiden Kinder brutal attackiert, berichteten Medien. Dem Kleinen sei nach eigenen Angaben dann die Flucht gelungen.

Er wird seit Dienstag von Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Zunächst hatte es geheißen, die Großeltern mütterlicherseits oder eine Tante würden auf die Insel kommen, um sich um das Kind zu kümmern. Am Samstag hatte die spanische Zeitung "Diario de Avisos" dann aber berichtet, die Familienangehörigen seien zunächst wegen ihres Schocks über das Geschehene nicht in der Lage gewesen, nach Teneriffa zu reisen. Ob bis zum Sonntag ein Verwandter eingetroffen war, wurde zunächst nicht bekannt. Laut Medien hatten sich die Eltern schon vor einiger Zeit getrennt.

Deutscher lebte dauerhaft auf Teneriffa

Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga sagte, der Deutsche wohne den Erkenntnissen zufolge schon seit einiger Zeit dauerhaft in der 43.000-Einwohner-Gemeinde, sei aber nicht gemeldet gewesen. Seine in Deutschland wohnende Familie sei regelmäßig zu Besuch gekommen. Die 39 Jahre alte Frau und die Kinder waren laut Bürgermeister erst am Montag auf Teneriffa eingetroffen. Gegen den Festgenommenen lägen in Spanien keine Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vor.

Die deutsche Familientragödie löste nicht nur in Adeje, sondern in ganz Spanien große Bestürzung, Anteilnahme und Interesse aus. Ministerpräsident Pedro Sánchez äußerte sich auf Twitter mit tiefem Bedauern und Erschütterung: "Aus Adeje (Teneriffa) erreichen uns die schlimmsten Nachrichten. Eine Frau und ihr Sohn sind ermordet worden. Die Macho-Gewalt schlägt wieder doppelt zu", schrieb der Sozialist. Sánchez verurteilte die Gewalt gegen Frauen und die häusliche Gewalt, die in Spanien dieses Jahr bereits 18 Frauen das Leben kostete.

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Nachbarn des Deutschen in Adeje wussten wenig zu berichten. Nachbarin Nati, die nach eigenen Angaben "seit eineinhalb Jahren Tür an Tür" mit dem Mann wohnte, sagte zu "Diario de Avisos", der Mann habe sich abgeschottet. "Er saß immer auf der Terrasse, hat sich gesonnt, und las jeden Tag fünf oder sechs Stunden lang Zeitung. Gearbeitet hat er wohl nicht." Andere Nachbarn erzählten, der Deutsche sei oft nur aus dem Haus gegangen, um mit einem Hund spazieren zu gehen.

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