Ermittlungen in Belgien: Weiterer Mord? : Fall Maddie: Beschuldigter bisher nicht zum Mordverdacht vernommen

Die Justizvollzugsanstalt Kiel: Dort verbüßt der Verdächtige im Fall des vor rund 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Maddie derzeit eine Haftstrafe.
Die Justizvollzugsanstalt Kiel: Dort verbüßt der Verdächtige im Fall des vor rund 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Maddie derzeit eine Haftstrafe.

Der Verdächtige im Fall Maddie ist in Kiel aus Sicherheitsgründen in einen anderen Trakt im Gefängnis verlegt worden.

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11. Juni 2020, 15:01 Uhr

Kiel/Braunschweig | Vor einer Woche hatten das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mitgeteilt, dass der wegen anderer Delikte inhaftierte Mann in dem Fall des vor 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine McCann unter Mordverdacht steht. Zur gleichen Zeit hatte es in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" einen erneuten Zeugenaufruf gegeben.

Die Eltern des verschwundenen Kindes hatten über Jahre immer wieder neue Suchaktionen angestoßen.
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Die Eltern des verschwundenen Kindes hatten über Jahre immer wieder neue Suchaktionen angestoßen.

Verdächtiger wird isoliert – zum Schutz

Der Verdächtige wurde nicht nur in einen anderen Trakt im Gefängnis verlegt. Er dürfe auch nur einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aus der Zelle, sagte Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) am Mittwoch in Kiel im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. So wolle man verhindern, dass möglicherweise Mitgefangene den Häftling attackieren.

Seitdem dieser als Hauptverdächtiger im Fall Maddie gelte, müsse mit Übergriffen gerechnet werden, sagte Claussen. Der Verdächtige sitzt zurzeit eine bereits 2011 vom Amtsgericht Niebüll verhängte Strafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab.

Erst Ermittlungen, dann Verhör

Unterdessen erklärte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig, dass der Mordverdächtige noch nicht vernommen worden sei. "Dieser Zeitpunkt ist für uns noch nicht gekommen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Eine Vernehmung erfolge häufig erst zum Abschluss der Ermittlungen, um dem Beschuldigten auch konkrete Vorhalte zu den Ergebnissen machen zu können, sagte Wolters.

Im Kieler Landtag ging es Mittwoch um die Frage, ob der einschlägig vorbestrafte Mann im Jahr 2018 wegen einer Justizpanne der Flensburger Staatsanwaltschaft vorübergehend für etwa vier Wochen freigekommen war. Die Flensburger Behörde war nach eigenen Angaben aber nicht in den Fall Maddie eingebunden. Das betonten die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Minister Claussen.

Weiterlesen: Warum es zur Freilassung des Mord-Verdächtigen kam

Dass der mehrfach Vorbestrafte 2018 für einige Wochen auf freiem Fuß war, ließ sich laut Stahlmann-Liebelt juristisch nicht vermeiden . Der Verdächtige hatte zuvor Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften vollständig abgesessen.

In diesem Haus in Portugal, Praia da Luz, soll der Verdächtige eine Zeit gewohnt haben. In dem Ort verschwand auch das kleine Mädchen.
-/Bundeskriminalamt/dpa
In diesem Haus in Portugal, Praia da Luz, soll der Verdächtige eine Zeit gewohnt haben. In dem Ort verschwand auch das kleine Mädchen.

In Kiel endet die aktuelle Haft wegen Drogendelikten im Frühjahr 2021. Der Beschuldigte hat bereits zwei Drittel dieser Strafe verbüßt und Anträge auf Haftverschonung gestellt. Entschieden ist darüber aber noch nicht.

Verteidiger legen Mandat nieder

Die bisherigen Verteidiger des 43-Jährigen haben unterdessen ihr Mandat nach wenigen Tagen wieder niedergelegt. Dies sei der zuständigen Ermittlungsbehörde angezeigt worden, teilten die Anwälte Jan-Christian Hochmann und David Volke der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mit. Eine Begründung für die Rückgabe des Mandats nannten die Juristen nicht. Sie waren nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von dem Beschuldigten mit der Verteidigung beauftragt worden.

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Der Mann wird nun von den Hamburger Anwalt Johann Schwenn und seinem Kieler Kollegen Friedrich Fülscher vertreten. Fülscher sagte RTL/n-tv, sein Mandant möchte "momentan keine Angaben zur Sache" machen. "Wir bitten um Verständnis, dass wir als Verteidiger auch keine Angaben machen." Schwenn bestätigte der dpa das gemeinsame Mandat mit dem Kollegen Fülscher. "Nach Akteneinsicht sehen wir weiter", sagte er.

Neuer Verteidiger will gegen Falschverdächtigungen vorgehen

Auf die Frage, wie es seinem Mandanten gehe, antwortete Fülscher RTL/n-tv: "Wie soll es einem Menschen gehen, der in einer Justizvollzugsanstalt isoliert ist und dem die halbe Weltbevölkerung schlimmste Verbrechen vorwirft?" Der Jurist kündigte an, "zivil- oder strafrechtlich" gegen Falschverdächtigungen seines Mandanten vorgehen zu wollen.

Neue Ermittlungen in Belgien

Die belgischen Behörden haben nach den neuen Entwicklungen im Fall Maddie die Ermittlungen zum Mord an der deutschen Jugendlichen Carola Titze wieder aufgenommen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brügge am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Der verstümmelte Leichnam der 16-Jährigen war im Juli 1996 im belgischen Küstenort De Haan gefunden worden.Damals hatten sich die Ermittlungen auf einen deutschen Verdächtigen Anfang zwanzig konzentriert. Der damalige Ermittlungsrichter Paul Gevaert hatte vergangene Woche eine mögliche Verbindung mit dem heute 43-jährigen Christian B. ins Spiel gebracht

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