Polizeiliche Kriminalstatistik : Fälle von sexueller Gewalt und Kinderpornografie steigen weiter

Viele Kinder erleiden in der Familie Vernachlässigung und auch sexuellen Missbrauch.
Viele Kinder erleiden in der Familie Vernachlässigung und auch sexuellen Missbrauch.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung befürchtet, dass die Corona-Krise Kinder zunehmend gefährdet.

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11. Mai 2020, 11:35 Uhr

Berlin | Nach Angaben der Polizeilichen Kriminalstatistik bleibt Fälle von Gewalt gegen Kinder unverändert hoch. Im vergangenen Jahr wurden 112 Kinder vorsätzlich oder fahrlässig getötet oder sind in Folge von Körperverletzung gestorben, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, am Montag in Berlin mitteilte. Im Jahr zuvor waren es 136 Kinder. 93 Kinder waren 2019 unter 6 Jahre alt. Zudem gab es danach 4.055 Fälle von Kindesmisshandlung (2018: 4.129). Die Statistik verzeichnet zudem einen Anstieg von sexueller Gewalt von 14.606 auf 15.936 Fälle. Stark angestiegen sind demnach auch die Fälle von Kinderpornografie. So habe es im vergangenen Jahr 12.262 Fälle. Damit sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent. Dabei gebe es einen steigenden Anteil von Jugendlichen, die kinderpornografisches Material über Messenger-Dienste teilte.

Isolation gefährdet Kinder

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fürchtet, dass die wegen der Corona-Krise verordnete Isolation die Kinder noch mehr gefährde. "Viele Kinder erleiden in der Familie Vernachlässigung und auch sexuellen Missbrauch. Und dadurch, dass die Kontakte zu den Ansprechpartnern, zu den Vertrauenspersonen, Erzieherinnen und Erziehern in den Kitas, Lehrerinnen und Lehrern in den Schulen, im Moment oft unterbrochen sind, wird sich die Gefahr noch erhöht haben", so Rörig.

Rechte der Polizei erweitern

Er forderte deshalb, den Kampf gegen sexuelle Gewalt trotz Corona-Krise weiter voranzutreiben. "Nur wenn sich alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte zusammentun und auch nach der Krise ihr Bestes geben, erreichen wir in Deutschland endlich den ersehnten Rückgang der Missbrauchszahlen", so der Beauftragte. Rörig plädierte im Kampf gegen Kinderpornografie eine EU-rechtskonforme Vorratsdatenspeicherung. Die Täter dürften sich nicht mehr so sicher wie bisher vor Entdeckung fühlen. Die Rechte der Polizei müssten erweitert werden, wirksam im Darknet zu ermitteln.

Mehr Anrufe bei "Nummer gegen Kummer"

Unterdessen verzeichnete die Telefonberatung "Nummer gegen Kummer" (kostenlose Telefonnummer 116111) einen deutlichen Anstieg der Beratungsgespräche von März auf April 2020. Anrufe seien um 50 Prozent gestiegen, erklärte die Fachreferentin der Organisation, Anna Zacharias, im ARD-Morgenmagazin. Kinder und Jugendlichen riefen vor allem wegen Zukunftsängsten, der Corona-Situation, Einsamkeit und Konflikten in der Familie an.

Um Kindern aufgrund der beengten Familiensituation auch weiterhin eine anonyme Gesprächsmöglichkeit gewährleisten zu können, biete die Organisation Kindern an, sich online, per Chat oder auch per Brief zu melden. Die Fachreferentin befürchtet aber auch dass aufgrund der aktuellen Situation Gewalt und Missbrauch in Familien unerkannt bleibe.

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