In Österreich und Jena bereits Pflicht : Debatte um Atemschutzmasken: Sollte beim Einkaufen jeder eine tragen?

In Deutschland gibt es eine zunehmende Bereitschaft, einen Mundschutz zu tragen, um andere nicht anzustecken.
In Deutschland gibt es eine zunehmende Bereitschaft, einen Mundschutz zu tragen, um andere nicht anzustecken.

Sollten Menschen wegen der Corona-Krise Atemschutzmasken tragen? Fragen und Antworten zur aktuellen Debatte.

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31. März 2020, 17:07 Uhr

Berlin | Anfang der Woche hatte Österreich eine Schutzmaskenpflicht angekündigt und damit auch in Deutschland eine Debatte über das Thema ausgelöst. Nun sind erste Kommunen in Thüringen vorgeprescht und haben Verfügungen für eine Maskenpflicht in Supermärkten, Bussen und Bahnen angekündigt. Andere in Deutschland könnten folgen. Wie genau soll es in Österreich und Thüringen laufen?

Voraussichtlich ab diesem Mittwoch sollen die Supermärkte im Nachbarland schrittweise damit beginnen, am Eingang Masken auszugeben. Ab dem Zeitpunkt der Aushändigung sei das Tragen während des Einkaufs Pflicht, hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz angekündigt. Zielsetzung sei es mittelfristig, die Masken nicht mehr nur im Supermarkt, sondern auch darüber hinaus zu tragen, überall dort, wo ein Kontakt zwischen Menschen stattfinde.

Im thüringischen Jena will die Stadtverwaltung das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr zur Pflicht machen. Der Kreis Nordhausen kündigte ähnliche Maßnahmen an.

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Ist eine Maskenpflicht auch bundesweit vorstellbar?

Im Moment sieht es nicht danach aus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) setzt auf Freiwilligkeit. Er nehme eine zunehmende Bereitschaft der Leute wahr, einen Mundschutz zu tragen, um andere nicht anzustecken. Das sei ein gutes Signal. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sagte am Dienstag: "Man kann nichts ausschließen." Es sei aber nun wichtig, Geduld zu bewahren und alles zu tun, um soziale Kontakte zu reduzieren. Bei guten Masken herrsche im Moment ein Engpass. Eine allgemeine Pflicht könnte wieder zu Hamsterkäufen führen.

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Wie groß sind die Engpässe im Gesundheitswesen und der Pflege?

Zuletzt kamen aus allen Ecken der Republik Alarmrufe, auch wenn die zentrale Beschaffung von Schutzausrüstung durch die Bundesregierung zusehends in Gang kommt. Rund 20 Millionen Masken gingen inzwischen über den Bund an Kassenärztliche Vereinigungen und die Länder, die das Material an Praxen, Kliniken und Pflegeheime weiterverteilen sollen. Der Bund versichert, eingetroffenes Material werde gleich weitergegeben und nicht erst einmal gesammelt. Der Maskenmarkt sei wahnsinnig umkämpft, die Preise gingen hoch und runter wie am Goldmarkt, hatte Spahn in der vergangenen Woche gesagt. Sein Ministerium bemüht sich mit dem Beschaffungsamt der Bundeswehr um ergänzenden Nachschub. Massenware, wie Masken es seien, habe einst 6 Cents oder 17 Cents das Stück gekostet – inzwischen werde für medizinische Masken über drei, fünf oder sechs Euro geredet.

Maske ist nicht gleich Maske – wo liegen die Unterschiede?

Eine einfache Maske – der reguläre Mund-Nasen-Schutz – bietet in der Regel keinen ausreichenden Schutz vor einer Infektion. Das gilt auch für selbstgenähte Stoffmasken. Beide können allerdings verhindern, das die Träger andere Menschen anstecken. Masken mit der höheren Schutzstufe FFP-2 eignen sich zum Beispiel für pflegerische Tätigkeiten oder andere Situationen, in denen Menschen engen Kontakt zu Influenza- oder Covid-19-Verdachtsfällen haben. FFP-3-Masken haben die höchste Schutzstufe und können auch vor krebserregenden oder radioaktiven Partikeln schützen. Weil der Filter sehr dicht ist, fällt das Atmen mit der Maske schwer. Sie kann darum nur für kurze Zeit getragen werden.

Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP3 bietet den höchsten Schutz.
dpa/Christian Beutler
Eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP3 bietet den höchsten Schutz.

Maske tragen oder nicht – was sagen die Experten?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eher skeptisch: Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass mit dem Tragen von Masken etwas gewonnen wäre, sagte WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Die Organisation empfiehlt eine Maske für diejenigen, die husten und niesen oder die mit Covid-19-Verdachtsfällen Kontakt haben. Der Virologe Alexander Kekulé sagte dagegen im Gespräch mit dem MDR, aus Hongkong wisse man, dass das Tragen einer Maske in Kombination mit anderen Verhaltensregeln erheblich dazu beitragen könne, die Krankheit unter Kontrolle zu halten. Auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Dienstag. "Deswegen ist er für den Schutz von anderen von Relevanz." Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité äußerte sich im NDR: Durch die Maske schütze man vor allem andere. Das sei "eine höfliche Idee" und "eine ganz wichtige Maßnahme". Vor dem Hintergrund der Maskenknappheit plädierte Drosten besonders dafür, sich selber einen Schutz zu basteln.

Und wo bekommt man dabei Hilfe?

Verschiedene Anleitungen zur Herstellung eines Mund-Nasen-Schutzes aus Stoff gibt es auf "maskmaker.de" - ein Projekt, das vor rund anderthalb Wochen im Rahmen eines so genannten Hackathons entstanden ist. Bei der von der Bundesregierung mitinitiierten Aktion hatten Freiwillige 48 Stunden lang Zeit, Lösungsansätze zur Bewältigung der Corona-Krise zu entwickeln. Über die Homepage können selbst genähte Masken auch an Pflegeeinrichtungen gespendet werden. Für Hobby-Näher gibt es außerdem auf YouTube zahlreiche Tutorials.

Warum sind Schutzmasken in Asien schon lange normal?

Weil sie dort schon lange nicht nur als Eigenschutz gesehen werden, sondern als Mittel, um die Mitmenschen zu schützen. In vielen asiatischen Ländern ist es üblich, auch bei leichten Erkältungen einen Mundschutz zu tragen, um etwa Kollegen im gleichen Großraumbüro nicht anzustecken. In sozialen Netzwerken in Asien machen sich Menschen momentan zum Teil lustig darüber, dass in Europa oder den USA trotz der globalen Pandemie Menschen noch mit unverdecktem Gesicht auf die Straße gehen. In Metropolen wie Tokio, Taipeh, Hongkong oder Peking trägt dieser Tage so gut wie jeder einen Mundschutz. Einige Geschäfte lassen nur noch Kunden rein, die eine Maske tragen.

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