Langzeitherrscher von Simbabwe : Tod von Robert Mugabe: Er kam als Freiheitskämpfer und endete als Tyrann

Robert Mugabe ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Robert Mugabe ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Robert Mugabe, der langjährige Präsident des südafrikanischen Staates Simbabwe, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

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06. September 2019, 07:32 Uhr

Harare | Mit dem Tod von Simbabwes früherem Langzeitpräsidenten Robert Mugabe ist in dem verarmten südafrikanischen Land eine Ära zu Ende gegangen. Im Alter von 95 Jahren starb der bis zuletzt umstrittene Politiker am Freitag in Singapur. Sein Nachfolger, Präsident Emmerson Mnangagwa, schrieb auf Twitter, Mugabe sei ein Befreiungsheld gewesen und habe der Emanzipation seines Volkes sein Leben gewidmet.

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Auch Mugabes Neffe Robert Zhuwao bestätigte die Todesnachricht. Der Langzeitherrscher hatte zeitlebens polarisiert, was sich auch in den Reaktionen auf seinen Tod widerspiegelte.

Als Freiheitsheld gefeiert

Mugabe wurde am Freitag einerseits als couragierter Freiheitsheld gewürdigt, viele betonten aber auch seine autokratische Führung. Von Kenias Präsident Uhuru Kenyatta hieß es: "Wir werden den früheren Präsidenten Mugabe als einen Mann des Mutes in Erinnerung behalten, der nie davor zurückscheute, für das zu kämpfen, an das er glaubte - selbst als er nicht beliebt war." Er habe eine wichtige Rolle beim Kampf für die Interessen des Kontinents gespielt.

Als Guerillachef hatte Mugabe gegen die Herrschaft der weißen Minderheit in dem südafrikanischen Land gekämpft und danach Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980 regiert - zuletzt mit harter Hand. 2017 wurde er nach fast 40 Jahren an der Macht gestürzt. Anschließend verbrachte er mehrere Monate zur Behandlung in einem Krankenhaus in Singapur, sein Gesundheitszustand hatte sich zunehmend verschlechtert. Eine offizielle Angabe, woran er litt, gab es nicht.

10.01.1988, London: Die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher empfängt Simbabwes damaligen Präsidenten Robert Mugabe. Foto: dpa/Tim Ockenden/Press Association|
10.01.1988, London: Die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher empfängt Simbabwes damaligen Präsidenten Robert Mugabe. Foto: dpa/Tim Ockenden/Press Association|

Wirtschaftlich Situation in Simbabwe ist miserabel

Die Situation in Simbabwe ist heute schwierig: Die Währung ist nichts wert, Strom gibt es nur für ein paar Stunden am Tag und das Gesundheitssystem ist weitgehend kollabiert. Die Inflation schreitet voran und es herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Eigentlich hat das Land großes Potenzial: Rohstoffe wie Diamanten, eine gut ausgebildete Bevölkerung und ein gutes Klima für die Landwirtschaft.

Prägend war Mugabes Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte. Die Farmen gingen oft an Menschen ohne Erfahrung in der Landwirtschaft. Das Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

Oppositionsführer Nelson Chamisa schrieb zu dem Tod des ebenso exzentrisch wie autokratisch auftretenden Langzeitherrschers auf Twitter: "Obwohl ich und unsere Partei, die MDC, und das simbabwische Volk große politische Differenzen mit dem verstorbenen Ex-Präsidenten während seiner Amtszeit hatten - und jahrzehntelang unterschiedlicher Meinung waren - erkennen wir seinen Beitrag zu Lebzeiten als Gründerpräsident an."

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"Die Menschen leiden weiter"

Menschenrechtler betonten die repressive Politik von Mugabe. Unter ihm sei die politische Opposition brutalst unterdrückt worden und er habe eine Kultur der Straflosigkeit für sich selbst und seine Verbündeten geschaffen, kritisierte Amnesty International scharf. "Während er sich als Retter von Simbabwe darstellte, fügte Robert Mugabe den Menschen und dem Ruf des Landes langfristigen Schaden zu", sagte die stellvertretende Leiterin der Organisation im südlichen Afrika, Muleya Mwananyanda.

2008 ging Mugabe erneut als Präsident aus den Wahlen hervor. Ihm gegenüber loyale Schlägertrupps schüchterten oppositionelle Gruppen ein. Foto: dpa/Bishop Asare
2008 ging Mugabe erneut als Präsident aus den Wahlen hervor. Ihm gegenüber loyale Schlägertrupps schüchterten oppositionelle Gruppen ein. Foto: dpa/Bishop Asare

Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), sagte SWR Aktuell, unter Mnangagwa habe sich wenig verändert: "Man macht eben so weiter, wie auch Mugabe regiert hat. Es finden keine privaten Investitionen statt, weil die Rahmenbedingungen nicht sicher sind. Die Menschen leiden weiter."

Im benachbarten Südafrika betrauerte der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) einen "Freund, Staatsmann und leidenschaftlichen Genossen", der den Kampf gegen das Apartheid-System engagiert unterstützt habe.

Hang zu Allmachtsfantasien

Mugabe hatte stets einen Hang zum Exzentrischen - und zu Allmachtsfantasien. Auf einer Wahlkampfveranstaltung sagte er 2008: "Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können." Gerüchte über gesundheitliche Probleme kommentierte er 2016 so: "Es stimmt: Ich war tot. Aber ich wurde wie immer wiedergeboren."

Sein Nachfolger Mnangagwa hatte noch am Tag vor Mugabes Tod auf einem Wirtschaftsforum in Kapstadt erklärt, er habe heute mit einer völlig zusammengebrochenen Wirtschaft zu kämpfen, die es nun wieder aufzubauen gelte. Das seit Jahren anhaltende Chaos im Land hatte Millionen Simbabwer ins Exil und eine Art Subsistenzwirtschaft getrieben, viele staatliche Institutionen sind kollabiert.

Die Folge waren Proteste gegen die wirtschaftliche Misere in Simbabwe, für die Mugabe stets westliche Sanktionen verantwortlich gemacht hatte.

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