Nach Zweifeln an Geschichte : Erfundener Protagonist: "SZ" trennt sich von freiem Journalisten

Die Geschichte, in der eine erfundene Protagonistin vorkam, sollte eigentlich im Süddeutsche Zeitung Magazin erscheinen.
Die Geschichte, in der eine erfundene Protagonistin vorkam, sollte eigentlich im Süddeutsche Zeitung Magazin erscheinen.

Der Journalist hat nach Überzeugung der Chefredaktion in einer Geschichte einen Protagonisten erfunden.

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20. Februar 2019, 19:52 Uhr

München | Die "Süddeutsche Zeitung" hat die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter beendet. Er hat nach Angaben des Blatts in einer noch nicht veröffentlichten Geschichte des "Süddeutsche Zeitung Magazins" einen Protagonisten erfunden. Der Autor habe zugegeben, dass Zweifel an der Geschichte berechtigt seien, teilten die Chefredaktionen beider Titel am Mittwoch in München mit. Sie sehen das als "groben Verstoß gegen die journalistischen Standards". Das Branchenportal "Meedia" hatte darüber berichtet.

Weitere Texte des Journalisten werden geprüft

Bei der Überprüfung weiterer Texte habe sich herausgestellt, dass "in einer Geschichte des Journalisten fremdsprachige Zitate unsauber wiedergegeben wurden und dadurch Sachverhalte ungenau dargestellt worden sind". Anhaltspunkte für weitere "schwerwiegende Verstöße" gegen die journalistischen Standards der beiden Titel habe es nicht gegeben. Der freie Journalist soll auch für andere Medien geschrieben haben.

Weiterlesen: Betrugsfall: Ex-"Spiegel"-Autor Relotius äußert sich zu Umgang mit Spenden

Eine Sprecherin der Zeit-Verlagsgruppe erklärte laut "Meedia": "Wir prüfen intensiv alle Texte des freien Mitarbeiters. Dies geschieht unter Mithilfe des Autors, der uns seine Rechercheunterlagen zur Verfügung gestellt hat. Die Prüfung hält noch an. Bislang haben sich alle Orte, Personen und Ereignisse als real erwiesen." Allerdings seien in einem Teil der Texte sachliche Fehler und Ungenauigkeiten aufgefallen.

Erinnerung an den Fall Relotius

Im Dezember hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einen schweren journalistischen Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt und öffentlich gemacht. Dabei ging es um Fälschungen des Reporters Claas Relotius, der zunächst als freier Mitarbeiter und dann als Redakteur für das Nachrichtenmagazin gearbeitet hatte. Von ihm sind dem "Spiegel" zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei "Spiegel Online" erschienen. Nach "Spiegel"-Angaben hat der Journalist in "großem Umfang seine eigenen Berichte gefälscht und Protagonisten erfunden". Die neue Chefredaktion um Steffen Klusmann setzte eine Kommission aus internen und externen Experten ein, die den Fälschungen nachgeht.

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