#prinzdumm : Streit um Entschädigungen: So will Jan Böhmermann die Hohenzollern stoppen

Jan Böhmermann hat sich mit Georg Friedrich Prinz von Preußen (r.) angelegt.
Jan Böhmermann hat sich mit Georg Friedrich Prinz von Preußen (r.) angelegt.

Böhmermann mischt sich in den Streit der Hohenzollern mit dem Bund ein – und lenkt das Thema zugleich auf die Herero.

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16. November 2019, 14:43 Uhr

Köln | Es geht um Kunstwerke, Wertpapiere und Kronjuwelen, das kostenlose Wohnrecht auf verschiedenen Schlössern und eine Menge Geld: Seit Jahren erheben Georg Friedrich Prinz von Preußen, Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, und seine Familie Anspruch auf die Besitztümer ihrer Vorfahren. Bislang liefen die Verhandlungen zwischen dem deutschen Staat und den Hohenzollern weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit – bis jetzt.

Hashtag: #prinzdumm

Am Donnerstag stellte Jan Böhmermann das Thema unter dem Hashtag #prinzdumm ausführlich den Zuschauern seiner Sendung "Neo Magazin Royale" vor. In einem rund halbstündigen Beitrag erklärte er, wie den Hohenzollern die Besitztümer laut Entschädigungsgesetz von 1994 grundsätzlich auch zustehen würden – solange niemand aus der Familie durch sein Handeln dem Nationalsozialismus "erheblichen Vorschub" geleistet hat. Und da liegt möglicherweise der Haken.


Auf einer extra für das Thema eingerichteten Website hohenzollern.lol veröffentlichte Böhmermann erstmals alle vier Gutachten, die sich mit dem Verhältnis der Hohenzollern zum NS-Regime befassen. Da es sich bei den Forderungen der Familie unter anderem "um historische Wertgegenstände handelt, die der Öffentlichkeit in verschiedenen Museen zugänglich sind und der Umgang auch eine erhebliche politische Dimension hat, sollte auch die Öffentlichkeit Einsicht in Gutachten und Stand der Verhandlung haben", heißt es dort.

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Die Historiker Stephan Malinowski und Peter Brandt wurden vom Land Brandenburg beauftragt und schreiben in ihren Gutachten, dass Wilhelm Kronprinz von Preußen dem NS-Regime Vorschub geleistet habe, Christopher Clark und Wolfram Pyta wurden von den Hohenzollern beauftragt und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Während Clark Kronprinz Wilhelm als unbedeutende Figur ohne großen Einfluss beschreibt, ist er bei Wolfram Pyta ein engagierter Widerständler.

Böhmermann spannt Bogen zu Völkermord an den Herero

"Wie kann man die Hohenzollern mit juristisch-legalen Mitteln stoppen?", fragt Böhmermann seine Zuschauer, "wie können wir, die Bürgerinnen und Bürger des demokratischen Deutschlands, den Hohenzollern alles wegnehmen, was sie besitzen, und zwar legal?"


Nicht nur dürften Böhmermann und sein Team dadurch den Streit zwischen dem Bund und der Adelsfamilie beeinflusst haben. Auch lenkten sie durch ihren Beitrag den Blick ihrer Zuschauer auf ein ganz anderes Thema: Den Völkermord an den Herero, der durch Kaiser Wilhelm II. unterstützt wurde und bei dem 40.000 bis 60.000 Menschen ihr Leben verloren haben. Denn während die Bundesregierung mit den Hohenzollern um Entschädigungen verhandelt, gibt es mit Herero-Vertretern keine Gespräche. Deren deutschen Sprecher Israel Kaunatjike hatte das Team ins Studio geladen – und ihm die letzten Minuten des Beitrags für seine eigenen Worte zum Thema zur Verfügung gestellt.


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