Noch keine belastbaren Studien : Vermindertes Lungenvolumen? Experten diskutieren über Covid-19-Spätfolgen

Werden Menschen, die mit der Lungenkrankheit Covid-19 infiziert gewesen sind, unter Spätfolgen leiden?
Werden Menschen, die mit der Lungenkrankheit Covid-19 infiziert gewesen sind, unter Spätfolgen leiden?

Bei zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten in Deutschland wurde bislang eine Lungenentzündung beobachtet.

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12. April 2020, 08:55 Uhr

Berlin | Bei der neuen Lungenkrankheit Covid-19 ist es aus Expertensicht noch zu früh für gesicherte Aussagen über mögliche Spätfolgen. Bei heftigeren Verläufen, etwa mit schwerem Lungenversagen und langer Beatmungsdauer, seien aber durchaus Restsymptome wie ein vermindertes Lungenvolumen zu erwarten, sagte der Mediziner Sven Gläser vom Vivantes-Klinikum Neukölln. Bei Patienten mit leichteren Lungenentzündungen sei hingegen abgeleitet von ähnlich verlaufenden anderen Lungenerkrankungen anzunehmen, dass sie keine relevanten Folgen befürchten müssen.

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Anhand erster Erfahrungen sei anzunehmen, dass die überwiegende Mehrzahl der Patienten ohne spürbare Einschränkungen nach Hause entlassen werde, sagte auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Michael Pfeifer, der Deutschen Presse-Agentur. Belastbare Studien zu dem Thema fehlten allerdings bisher, für Deutschland sei für Mai mit ersten Ergebnissen zu rechnen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wird bisher bei etwa zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten in Deutschland eine Lungenentzündung beobachtet. Ein Teil der Patienten muss beatmet werden, und dies oft über längere Zeit.

Künstliche Beatmung als schädlicher Reiz

Die möglichen Folgen bei schweren Verläufen müssen in solchen Fällen nicht allein auf das Virus zurückgehen, wie Gläser erklärte. Auch die maschinelle Beatmung sei ein nicht vermeidbarer, aber potenziell schädlicher Reiz für das Lungengewebe. Hinzu kämen teils Komplikationen wie bakterielle Infektionen während der relativ langen Zeit, die Covid-19-Patienten auf der Intensivstation liegen.

Keine verbindliche Empfehlungen

Gläser mahnt an, dass Patienten nach überstandener Erkrankung kontrolliert werden sollten, um den Verlauf weiter im Auge zu behalten. Momentan gebe es keine verbindlichen Empfehlungen zur Nachverfolgung. Ein einheitlicher Standard sei nötig, idealerweise mit systematischer Erfassung der Ergebnisse. Um genesene Patienten systematisch nachzuverfolgen, liefen erste Vorbereitungen, sagte Pfeifer von der DGP. Ein Teil der Patienten werde nach einem schweren Verlauf eine Reha-Behandlung benötigen. Hierzu würden aktuell Konzepte erstellt.

Drosten: Lange Erholungszeit

Der Virologe Christian Drosten hatte kürzlich im NDR-Podcast gesagt, dass es Hinweise darauf gebe, "dass die Patienten in ihrem Allgemeinzustand lange brauchen, um sich zu erholen". Mehr als einen Monat nach Krankenhausentlassung seien Patienten nach schweren Verläufen noch allgemein geschwächt. Auch die Lungenfunktion scheine nicht gut zu sein nach überstandener schwerer Infektion.

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