Viele Fragen nach möglichem Suizid : Causa Epstein: Wer war noch in den Missbrauchsskandal verwickelt?

Frauen protestieren mit Bildern von Jeffrey Epstein vor dem Gericht in New York. Der ehemalige Geschäftsmann wurde am Wochenende tot in seiner Zelle entdeckt.
Frauen protestieren mit Bildern von Jeffrey Epstein vor dem Gericht in New York. Der ehemalige Geschäftsmann wurde am Wochenende tot in seiner Zelle entdeckt.

Im Fall Epstein sind auch nach dem Tod des Unternehmers noch viele Fragen offen.

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12. August 2019, 12:47 Uhr

New York | Der Skandal um den bestens vernetzten US-Unternehmer Jeffrey Epstein bot seit dessen Festnahme Anfang Juli reichlich Zündstoff: Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem 66-Jährigen vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan Hunderte Nacktbilder gefunden.

Weiterlesen: US-Milliardär Epstein tot in Gefängniszelle gefunden – FBI ermittelt

Epstein bestritt alle Vorwürfe gegen ihn, am Samstagmorgen wurde er tot in seiner Zelle entdeckt. Nach seinem Tod sind noch viele Fragen offen: Wie konnte es Epstein gelingen, sich trotz verstärkter Sicherheitsvorkehrungen das Leben zu nehmen? Hat das Gefängnis Fehler gemacht? Wer war in den Missbrauchsfall verwickelt? Und wie wird das Verfahren gegen den Unternehmer weitergehen?

Welche Schuld trifft das Gefängnis?

Bereits vor einem Monat soll Epstein versucht haben, sein Leben zu beenden. Er wurde laut verschiedener Medienberichte mit Verletzungen am Nacken bewusstlos in seiner Zelle gefunden. Seitdem wurden die vorgeschriebenen Überwachungsmaßnahmen in dem Gefängnis in Manhattan erhöht, dem 66-Jährigen wurden Schnürsenkel, Laken und anderer potenziell gefährliche Gegenstände abgenommen. Außerdem habe er täglich mit einem Psychiater sprechen müssen. Doch das alles soll nur bis zum 29. Juli gegolten haben, wie die "New York Times" berichtet. In der Nacht vor seinem Tod soll Epstein allein und unbeobachtet in seiner Zelle gewesen sein. Eigentlich hätte ein Mitarbeiter jede halbe Stunde nach ihm schauen müssen, berichtete die Zeitung unter Verweis auf eine anonyme Quelle. Zudem habe die Anstalt Epsteins Zellengenossen verlegt.

Das FBI hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Auch Justizminister William Barr führte schon am Wochenende interne Ermittlungen im Ministerium in die Wege. "Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen", so Barr.

Wie geht der Fall juristisch weiter?

Auch wenn Epstein nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden kann, sollen die zivilen Verfahren gegen ihn weitergehen. Eine finanzielle Entschädigung der Opfer ist schließlich weiterhin möglich – Epstein soll ein Vermögen von rund 500 Millionen Dollar hinterlassen.

Auch der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey S. Berman teilte mit, dass die Untersuchungen zu den erhobenen Vorwürfen fortgeführt würden. Er verwies darauf, dass ein Anklagepunkt auch mutmaßliche Mittäter ins Visier nahm. Einer von Epsteins Anwälten, Marc Fernich, gab Berichten zufolge den Staatsanwälten, Opferanwälten und Medien eine Mitschuld am Tod seines Mandanten.

Die Anwältin Gloria Allred, die viele von Epsteins Opfern vertritt, kündigte auf Twitter an, nicht aufgeben zu wollen. Ihre Klienten seien geschockt über die Nachricht und suchten weiterhin nach Gerechtigkeit für das, was er ihnen im Kindesalter angetan hat. "Alle, die ihn wissentlich unterstützt haben, können und müssen auch vor Straf- und Zivilgerichten zur Rechenschaft gezogen werden. Wir werden nicht aufhören, bis die ganze Wahrheit bekannt ist und es Gerechtigkeit für die mutigen Opfer von Jeffrey Epstein gibt", so Allred.


Was hat Prinz Andrew mit der Causa Epstein zu tun?

Neben hochrangigen Politikern und Juristen soll auch Prinz Andrew in den Sex-Skandal verwickelt sein. Das berichten unter anderem der "Guardian" und die "Times". In Gerichtsakten, die seit wenigen Tagen öffentlich einsehbar sind, finden sich auch Anschuldigungen gegen den zweiten Sohn von Queen Elizabeth. Prinz Andrew soll laut der Dokumente im Jahr 2015 ein minderjähriges Mädchen im Londoner Haus von Epsteins damaliger Lebensgefährtin unsittlich berührt haben. Das Königshaus bestreitet die Vorwürfe.

Welche einflussreichen Männer waren in den Missbrauch verwickelt?

Noch ist vieles rund um den Tod des Unternehmers völlig unklar. Die Menge an ungeklärten Fragen – Warum war Epstein allein in seiner Zelle? Welche einflussreichen Männer waren in den Missbrauch verwickelt? – sorgen für wilde Vermutungen und Verschwörungstheorien im Internet. Gerade die Tatsache, dass Epstein sich kurz nach der Veröffentlichung der Akten, die gleich mehrere prominente Mitwisser enthüllen, das Leben genommen hat, sorgt für Spekulationen. Könnte Epstein aus dem Weg geschafft worden sein, bevor er vor Gericht noch weitere Namen nennen konnte?

Donald Trump – der selbst enge Beziehungen zu Epstein gepflegt hatte – teilte auf Twitter einen Bericht, in dem der frühere US-Präsident Bill Clinton mit dem Tod Epsteins in Verbindung gebracht wird. Für all diese Theorien gibt es keinerlei Beweise oder auch nur konkrete Hinweise.

Trump hatte sich im Juli von Epstein distanziert. Er habe vor langer Zeit einen Streit mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm. In einem "New York Magazine"-Interview von 2002 hatte Trump Epstein dagegen als "großartigen Mann" beschrieben. Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: "Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte."

Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn Sie Selbstmordgedanken plagen, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos anrufen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

(mit dpa)

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