Aktionstag : Bundesweite Kontrollen: Polizei hat Radfahrer mit Kopfhörern im Visier

Der ADFC rät dazu, alle Sinne beim Radfahren zu nutzen, um sicher durch den Verkehr zu kommen. Foto: dpa/Emily Wabitsch
Der ADFC rät dazu, alle Sinne beim Radfahren zu nutzen, um sicher durch den Verkehr zu kommen. Foto: dpa/Emily Wabitsch

Wer am Donnerstag mit Handy oder Kopfhörern unterwegs ist, muss damit rechnen, von der Polizei angesprochen zu werden.

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19. September 2018, 12:00 Uhr

Magdeburg | Es ist nicht grundsätzlich verboten – aber es wird davon abgeraten: Musikhören beim Radfahren. Handys gelten generell als ein unterschätztes Risiko im Straßenverkehr. Die Polizei ist an diesem Donnerstag (ab 6 Uhr) deswegen mit rund 11.000 Beamten im Einsatz, um im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags Kopfhörer-Radler und Handy-Telefonierer auf Deutschlands Straßen anzusprechen. Das teilt das organisierende Innenministerium in Sachsen-Anhalt mit. Es seien 3200 Aktionen geplant. Neben reinem Anhalten und Belehren von Gurtmuffeln, Handysündern oder Dränglern seien zahlreiche Infoaktionen geplant.

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So können Interessierte in Parcours oder mit Fahrsimulationen selbst testen, wie Ablenkung am Steuer ihre Fahrleistung beeinträchtigt. Angehalten werden nicht nur Auto- und Lkw-Fahrer. Auch Radler und Fußgänger mit Kopfhörer und Handy sind im Visier der Beamten. Die Innenminister in Deutschland entschieden 2017, einmal jährlich einen Aktionstag zu organisieren. Jetzt ist die Premiere. So soll auf unterschätzte Gefahren aufmerksam und die Zahl der Unfälle verringert werden.

1. Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen:

Ablenkung am Steuer wird als Unfallrisiko chronisch unterschätzt, sagt Heinz Albert Stumpen von der Hochschule der Polizei in Münster. Wie oft fehlende Aufmerksamkeit in Deutschland eine Rolle spielt, lässt sich aus den Statistiken nicht ablesen – anders als überhöhte Geschwindigkeit oder Alkohol wird es nicht erfasst. Andere europäische Länder weisen es aus: In Österreich spiele Ablenkung etwa bei jedem dritten tödlichen Unfall eine Rolle, sagt Stumpen. Internationale Studien zeigten, dass mehr als die Hälfte der Unfälle damit in Zusammenhang stehen.

2. Handytippen ist so gefährlich wie betrunken zu fahren:

Besonders gefährlich sind die digitalen Helfer am Steuer. "Elektronische Geräte wie Navigationssysteme oder Handys während der Fahrt bedienen, ist das Gefährlichste, was man am Steuer machen kann", sagt Stumpen. Das Risiko, einen Unfall zu bauen, steige um das Vierfache. Eine Nachricht beim Fahren zu lesen oder zu tippen, sei so gefährlich wie mit 0,8 bis 1,0 Promille Alkohol zu fahren. Der Grund: Man fährt beim Blick aufs Handy im sogenannten Blindflug. Bei Stadtfahrten mit Tempo 50 bedeutet eine Sekunde auf das Handy gucken schon 14 Meter Weg blind zurücklegen. Außerorts mit Tempo 130 sind es 36 Meter – jede Sekunde. Gefahren werden später oder zu spät erkannt, die Reaktion ist verzögert.

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3. Autofahrer sind keine Kinderbetreuer:

Nicht nur das Mobiltelefon ist ein unterschätzter Ablenker. Lkw-Fahrer etwa lesen Zeitung, kochen Kaffee oder gucken Filme, während sie auf den Fernstraßen unterwegs sind. "Was man da so tagtäglich auf den Landstraßen und Autobahnen erlebt, ist der Wahnsinn", sagt Nadine Raabe-Goldermann aus dem Innenministerium Sachsen-Anhalt. Doch während dieses Risiko auf der Hand liegt, werden andere Gefahren vergessen. Eltern wollen, dass ihre Kinder in Sicherheit sind – aber auch, dass sie auf der Fahrt nicht unzufrieden mitfahren. Fällt der Teddy oder der Nuckel in den Fußraum oder rufen sie nach Essen oder Trinken, sollten Eltern darauf verzichten, bei laufender Fahrt vom Fahrersitz einzugreifen.

4. Nicht nur am Steuer ist Ablenkung gefährlich:

Stumpen von der Hochschule der Polizei spricht auch die "Smombies" an: Menschen, die scheinbar mit ihrem Smartphone verwachsen mit gesenktem Blick durch Innenstädte und U-Bahnhöfe laufen oder sich mit lauter Musik über Kopfhörer beschallen. "Immer wieder gibt es betrübliche und dramatische Vorgänge, wo Menschen mit Musik in den Ohren und Blick aufs Handy vor die Straßenbahn laufen." Raabe-Goldermann mahnt, jeder glaube immer, er habe das Geschehen dennoch im Blick, vergesse aber, dass andere Verkehrsteilnehmer genauso nachlässig unterwegs seien. "Man muss immer auch mit der Ablenkung der anderen rechnen", sagt sie.

5. Verstöße werden verstärkt kontrolliert - und sind teuer:

Seit Herbst vorigen Jahres müssen Handysünder am Steuer deutlich mehr Bußgeld berappen: Statt 60 Euro und einem Punkt belasten 100 Euro und ein Punkt die Geldbörse und das Verkehrskonto in Flensburg. Auch Radfahrer sind nicht von Strafe frei: Sie müssen statt 25 Euro inzwischen 55 Euro hinblättern. Allerdings wird die Strafe nur fällig, wenn die Polizei auch aktiv Verstöße kontrolliert und ahndet. Zumindest in Sachsen-Anhalt ist das der Fall: Wurden im Jahr 2015 noch knapp 5200 Fälle sanktioniert, waren es voriges Jahr bereits 6000. Tendenz steigend: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es schon fast 4300. Die Verstöße erfasst jedes Land separat.

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