Brutale Bandenkriege in Brasilien : 57 Tote in Gefängnis: Häftlinge spielen Fußball mit abgetrennten Köpfen

Die Zahl der Toten bei Bandenkämpfen in einem Gefängnis im Norden Brasiliens ist auf mindestens 57 gestiegen.
Die Zahl der Toten bei Bandenkämpfen in einem Gefängnis im Norden Brasiliens ist auf mindestens 57 gestiegen.

Stundenlang herrschte absolutes Chaos in einem brasilianischen Gefängnis.

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30. Juli 2019, 06:51 Uhr

Rio de Janeiro | Heftige Kämpfe zwischen verfeindeten Banden in einem Gefängnis in Brasilien haben zum Tod Dutzender Häftlinge geführt. Bei den Auseinandersetzungen in der Haftanstalt von Altamira im Bundesstaat Pará im Norden des Landes seien 57 Menschen getötet worden, teilte die regionale Strafvollzugsbehörde am Montag mit. 16 Opfer seien enthauptet worden.

Die Kämpfe waren ausgebrochen, nachdem Mitglieder einer kriminellen Organisation in den Zellentrakt einer rivalisierenden Bande eingedrungen waren. Die Angreifer blockierten demnach den Ausgang eines Raumes und legten Feuer. 41 Menschen erstickten.

Auf diesem von der brasilianischen Strafvollzugbehörde zur Verfügung gestellten Archiv-Bild ist die Haftanstalt von Altamira im Bundesstaat Para zu sehen. Foto: dpa/SUPISE
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Auf diesem von der brasilianischen Strafvollzugbehörde zur Verfügung gestellten Archiv-Bild ist die Haftanstalt von Altamira im Bundesstaat Para zu sehen. Foto: dpa/SUPISE

Grauenhafte Szenen

Ein im Internet kursierendes Video zeigt sechs abgetrennte Köpfe von Häftlingen, die an einer Gefängnismauer liegen. Ein Häftling beginnt dann, einen der Köpfe mit dem Fuß zu treten wie einen Fußball. Auf einem anderen Video waren verkohlte Leichen auf einem Gefängnisdach sowie mit Macheten bewaffnete Häftlinge zu sehen.

"Es handelt sich um einen Krieg zwischen den Banden", sagte der Leiter der Strafvollzugsbehörde, Jarbas Vasconcelos. Mitglieder des Verbrechersyndikats Comando Vermelho (Rotes Kommando) seien von Anhängern der regionalen Bande Comando Classe A angegriffen worden. Diese Gang hatte sich zuletzt mit dem Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt) verbündet, das mit dem Comando Vermelho um die Kontrolle der Gefängnisse in Brasilien ringt.

Wächter als Geiseln

Zunächst nahmen die Häftlinge auch zwei Strafvollzugsbeamte als Geiseln. Nach Verhandlungen mit der Polizei wurden die Wächter später allerdings freigelassen. "Das war eine gezielte Aktion. Die Häftlinge ließen die Beamten schnell wieder gehen, um zu zeigen, dass sie eine Rechnung mit der anderen Gang begleichen und nicht eine Rebellion gegen den Strafvollzug anzetteln wollten", sagte Vasconcelos. Nach der Tat ordnete das Amt für öffentliche Sicherheit die Verlegung von 46 mutmaßlich in den Angriff verwickelten Häftlingen in Bundesgefängnisse an.

Häftlinge kontrollieren Gefängnisse

Viele Strafanstalten in Brasilien werden von Gangs kontrolliert. Immer wieder kommt es auch hinter Gittern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Zahlreiche inhaftierte Gangbosse steuern die Geschäfte ihrer kriminellen Organisationen aus dem Gefängnis heraus. Erst im Mai wurden bei Kämpfen in einer Haftanstalt im Bundesstaat Amazonas 55 Menschen getötet.

Die Gefängnisse des größten Landes in Südamerika sind extrem überbelegt. Derzeit sitzen rund 708.000 Häftlinge in den Haftanstalten mit einer Gesamtkapazität für nur etwa 416.000 Insassen. Brasilien ist nach den USA und China das Land mit der höchsten Zahl an Gefangenen weltweit.

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