Radioaktiv belastetes Gebiet : Brände um Tschernobyl: Brandgeruch in Kiew – Hilfe aus Deutschland

Am Horizont steigen Rauchschwaden von einem Waldbrand in der radioaktiv belasteten Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl auf.
Am Horizont steigen Rauchschwaden von einem Waldbrand in der radioaktiv belasteten Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl auf.

Mit Militärtechnik, Hubschraubern und nun auch mit deutscher Hilfe kämpft die Ukraine gegen die Flammen.

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19. April 2020, 14:07 Uhr

Tschernobyl/Kiew | Für die seit zwei Wochen andauernden Löscharbeiten im radioaktiv belasteten Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl gibt es nun deutsche Unterstützung. „Die schnelle Hilfe umfasst 80 Dosimeter zur Messung der Radioaktivität und rund 15 Kilometer Feuerwehrschläuche", teilte die deutsche Botschaft in Kiew mit. Zudem werde ein für Wald- und Vegetationsbrände ausgestattetes Tanklöschfahrzeug angeschafft. Insgesamt habe die Hilfe einen Wert von 230.000 Euro, hieß es.

Keine erhöhte Radioaktivität gemessen

In der Region gibt es weiterhin mindestens sechs Schwelbrände, wie der ukrainische Katastrophenschutz am Sonntag mitteilte. Ein Übergreifen der Flammen auf die Atomruine und die Lagerstätten mit den radioaktiven Abfällen sei verhindert worden. Die Behörden betonen seit Tagen, dass es keine erhöhte Radioaktivität in bewohnten Gebieten gebe. Die Lage sei unter Kontrolle. Auch die Behörden beim Nachbarn Belarus (Weißrussland) und in Russland hatten nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine erhöhte Strahlenbelastung.

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dpa/Yaroslav Yemelianenko/AP

Mehr als 700 Feuerwehrleute löschten die Brände auch mit Hilfe von Hubschraubern. Mit schwerer Militärtechnik legten Einsatzkräfte Brandschneisen an. "Um die tapferen Feuerwehrleute in ihrem Kampf zu unterstützen und abzusichern, haben wir schnell reagiert", sagte die deutsche Botschafterin Anka Feldhusen in Kiew zur deutschen Hilfe für den ukrainischen Katastrophenschutz. Behörden hatten nach Satellitenbildern die abgebrannte Fläche auf rund 11.500 Hektar geschätzt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht vom mehr als Vierfachen aus.

Menschen evakuiert

Im benachbarten Gebiet Schytomyr hatten an der Grenze zur Ex-Sowjetrepublik Belarus am Donnerstag ausgebrochene Waldbrände auf Dörfer übergegriffen und rund 40 Wohnhäuser zerstört. Etwa 50 Menschen mussten nach Angaben des Gebiets-Gouverneurs Vitali Bunetschko in Sicherheit gebracht werden.

Rauchschwaden in Kiew.
dpa/Sputnik
Rauchschwaden in Kiew.

In der knapp 70 Kilometer vom Sperrgebiet entfernten Hauptstadt Kiew hielt sich am Samstag dichter Smog und am Sonntag noch Brandgeruch. Die Dreimillionenstadt verzeichnet nach Behördenangaben keine erhöhte Radioaktivität. Die vom Bürgermeister und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko geführte Stadt forderte die Bürger auf, die Fenster geschlossen zu halten. Die Messergebnisse für Luftschadstoffe – etwa Schwefeldioxid – lagen über den Grenzwerten.

Brandstiftung in Sperrzone

In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone. Als Ursache gilt oft Brandstiftung. Zuletzt gab es deshalb auch zwei Festnahmen.

Nach der Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es handelte sich um die größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet für geführte Touristen zugänglich.

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