Blick aus dem All : Feuer im Amazonas: Wo es noch brennt auf der Welt

Seit Wochen wüten tausende Feuer im Amazonasgebiet und zerstören Brasiliens grüne Lunge.
Seit Wochen wüten tausende Feuer im Amazonasgebiet und zerstören Brasiliens grüne Lunge.

Daten der Nasa zeigen: Es brennt an vielen Orten der Welt – an manchen noch stärker als in Südamerika.

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27. August 2019, 15:35 Uhr

Altamira | Die "grüne Lunge" unseres Planeten, sie steht in Flammen: Derzeit wüten tausende Waldbrände im Amazonasgebiet. Die Bilder aus der Region sind erschreckend, noch ist völlig unklar, wann die Brände gelöscht werden können – und wie viel Schaden sie anrichten werden.

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Die brasilianische Regierung will nun einen genaueren Blick auf die möglichen Auslöser der Waldbrände werfen. Die Polizei ermittelt inzwischen gegen die Organisatoren des sogenannten "Tag des Feuers". Die Zeitschrift "Globo Rural" hatte berichtet, dass sich über 70 Personen in einer Whatsapp-Gruppe dazu verabredet hatten, große Flächen entlang einer Landstraße im Amazonas in Brand zu stecken.

Wer steckt hinter den Bränden?

Ziel der koordinierten Aktion sei es gewesen, den rechten Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hieß es in dem Bericht. Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über.

Normalerweise ist der Regenwald so feucht, dass großflächige Feuer verhindert werden können. Nicht so in diesem Jahr. Foto: afp/Lula Sampaio
afp/Lula Sampaio
Normalerweise ist der Regenwald so feucht, dass großflächige Feuer verhindert werden können. Nicht so in diesem Jahr. Foto: afp/Lula Sampaio


Eine Karte der Weltraumorganisation Nasa, die durch die Auswertung von Satellitendaten entsteht, zeigt an, wo auf der Welt in den vergangenen 24 Stunden ein Brandherd verzeichnet wurde. Blickt man auf die vielen nicht maßstabsgetreuen, roten Punkte, fällt nicht nur die große Anzahl von Bränden im Amazonas auf. Auch in Afrika häufen sich die registrierten Feuer. Der Feuerökologe Johann Georg Goldammer ordnete diese Brände gegenüber dem ZDF als typisch für den August und die Gegend ein. In Afrika würden weltweit die meisten Natur- und Kulturlandschaften von Feuern betroffen sein. Zum größten Teil handele es sich sowohl um Wildfeuer als auch um gezielt gelegte Brände in Savannen und Weidegebieten, so Goldammer.

Screenshot Nasa/FIRMS
Screenshot Nasa/FIRMS


Gerade in den Savannenregionen sind Feuer aber auch wichtig für das Funktionieren des Ökosystems. "Ohne Feuer würden die Savannen verwildern, die Tiere könnten sich weniger leicht bewegen und finden auch kein Futter mehr", so Goldammer laut dem ZDF.  

Wo es brennt - ein Lagebericht

INDONESIEN: Dort sind bei Bränden seit Beginn des Jahres bereits mehr als 410.000 Hektar Wald vernichtet worden – eine Fläche größer als Deutschland. Betroffen sind vor allem die beiden riesigen Inseln Borneo und Sumatra. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde vom Dienstag sind aktuell mehr als 8000 Helfer im Einsatz, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Behörde sprach von mehr als 350 verschiedenen Brandherden.

Solche großen Feuer sind im Dschungel des weltgrößten Inselstaates nicht ungewöhnlich, vor allem in der gegenwärtigen Trockenzeit. Sie sind aber schlimmer als in den beiden Vorjahren. Immer wieder kommt es vor, dass Feuer absichtlich gelegt wird, um den Wald abzuholzen – von Farmern oder von Arbeitern im Auftrag von Firmen.

AFRIKA: "Afrika ist einer der größten Brandherde der Welt – wenn nicht sogar der größte; Feuer in Afrika sind aber grundverschieden von denen im Amazonas", sagt der südafrikanische Wissenschaftler Harold Annegarn. Gezielt würden jedes Jahr ganze Landstriche vom Norden bis zum Süden des Kontinents abgebrannt, weil abgestorbene Gräser und Sträucher nur sehr langsam verrotten. Deren Asche gilt jedoch als Dünger. Der international gefragte Experte für Luftverschmutzung betont: "Die jährlichen Savannen-Brände in Afrika sind Teil des Ökosystems, das stellt nicht gleich eine Katastrophe dar." In Wellen würden die Feuer von Westafrika über den Kongo und Angola bis in den Süden wandern.

RUSSLAND: In Sibirien im Osten Russlands brennen seit Wochen Millionen Hektar Wald. Betroffen ist auch die für das Weltklima wichtige Taiga, ein riesiger Nadelwald. Dort gibt es in den Sommermonaten immer wieder Feuer, sie sind diesmal aber heftiger ausgefallen als in den Vorjahren. Die russischen Umweltschützer von Greenpeace errechneten auf Grundlage von staatlichen Satellitendaten, dass bereits mehr als 14 Millionen Hektar Wald vom Feuer vernichtet wurden. Die Behörden gingen zuletzt von einem geringeren Ausmaß aus. Das Militär hilft beim Löschen.

Bedingt durch Regen und die Löscheinsätze aus der Luft gingen die Brände zuletzt zurück. Nicht gelöscht wird auf Flächen, die als schwer zugänglich eingestuft wurden und wo keine Siedlungen in der Nähe sind. Es gibt Ermittlungen wegen Brandstiftung. Hitze und Trockenheit haben zur Ausbreitung geführt. Viele Russen machen auch Lagerfeuer, die dann außer Kontrolle geraten. Infolge der Brände hatten etliche Dörfer und Städte mit gefährlichem Rauch zu kämpfen. Bewohner kritisierten die Behörden, sie hätten viel zu spät mit den Löscharbeiten begonnen. (dpa)

 

Mit einem Feuer reguliert sich die Natur sozusagen selbst. Forscher warnen davor, dass Landwirte immer häufiger Feuer verhindern würden, um noch mehr Flächen zur Verfügung zu haben. So würde zum Beispiel Grasland, das zuvor regelmäßig abgebrannt sei, inzwischen als Ackerland genutzt. Brandschutz würde in diesen Fällen dafür sorgen, dass natürliche Entwicklungen zum Erhalt des Ökosystems unterbunden werden.


Bei den Bränden im Amazonasgebiet sieht das jedoch ganz anders aus. Bei den meisten Bränden in Brasilien handelt es sich nach Expertenmeinung um ein gezieltes Abfackeln des Geländes. "In den Tropen, nicht nur im Amazonas-Gebiet, wird das Feuer zur Bewirtschaftung des Bodens eingesetzt", sagt Jeffrey Chambers vom US-Forschungsinstitut Lawrence Berkeley (LBNL) ggenüber der Nachrichtenagentur AFP. "So werden landwirtschaftliche Abfälle entsorgt." Zu den Abfällen zählen auch Geäst und Gestrüpp, die nach dem Abholzen von Waldbeständen übrigbleiben.

Schaden für die CO2-Bilanz

"Diese Brände dringen meistens nicht in die Wälder ein", erläutert Chambers. "Ein Tropenwald ist normalerweise nicht brennbar." Im Amazonasgebiet hat es sich seit Menschengedenken eingespielt, dass die Baumstämme nach dem Roden des Waldes abtransportiert werden. In der Trockenzeit zwischen Juli und November wird das gerodete Gelände dann abgebrannt. Das gilt auch für die bereits bestehenden landwirtschaftlichen Flächen, auf denen das Abfackeln zugleich der Unkrautvernichtung dient.

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Unstrittig ist, dass die zahlreichen Brände in Brasilien die CO2-Bilanz enorm verschlechtern. Die Nichtregierungsorganisation The Nature Conservancy rechnet damit, dass jeder Hektar Amazonas-Wald 459 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid bindet. Wird der Wald gerodet und das Holz genutzt, gelangt das Kohlendioxid je nach Nutzungsart früher oder später wieder in den Kreislauf der Natur. Die eindeutig ungünstigste Nutzungsart ist das Brandroden, weil das CO2 dann unmittelbar freigesetzt wird. In Brasilien sind das in wenigen Monaten leicht mehrere hundert Millionen Tonnen.

Umweltschützer werfen dem rechten Präsidenten Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

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