Sachsen : Blutbad in Schafherde: Wölfe reißen mindestens 40 Tiere

Es sind erschütternde Bilder, die sich Augenzeugen bieten. Foto: dpa/Benno Bilk
Es sind erschütternde Bilder, die sich Augenzeugen bieten. Foto: dpa/Benno Bilk

Schrecken in Sachsen: Wölfe haben nahe einem kleinen Ort eine Schafherde angegriffen.

svz.de von
09. Oktober 2018, 20:31 Uhr

Förstgen | Wölfe haben nahe der ostsächsischen Ortschaft Förstgen eine Schafherde angegriffen und mehrere Dutzend Tiere getötet. Die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, zu der die Herde aus Moorschnucken gehörte, bezifferte die Verluste am Dienstag auf rund 40 Tiere. Darunter seien auch sechs Burenziegen. Bis zum Nachmittag konnten 60 Schafe wieder eingefangen werden, etwa 50 wurden noch vermisst. "Wir hoffen, sie bis Sonnenuntergang einzufangen. Andernfalls besteht kaum noch Hoffnung, sie lebend wiederzufinden", sagte Stationsleiterin Annett Hertweck.

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Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks hatten Anwohner am Morgen auf der Straße zwischen Förstgen und Tauer herumirrende Schafe gesehen und die Naturschützer informiert. An den Kadavern wurden demnach Wölfe gesichtet. Es sei schlimm gewesen, die ausgeweideten Tiere zu sehen, sagte Hertweck. "Natürlich entwickelt man zu den Tieren eine emotionale Bindung, zumal sie uns auch nicht als Fleischlieferanten dienten." Die Herde war demnach im Dezember 2017 schon einmal Ziel einer Wolfsattacke. Acht Tiere wurden damals gerissen, von 29 weiteren fand man nie wieder eine Spur.

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Nicht der erste brutale Angriff

Die Moorschnucken, eine sehr kleine Landschafsrasse, werden im Unesco-Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zur Landschaftspflege eingesetzt. Sie gelten als widerstandsfähig gegen Krankheiten und Nässe.

Hertweck ging davon aus, dass die große Zahl getöteter Tiere die Debatte über die anwachsende Wolfspopulation neu entfachen wird. "Wir sind als Naturschutzstation natürlich nicht gegen den Wolf. Allerdings brauchen wir eine nüchterne, realistische Sicht auf die damit einhergehenden Probleme. Ich hoffe, dass der Fall zu einem Umdenken führen wird."

Außer dem Autoverkehr und Wilderern haben Wölfe in Deutschland wenig zu fürchten. Sie sind streng geschützt und dürfen bislang nicht gejagt werden. Foto: Imago/Reiner Bernhardt
Imago/Reiner Bernhardt
Außer dem Autoverkehr und Wilderern haben Wölfe in Deutschland wenig zu fürchten. Sie sind streng geschützt und dürfen bislang nicht gejagt werden. Foto: Imago/Reiner Bernhardt

Nach Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gibt es derzeit 55 Wolfsrudel bundesweit, mit 17 die meisten davon in Sachsen. In vielen Regionen Deutschlands kommt es immer wieder zu Wolfsattacken auf Nutztiere, selten aber in so großem Ausmaß. Ende April hatte ein Wolf für Schlagzeilen gesorgt, der in Bad Wildbad im Schwarzwald mehr als 40 Schafe in einer Nacht gerissen hatte. In Mecklenburg-Vorpommern wurden erst am Sonntag 11 Schafe getötet, im August gab es eine Wolfsattacke nahe Rostock mit 15 gerissenen Schafen.

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