Haftbefehl aus Belgien : "Bataclan"-Anschlag in Paris: Terrorverdächtiger in Deutschland festgenommen

Einer der Tatorte am 13. November 2015 war der Konzertsaal 'Bataclan' in Paris.
Einer der Tatorte am 13. November 2015 war der Konzertsaal "Bataclan" in Paris.

Im November 2015 erschütterten schwere Anschläge Paris. Mehr als 100 Menschen wurden getötet.

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27. Juni 2019, 10:36 Uhr

Dresden | Gut dreieinhalb Jahre nach den IS-Terroranschlägen auf die Konzerthalle "Bataclan" und andere Ziele in Paris ist ein Verdächtiger in Sachsen-Anhalt festgenommen worden. Spezialkommandos der Polizei fassten den 39 Jahre alten Bosnier bereits in der vergangenen Woche in Bad Dürrenberg. Der Mann hielt sich in der Wohnung einer Bekannten auf, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag sagte. Ob er auf der Durchreise war oder länger dort lebte, blieb zunächst offen.

Der Mann wurde mit europäischem Haftbefehl aus Belgien gesucht, wie die Dresdner Staatsanwaltschaft mitteilte. Als Vorwurf sei darin nur Terrorismus genannt, hieß es von der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg. Welche Art der Beteiligung dem Verdächtigen genau vorgeworfen wird, blieb zunächst unklar.

Angriffe bei Musikkonzert und anderen Stellen in Paris

Bei den Terroranschlägen auf das "Bataclan" und weitere Ziele waren 130 Menschen gestorben. In der Konzerthalle richteten Terroristen des sogenannten Islamischen Staats (IS) am 13. November 2015 ein Massaker an. Zudem wurden Bars und Restaurants beschossen, am Stade de France sprengten sich Selbstmordattentäter in die Luft.

Mehr als 100 Menschen wurden im November 2015 bei den Anschlägen in Paris getötet. Foto: dpa/Ian Langsdon
Mehr als 100 Menschen wurden im November 2015 bei den Anschlägen in Paris getötet. Foto: dpa/Ian Langsdon

Der jetzt verhaftete 39-Jährige sitzt in der Justizvollzugsanstalt Halle in Sachsen-Anhalt, wie ein Sprecher des Oberlandesgerichts Naumburg sagte. Das Gericht werde das Auslieferungsverfahren beschleunigt vorantreiben. In den nächsten Wochen soll der 39-Jährige nach Brüssel ausgeliefert werden.

Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Der Bosnier geriet ursprünglich im Februar ins Visier der Ermittler in Dresden. Sie haben den Verdacht, dass er an Waffengeschäften beteiligt war. Hintergrund ist ein Fund des Zolls am Dresdner Hauptbahnhof. In einem Geländewagen versteckt wurden 18 scharfe Handgranaten entdeckt. Zwei 17 und 28 Jahre alte Männer aus Bosnien-Herzegowina sitzen seither wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Untersuchungshaft.

Die Beamten weiteten ihre Ermittlungen auf den 39 Jahre alten Landsmann des Duos aus und stießen dabei auch auf den internationalen Haftbefehl, hieß es aus Dresden. Den Namen des Verdächtigen gab die Staatsanwaltschaft mit Adis A. an. Ob auch die internationale Suche wegen der Beteiligung am Terroranschlag mit Waffen zu tun hat, konnte zunächst kein Behördensprecher sagen.

Auslieferungsverfahren erwartet

Bei der nächtlichen Festnahme durch Spezialisten der Eliteeinheit GSG 9 und des sachsen-anhaltischen Spezialeinsatzkommandos wurde auch die Wohnung durchsucht. Kriegswaffen oder andere verbotene Gegenstände wurden bei dem Beschuldigten nicht gefunden, wie ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft sagte. Die Ermittlungen dazu liefen aber weiter.

Der Verdächtigte wurde für einen Haftbefehl zunächst einem Richter des Amtsgerichts Merseburg vorgeführt. Das Oberlandesgericht bestätigte den Haftbefehl vor wenigen Tagen. Die sachsen-anhaltischen Behörden sind für das Auslieferungsverfahren zuständig.

Weiterlesen: Was wissen wir über die Anschläge in Paris?

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