Ermittlungen wegen Mordversuchs : Leipziger Polizist nach Pyroattacke notoperiert – Politikerdisput auf Twitter

In Leipzig wurden Polizisten angegriffen.
In Leipzig wurden Polizisten angegriffen.

In dem linksalternativen Stadtteil kommt es häufiger zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

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01. Januar 2020, 11:53 Uhr

Leipzig | Nach einem Angriff auf einen Polizisten in der Leipziger Silvesternacht ermittelt das sächsische Landeskriminalamt wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die konkreten Tatumstände und die Verletzungen, die der Beamte erlitten habe, hätten die Staatsanwaltschaft dazu veranlasst, sagte ein LKA-Sprecher am Mittwoch. Zuerst war wegen versuchten Totschlags ermittelt worden. Neun Menschen sind in Polizeigewahrsam.

Politiker von CDU, SPD und AfD übten in sozialen Medien zum Teil heftige Kritik an Angehörigen der Linkspartei. Diese hatten der Polizei vorgeworfen, sie habe die Feiernden in dem linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz provoziert.

Steine, Flaschen und Pyrotechnik auf Beamte geworfen

Der 38 Jahre alte Polizist wurde nach Angaben der Polizei bei den Ausschreitungen in dem Viertel Connewitz schwer von Pyrotechnik verletzt. Mehrere Menschen hätten Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf Einsatzkräfte geworfen. Dem Polizisten sei der Helm vom Kopf gerissen worden, bevor er attackiert wurde, hieß es aus Polizeikreisen.


Der 38-Jährige verlor das Bewusstsein. Er musste nach Angaben der Polizei im Krankenhaus notoperiert werden. "Hier wurde jemand gezielt angegriffen und schwer verletzt", sagte der LKA-Sprecher. Der Täter sei bislang unbekannt. Die Soko LinX des Polizeilichen Extremismus- und Terrorismus-Abwehrzentrum (PTAZ) Sachsen des LKA nahm die Ermittlungen auf.

Randalierer sollen versucht haben, einen brennenden Einkaufswagen in eine Polizeieinheit zu schieben. Foto: dpa/Sebastian Willnow
dpa/Sebastian Willnow
Randalierer sollen versucht haben, einen brennenden Einkaufswagen in eine Polizeieinheit zu schieben. Foto: dpa/Sebastian Willnow


Linken-Politikerin prangert "Polizeigewalt" an

Die sächsische Linke-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel schrieb in den frühen Morgenstunden im Kurznachrichtendienst Twitter: "Uff. Cops raus aus #Connewitz gewinnt nach diesem Jahreswechsel ne neue Bedeutung. Ekelhafte Polizeigewalt, überrennen unbeteiligter, wirre Einsatzmanöver, kalkulierte Provokation."


Der AfD-Innenpolitiker Martin Hess warf Nagel vor, sie rechtfertige "die linke Gewalt auch noch". Er schrieb: "Wer so über die Staatsgewalt hetzt, lehnt unseren Rechtsstaat ab und darf sich im demokratischen Gemeinwesen nicht politisch betätigen."

Widerworte gegen Chef der Linksjugend

Michael Neuhaus, Bundessprecher der Jugendorganisation der Linken, kommentierte das Geschehen der Nacht mit den Worten: "Mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass in #Connewitz von vornherein ein Exempel statuiert werden sollte. Was ist das eigentlich für ein Staat, der aus politischen Profilierungsgründen in der Silvester Nacht gegen Feiernde vorgeht?"

Nach Kritik an seinen Äußerungen – unter anderem vom SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs – stellte Neuhaus später auf Twitter klar: "Ich finde es erschreckend, wenn ein Mensch schwer verletzt wird."


Der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer schrieb: "Das waren keine "Feiernden"! Dieses Märchen kann @MichaNeuhaus (Bundessprecher @lijusolid) vielleicht seinen linksradikalen Parteifreunden erzählen."



Innenminister: "Bewusste Angriffe auf Menschenleben"

Drei weitere Beamte erlitten in der Nacht in Connewitz leichte Verletzungen. Die Polizei nahm zwölf Menschen fest, drei von ihnen wurden in der Nacht wieder entlassen. Zwei Frauen und sieben Männer wird unter anderem versuchte gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen. In dem Stadtteil kommt es häufiger zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) erklärte: "Die Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten in Connewitz waren bewusste und gezielte Angriffe auf Menschenleben. Zweck der provozierten Auseinandersetzung ist offensichtlich ausschließlich Gewalt."

CDU-Verband: "Es gab genug Gewalt"

Der CDU-Kreisverband in Leipzig fordert Konsequenzen von Oberbürgermeister Burkhard Jung. "Es gab in den vergangenen Wochen genug Gewalt. Lange genug haben OB Jung und seine Koalition der Verharmlosung nichts gegen diese demokratiefeindlichen Strukturen unternommen. [...] Wir fordern Konsequenzen aus diesen Ereignissen", erklärte der Kreisvorsitzende Thomas Feist laut einer Mitteilung. Jung habe es zugelassen, dass Leipzig zu einem Hotspot der Linksextremen geworden sei.

Seehofer und Polizeigewerkschaft verurteilen Angriffe auf Polizisten

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sowie die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) haben den Angriff mutmaßlich linksextremistischer Täter auf einen Polizisten in Leipzig während der Silvesternacht scharf verurteilt. "Diese Tat zeigt: Menschenverachtende Gewalt geht auch von Linksextremisten aus", teilte Seehofer am Donnerstag mit. Ein starker Staat sei nur mit starken Polizei- und Einsatzkräften möglich. "Wir müssen geschlossen hinter unseren Polizeibeamten stehen, die sich jeden Tag aufs Neue für unsere Sicherheit einsetzen."

Rainer Wendt, DpolG-Vorsitzender, fühlt sich an die Anfänge der RAF vor rund 50 Jahren erinnert: "Diese Attacken offenbaren klar die Handschrift linksextremer Kreise und erinnern in Zielsetzung und Ausführung fatal an die Ausbildung linksterroristischer Strukturen in den 70er Jahren", teilte er mit. Cathleen Martin, Landesvorsitzende in Sachsen, sieht die Stadt Leipzig und den Freistaat in der Pflicht, stärker gegen linksextremistische Gewalttäter vorzugehen.

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