Solidarität mit George Floyd : Aufbegehren gegen Rassismus rund um die Welt

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist bei einem Protest gegen Rassismus nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd aus Solidarität auf die Knie gegangen.
Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist bei einem Protest gegen Rassismus nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd aus Solidarität auf die Knie gegangen.

Der brutale Tod des Afroamerikaners George Floyd hat viele Menschen berührt. Weltweit protestieren sie gegen Rassismus.

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06. Juni 2020, 19:36 Uhr

Sydney/Paris/London | Trotz Corona-Pandemie haben am Samstag weltweit zahlreiche Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. In Australien gingen landesweit Zehntausende auf die Straßen, obwohl die Regierung wegen einer möglichen Coronavirus-Ansteckungsgefahr davon abgeraten hatte. Allein in Sydney versammelten sich mindestens 20.000 Menschen. Auch in Großbritannien kamen tausende Demonstranten zusammen, obwohl die Behörden dazu aufgerufen hatten, nicht zu der Kundgebung in London zu gehen.


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Demonstranten in Sydney.
Rick Rycroft/dpa
Demonstranten in Sydney.


London: "Rassismus niederbrennen"

"Es ist an der Zeit, den institutionellen Rassismus niederzubrennen", verkündete eine Demonstrantin mit einem Megafon vor den tausenden Menschen, die sich vor dem Londoner Parlamentsgebäude versammelt hatten. "So kümmern wir uns umeinander", fügte sie hinzu, nachdem sie alle aufgefordert hatte, einen Mundschutz aufzusetzen. "So bleiben wir am Leben."

Eine Demonstrantin ruft Parolen durch ein Megafon in London.
dpa/Frank Augstein
Eine Demonstrantin ruft Parolen durch ein Megafon in London.


Sorge vor weiteren Ansteckungen

"Ich verstehe, warum die Menschen zutiefst bestürzt sind, aber wir haben es immer noch mit einer Gesundheitskrise zu tun, und das Coronavirus bleibt eine reale Bedrohung", hatte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Freitag gesagt. Er rief dazu auf, sich angesichts der Sicherheitsbedenken nicht mit mehr als sechs Menschen zu versammeln. Für Sonntag ist zudem eine Demonstration vor der Londoner US-Botschaft geplant.

In Sydney wurde die Kundgebung erst kurz vor Beginn durch einen Gerichtsbeschluss genehmigt – die Behörden hatten sie ursprünglich untersagt. Regierungschef Scott Morrison hatte ebenfalls von der Teilnahme an Demonstrationen abgeraten und dazu aufgerufen, "einen besseren Weg zu finden".

Viele der in schwarz gekleideten Demonstranten hielten Protestschilder hoch und trugen Atemschutzmasken mit der Aufschrift "Ich kann nicht atmen" – in Anlehnung an die letzten Worte des Afroamerikaners George Floyd, der Ende Mai infolge eines gewaltsamen Polizeieinsatzes in der US-Metropole Minneapolis gestorben war. Die australischen Demonstranten prangerten zudem eine hohe Inhaftierungsrate unter Mitgliedern der Aborigine-Gemeinschaft an sowie zahlreiche Todesfälle von inhaftierten Aborigines - mehr als 400 in den vergangenen 30 Jahren.

Auch in vielen weiteren Ländern solidarisierten sich die Menschen mit der Bewegung, in Deutschland nahmen zehntausende Menschen an Demonstrationen in vielen Städten teil.

Proteste in Frankreich eigentlich verboten

In Frankreich verboten die Behörden mehrere für Samstag angekündigte Demonstrationen gegen Polizeigewalt in Paris unter Verweis auf das Infektionsschutzgesetz. Wegen der Corona-Pandemie wurden alle Demonstrationen mit mehr als zehn Personen laut Polizei untersagt. Dennoch versammelten sich in Paris etwa tausend Menschen vor der US-Botschaft, auch in anderen Städten Frankreichs gab es Demonstrationen.

Die Pariser Polizei hatte wegen der Corona-Pandemie etliche Proteste in Paris verboten.
Francois Mori/dpa
Die Pariser Polizei hatte wegen der Corona-Pandemie etliche Proteste in Paris verboten.


Irak protestiert in den sozialen Netzwerken

Im Irak wurde der Satz "Ich kann nicht atmen" vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt. "Wir wollen Gerechtigkeit! Wir wollen atmen", skandierten hunderte Menschen in der tunesischen Hauptstadt Tunis.

Mit der Aktion wollen die Teilnehmer weltweit ihre Solidarität mit den Protesten in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners Floyd bekunden. Der 46-Jährige war am 25. Mai in Minneapolis bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Ein weißer Polizist drückte Floyd bei seiner Festnahme minutenlang das Knie auf den Nacken, obwohl er wiederholt sagte, er bekomme keine Luft mehr.

Kniefall von Kanadas Premier Trudeau

Kanadas Premierminister Justin Trudeau ist bei einem Protest gegen Rassismus nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd aus Solidarität auf die Knie gegangen. Trudeau war gemeinsam mit Bodyguards, alle mit Masken, zu der Demonstration in der kanadischen Hauptstadt Ottawa erschienen, wie kanadische Medien berichteten.

Der Premierminister hörte demnach einigen Rednern zu, nickte und klatschte. Als bei der Veranstaltung eine Schweigeminute eingelegt wurde, setzte Trudeau wie auch viele Menschen um ihn herum ein Knie auf den Boden und beugte seinen Kopf nach vorne. Durch die Geste wird Solidarität mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeibrutalität gezeigt.

Zehntausende in Washington erwartet

In Washington wurden am Samstag zehntausende Menschen zu Protesten erwartet. Bürgermeisterin Muriel Bowse benannte den Bereich vor dem Weißen Haus in "Black Lives Matter Plaza" um.

Zugleich beziehen sich die Proteste weltweit teils auf ähnliche Fälle von Rassismus oder Polizeigewalt in den jeweiligen Ländern. In Paris hatten bereits am Dienstag tausende Menschen gegen den Tod des Schwarzen Adama Traoré in einer Pariser Vorstadt 2016 demonstriert. Auch er war wie Floyd im Polizeigewahrsam am Boden fixiert worden.

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