Neu im Kino : „Assassination Nation“: Dieser Film will polarisieren

Kollektiver Gewaltexzess: Das Schlussbild aus Sam Levinsons 'Assassination Nation'.
Kollektiver Gewaltexzess: Das Schlussbild aus Sam Levinsons "Assassination Nation".

Was wäre, wenn der Hass der sozialen Medien, auf die Straße schwappt? Sam Levinsons Film „Assassination Nation“ zeigt es.

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13. November 2018, 00:00 Uhr

Berlin | Nachdem ein Hacker die privaten Daten von 17.000 Menschen ins Netz stellt, stürzt eine Kleinstadt in exzessive Gewalt: Davon erzählt Sam Levinsons Horror-Satire, die am Donnerstag, 15. November, in die deutschen Kinos kommt. (Horror, Hogwarts und Sex: Über diese Filme werden wir im November sprechen)

Warnhinweis zum Anfang: "Assassination Nation"

Sam Levinsons „Assassination Nation“ beginnt mit einer ganzen Kaskade von Warnhinweisen: Mobbing, Drogenmissbrauch, toxische Männlichkeit, Homophobie, Schusswaffen, Rassismus. In den Farben der US-Flagge poppen alle wunden Punkte des amerikanischen Alltags auf – als Appetizer auf einen Film, der aus exakt diesen Komponenten eine nationale Zustandsbeschreibung bastelt.

Sam Levinson, Sohn des „Rain Man“-Regisseurs Barry Levinson, stürzt vier Schülerinnen (Suki Waterhouse, Abra, Odessa Young und das Transgender-Model Hari Nef) mitsamt ihrer Kleinstadt in einen blutigen Horrortrip. Ein Hacker legt erst das schwule Doppelleben des homophoben Bürgermeisters offen, denunziert danach den Schulleiter und veröffentlicht dann alle digitalen Geheimnisse der 17.000 Einwohner von Salem, Massachusetts, – vom Porno-Browser-Verlauf bis zum Flirt mit Minderjährigen. In kollektiver Empörung stürzt die Gemeinde sich daraufhin in einen Exzess enthemmter Gewalt.

Assassination Nation: Suki Waterhouse, Abra, Hari Nef, Odessa Young als Rache-Lolitas.
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Assassination Nation: Suki Waterhouse, Abra, Hari Nef, Odessa Young als Rache-Lolitas.

Die Wut aus dem Netz auf die Straße tragen

Im zugespitzten Gedankenexperiment trägt „Assassination Nation“ die aggressive Selbstgerechtigkeit der sozialen Medien auf die Straßen einer Durchschnittsstadt. Das Resultat ist eine Satire, die das karnevalistische Gemetzel der „Purge“-Filme mit der Mobbing-Psychologie kombiniert, von der die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ erzählt. In der Anklage des Zeitgeists rennt der Film offene Türen ein: Die USA, so die These, sind in die Mentalität der Hexenverfolgung zurückgefallen, die im 17. Jahrhundert genau hier, in Salem, einen Höhepunkt erlebte.

Levinsons Argumentation mag nicht allzu subtil sein; wenn man trotzdem dranbleibt, dann wegen einer rauschhaften Ästhetik, die an Harmony Korines „Springbreakers“ (2012) erinnert: Mit intensiven Neonfarben, überhöhender Slowmotion und extremen Kameraperspektiven schafft der Film eine Stimmung der Entgrenzung. Die Absicht zu polarisieren ist dabei in jedem Bild erkennbar. In den weiblichen Heldinnen mischt der Regisseur Lolita-Attitüde und die Girl-Power asiatischer Rache-Thriller. Und in seiner Inszenierung uramerikanischer Klischees – vom Cheerleading bis zur Vorstadt-Idylle – entwirft er das suggestive Bild einer Angstlust-Hölle: Im furiosen Schlussbild paradiert dann der Spielmannszug durch die Leichen einer Bügerkriegslandschaft.

„Assassination Nation“. USA 2018. R: Sam Levinson. D: Suki Waterhouse, Abra, Hari Nef, Odessa Young, Anika Noni Rose, Bill Skarsgård, Bella Thorne. 109 Minuten. FSK: ab 16 Jahren.


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