Weitere Evakuierungen : Angst vor Dammbruch in Nordengland bleibt – neuer Regen setzt ein

Nach dem extremen Wetter wurde ein Teil eines Staudamms am Toddbrook Reservoir nahe Whaley Bridge beschädigt.
Nach dem extremen Wetter wurde ein Teil eines Staudamms am Toddbrook Reservoir nahe Whaley Bridge beschädigt.

Weitere 55 Häuser mussten angesichts der schlechten Wetterprognose noch am Samstagabend evakuiert werden.

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04. August 2019, 08:35 Uhr

Whaley Bridge | Beim Kampf gegen den Dammbruch am beschädigten Toddbrook Reservoir in Nordengland gibt das Wetter den Einsatzkräften eine kleine Chance. Statt der bereits für Sonntag angekündigten schweren Gewitter setzte erst in der Nacht zum Montag leichter Regen ein. In der Zwischenzeit arbeiteten rund 20 Hochleistungspumpen in einem Wettlauf gegen Zeit und Wetter, um den Pegel in dem Reservoir weiter unter eine kritische Marke abzusenken. Bis Sonntagnachmittag war es gelungen, mehr als ein Drittel des Wassers abzupumpen.

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Mehr als 1500 Einwohner des Städtchens Whaley Bridge südöstlich von Manchester waren in den vergangenen Tagen in Sicherheit gebracht worden. Weitere 55 Häuser mussten angesichts der schlechten Wetterprognose noch am Samstagabend evakuiert werden. Alle Betroffenen durften zunächst für kurze Zeit Haustiere, Medikamente und andere persönliche Gegenstände aus den Gebäuden holen. Am Sonntag wurde aber auch dies angesichts der Lebensgefahr verboten.

"Wir haben die Gegend nicht ohne Grund evakuiert"

Dennoch ignorierten nach Angaben der Polizei mindestens 31 Menschen alle Warnungen und hielten sich weiter in ihren Häusern auf. "Wir haben die Gegend nicht ohne Grund evakuiert", wurde die stellvertretende Polizeichefin Rachel Swann zitiert. Wer auch immer in der Zone bleibe, riskiere sein Leben, aber auch das der Rettungsmannschaften.

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Einsatzkräfte versuchten verzweifelt, die Struktur des beschädigten Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert zu stützen und den Wasserstand weiter zu senken. "Die Ingenieure sind sehr beunruhigt", sagte Feuerwehrchef Terry McDermott. In der Grafschaft Derbyshire hatte es in den Tagen zuvor ungewöhnlich stark geregnet. Binnen 48 Stunden gab es so viel Niederschlag wie sonst in eineinhalb Monaten. Für den Fall eines Dammbruchs hatten die Feuerwehren bereits sechs Rettungsboote in dem Gebiet bereitgestellt.

Johnson macht Einwohnern Mut

Premierminister Boris Johnson versuchte, den Einwohnern Mut zu machen. "Notfallhelfer, Ingenieure und Angehörige der Royal Air Force arbeiten rund um die Uhr, um den Damm zu reparieren", sagte er bei seinem Besuch am Freitag. In der Kleinstadt wurden Sorgen laut: "Sollte der Damm brechen, wäre wahrscheinlich der ganze Ort weg", sagte ein Mann der Zeitung "Derbyshire Telegraph".

Polizisten nutzen ihre Chance für ein Selfie mit dem Premier. Foto: AFP/ Yui Mok / POOL
Polizisten nutzen ihre Chance für ein Selfie mit dem Premier. Foto: AFP/ Yui Mok / POOL

Wie viele andere der rund 6500 Einwohner hatten der Mann und seine Frau ihr Haus verlassen müssen - die Behörden hatten unmissverständlich gewarnt, dass Lebensgefahr bestehe. Die Menschen kamen entweder bei Verwandten und Bekannten unter oder wurden in Notunterkünften einquartiert. Unterdessen nahm die Angst vor Plünderungen der leerstehenden Häuser in der Bevölkerung zu.

Pegel muss acht Meter sinken

Der Pegel muss laut Johnson um acht Meter reduziert werden. Der Premier wies die Bevölkerung an, den Anweisungen der Behörden zu folgen. Sollte der Damm brechen, dürfte die Zerstörung immens sein.

Hochleistungspumpen sollen den Pegelstand senken. Foto: imago images / ZUMA Press/Joel Goodman
Hochleistungspumpen sollen den Pegelstand senken. Foto: imago images / ZUMA Press/Joel Goodman

Der Pegelstand des Flusses River Goyt könne schnell steigen, sollte Wasser aus dem Staudamm austreten, teilte die Umweltbehörde mit. Experten befürchteten, dass ein beschädigter Überlauf endgültig einbrechen und "massive Überflutungen" auslösen könne. Immerhin enthalte das um 1830 gebaute Reservoir rund 1,3 Millionen Tonnen Wasser. Die jährliche Inspektion fand nach Angaben der Binnenwasser-Verwaltung im November statt.

Helokopter transportieren Sandsäcke und Einsatzkräfte pumpen Wasser ab. Foto: imago images / ZUMA Press/Joel Goodman
Helokopter transportieren Sandsäcke und Einsatzkräfte pumpen Wasser ab. Foto: imago images / ZUMA Press/Joel Goodman

Zur Hilfe kam den Einsatzkräften bereits vor einigen Tagen die Royal Air Force: Ein "Chinook"-Lasten-Hubschrauber warf große Säcke mit einer Mischung aus Sand, Kies und Schotter ab, um die Mauer des Reservoirs zu stabilisieren und an anderer Stelle Wasserläufe umzuleiten.

"Ich lebe hier schon seit 45 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Dass wir so in Gefahr geraten könnten, habe ich auch nicht gedacht", sagte eine Frau der Nachrichtenagentur PA. Teile des Ortes seien "wie eine Geisterstadt", berichtete ein Einheimischer der BBC. "Das ist hier ziemlich verlassen." Einwohner gingen davon aus, dass im Falle eines Dammbruchs ihr Ort weitgehend zerstört werden würde. Die Wassermassen würden dann direkt durch den Ort fließen, sagte David Holt aus Whaley Bridge dem Sender Sky News.

Viel mehr als zu warten und zu hoffen, blieb den Einwohnern nach der angeordneten Evakuierung allerdings nicht. Die meisten von ihnen waren in Notunterkünften oder bei Verwandten und Freunden untergekommen. Wegen der Gefahrenlage wurden in der Umgebung auch mehrere Straßen sowie Bahnstrecken gesperrt.

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