Ruhender Tourismus in Corona-Krise : Ärztepräsident erwartet massive Einschränkungen für Sommerurlaub

Die Pandemie lässt Urlaubsträume platzen: Der Palma Beach auf Mallorca ist menschenleer.
Die Pandemie lässt Urlaubsträume platzen: Der Palma Beach auf Mallorca ist menschenleer.

Klaus Reinhardt erwartet, dass Pläne für eine Urlaubsreise in den Sommermonaten vermutlich zerschlagen werden müssen.

von
08. April 2020, 13:14 Uhr

Berlin | Der Sommerurlaub wird nach Überzeugung von Ärztepräsident Klaus Reinhardt in Deutschland noch mit massiven Einschränkungen verbunden sein. "Ich glaube nicht, dass die Deutschen in diesem Sommer schon wieder Urlaubsreisen machen können", sagte der Präsident der Bundesärztekammer den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). Selbst bei schrittweiser Rückkehr in den Alltag werde die Pandemie das Land noch bis zum Sommer beschäftigen. "Darum glaube ich, dieser Sommer wird anders. Wir werden wohl nicht wie gewohnt ins Auto, in den Zug oder ins Flugzeug steigen und in die Ferien fahren."

Auch würden in Urlaubsländern wie Italien oder Spanien die Probleme noch nicht soweit gelöst haben, dass Tourismus wieder möglich sei. "Ich hoffe aber sehr, dass wir das in Teilen in den Herbstferien machen können - und erst recht im kommenden Jahr", fügte Reinhardt hinzu.

Hören Sie an dieser Stelle die aktuelle Folge unseres Podcasts "Coronaland":


Aktuell gelten an einigen deutschen Außengrenzen noch Grenzkontrollen. Einreisende müssen sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben, das hatte das Corona-Krisenkabinett am Montag beschlossen. Da außer Berufspendlern, Lastwagenfahrern und anderen speziell definierten Gruppen ohnehin kaum noch Ausländer einreisen dürfen, betrifft diese Regelung in erster Linie Deutsche und Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben.

Mehr zum Thema

Tourismusverband MV für Verschiebung der Sommerferien

Angesichts der massiven Probleme der Reisebranche hat der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern eine einmalige Verschiebung aller Sommerferientermine auf August und September vorgeschlagen. Dann seien vermutlich mehr Räume für Ferien- und Freizeitgestaltung wieder freigegeben als im Juni und Juli, sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Bundesländer, deren Ferienbeginn beispielsweise schon im Juni liegt, könnten sich dadurch von der Flaute der ersten Monate des Jahres 2020 erholen.

Die Tourismusbranche sei überproportional von der Krise betroffen, sagte Woitendorf. "Das Ostergeschäft geht gegen Null." Eine Verschiebung hätte auch den Vorteil für die Schüler in den Bundesländern mit einem frühen Sommerferientermin, dass mehr Zeit zum Erlernen des verbleibenden Schulstoffs bleibe.

Ohne Passierschein keine Einreise nach Frankreich

Frankreich hat derweil einen Passierschein für Einreisen aus dem Ausland eingeführt. Ab Mittwoch müssen Reisende das Dokument ausgefüllt mit sich führen, wenn sie in das französische Kernland oder in die Überseegebiete einreisen wollen, wie das Innenministerium mitteilte.

Das Formular muss demnach bei Grenzkontrollen oder vor dem Boarding eines Flugs in das französische Staatsgebiet vorgelegt werden und den Reisegrund angeben. Die Vorgabe gelte auch für Personen, die wegen ihrer Arbeit über eine europäische Binnengrenze nach Frankreich müssen.

Österreich ruft Bürger zum Heimaturlaub auf

Angesichts der dramatischen Ausfälle im Tourismus hat Österreich seinen Bürgern nahegelegt, im Sommer in der Heimat Urlaub zu machen. Da ausländische Touristen bisher für 75 Prozent der Übernachtungen sorgten, sollten sommerurlaubswillige Österreicher wenigstens etwas Abhilfe schaffen und einen Heimaturlaub andenken, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Mittwoch in Wien. Köstinger betonte, dass sich Österreich, Europa und die Welt auf massive Einschränkungen der Reisefreiheit einstellen müssen. "Niemand kann sagen, wie sich die Situation in Europa und der Welt weiter entwickeln wird."

In Österreich können Hotels und Gaststätten voraussichtlich ab Mitte Mai ihren Betrieb langsam hochfahren, sollten sich die Infektionszahlen in der Corona-Krise weiter so günstig entwickeln wie bisher. Die genauen Schritte würden derzeit ausgearbeitet, so die Ministerin. Alle Gäste und auch das Personal müssten sich aber auf das Einhalten von bestimmten Verhaltensregeln einstellen. Dabei gehe es um das Einhalten von Sitzabständen und eine Schutzmaskenpflicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen