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Bad Säckingen : 84-Jähriger rast in Menschenmenge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Unfälle: Gas und Bremse verwechselt – zwei Tote. Debatte über Senioren am Steuer

svz.de von
erstellt am 09.Mai.2016 | 06:00 Uhr

Es ist ein warmer Sonnabend in Bad Säckingen, die Sonne hat zahlreiche Passanten in die Fußgängerzone gelockt. Die Menschen essen Eis, bummeln durch die Straßen – doch die Idylle in der Kurstadt im Kreis Waldshut wird jäh unterbrochen: Kurz nach 12 Uhr verliert ein 84-Jähriger die Kontrolle über sein Auto und rast in eine Menschenmenge vor einem Straßencafé. Der Mann hatte statt der Bremse das Gaspedal durchgedrückt. 13 Menschen kamen laut Polizei in Krankenhäuser. Auch der 84-Jährige sei in Behandlung. Eine 63-Jährige starb noch an der Unfallstelle, ein Mann erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ungeklärt blieb zunächst, warum der 84-Jährige mit seinem Auto in der Fußgängerzone unterwegs war.

Auch in Dortmund verlor ein 79-Jähriger – aus zunächst ungeklärter Ursache – die Kontrolle über sein Auto. Auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums raste er in zwei parkende Autos. Der Unglücksfahrer, seine 63 Jahre alte Beifahrerin sowie zwei Insassen eines der geparkten Fahrzeuge wurden eingeklemmt und verletzt, wie die Polizei Dortmund am Sonntag mitteilte.

Das Thema Fahrtüchtigkeit im Alter wird in Deutschland immer wieder kontrovers diskutiert. Erst kürzlich hatten Experten Testfahrten für ältere Autofahrer gefordert – gesetzlich verpflichtend und mit geschulten Beobachtern. Solche Überprüfungen seien aufschlussreicher als medizinische Tests - und Handlungsbedarf gebe es, weil die Zahl älterer Fahrer wegen der demografischen Entwicklung stark zunehmen werde, hieß es im Januar von der Unfallforschung der Versicherer.

Das Bundesverkehrsministerium erteilt generellen Fahrtests für ältere Autofahrer allerdings eine Absage. Es gebe keine Überlegungen für Pflichttests für Senioren, sagte ein Sprecher am Wochenende. Auch der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) setzt auf Freiwilligkeit. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sei die Gruppe der Senioren pauschal betrachtet keine unfallauffällige Gruppe. Auch der ADAC verweist auf die Statistik und spricht sich gegen Pflichttests aus. Der Auto Club Europa (ACE) sieht diese ebenfalls kritisch. Trainings seien eine mögliche Lösung, sagte ein ACE-Sprecher.

Allerdings machten auch jüngere Fahrer Fehler. Das zeigte am Wochenende ein weiterer tragischer Unfall: Ein 16-Jähriger übte mit seinen Eltern auf einem Parkplatz im südbadischen Tengen einparken und verwechselte Bremse mit Gaspedal. Das Auto fuhr nach Polizeiangaben über einen Absatz auf eine Wiese und erfasste einen 52-Jährigen, der dort auf einer Bank saß. Der Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Der Junge hatte noch keinen Führerschein.

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