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Deutsche werden immer älter : „75 ist das neue 65“

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Gute Ernährung und viel Bewegung haben einen Einfluss, doch die Gene kann man nicht austricksen

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 12:00 Uhr

Wir leben immer länger – „und nichts deutet darauf hin, dass sich die Entwicklung verlangsamt“, sagt der Demograf. Die 868 356 Menschen, die im vergangenen Jahr in Deutschland starben, waren im Durchschnitt knapp über 78 Jahre alt. Vor zehn Jahren waren die Verstorbenen im Durchschnitt etwas über 76 Jahre alt, weiß das Statistische Bundesamt.

Für Prof. James Vaupel, den Leiter des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, ist das „überhaupt nicht überraschend“. „Wir erreichen hohes Alter in besserer Gesundheit“, sagt Vaupel. „Anders ausgedrückt: Das Alter setzt verzögert ein. 75 ist das neue 65.“

Das Fundament für ein langes Leben werde in der Kindheit gelegt. „Einer der Hauptgründe, warum wir im Alter gesünder sind, ist die Tatsache, dass wir gesünder waren in unseren ersten Jahren: bessere Ernährung, mehr Vorbeugung, bessere Behandlung im Krankheitsfall.“ Im Laufe des Lebens kämen weitere „Besser“-Faktoren dazu, zum Beispiel bessere Bildung. „Gebildetere Menschen passen besser auf sich auf.“ Vieles haben wir selbst in der Hand, sagt Vaupel, Beispiel Rauchen: „Wer raucht, stirbt rund zehn Jahre früher.“ Auch gute Ernährung und viel Bewegung haben einen Einfluss. Theoretisch kann das immer so weiter gehen, behauptet der Demograf.

Prof. Karl Lenhard Rudolph, Direktor des Leibniz-Instituts für Alternsforschung in Jena, ist da anderer Ansicht: „Die Gene kann man nicht austricksen. Ob wir 70 Jahre alt werden oder 100 liegt zum großen Teil an unserem genetischen Make-up“, sagte er kürzlich in einem Interview. „Innerhalb der von ihnen vorgegebenen Grenzen können wir aber über die Art und Weise, wie wir leben, erheblich Einfluss nehmen, gesund zu altern. Wenn ich von meinen Genen her 70 Jahre alt werde, kann ich noch so gesund leben, ich werde keine 100.“

2014 starben – wie schon seit Jahren – die meisten Menschen an einer Herz-/Kreislauferkrankung: 38,9 Prozent. Zweithäufigste Todesursache bleibt Krebs: 25,8 Prozent. Vier Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Ursache zurückzuführen, etwa eine Verletzung oder Vergiftung. 10 000 Menschen beendeten ihr Leben durch Suizid.

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