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Schalttag : 29. Februar: Geister, Gewitter, Ehe-Pech

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Der heutige Tag ist weltweit untrennbar mit Aberglauben verbunden. Doch warum gibt es ihn überhaupt?

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2016 | 18:08 Uhr

Reisen werden verschoben, Termine abgesagt – den mit Freitag, dem 13. verbundenen Aberglauben kennt jeder. Um das Schaltjahr und den 29. Februar ist es ähnlich bestellt. Wer im Internet zu diesem seltensten Datum im Kalender recherchiert, findet allerlei mehr oder weniger abenteuerliche Theorien.

Ein Schaltjahr bringe Unheil – einfach weil es vom „Normalen“ abweiche, heißt es in einem Forum für Hexen von Seiten einer Dame, die dort immerhin dem Ältestenrat angehört. Sie ist nicht allein. Es wird auf verschiedensten Web-Seiten angenommen, dass Schaltjahre dafür verantwortlich sind, wenn alles schief läuft. Wichtige Unternehmungen gelingen in einem Schaltjahr laut Volksglauben nicht. Wer in einem Schaltjahr heiratet, hat demnach in der Ehe kein Glück. Der 29. Februar ist als Hochzeitstermin sehr unbeliebt – was nicht nur an der Tatsache liegt, dass man ihn selten feiern kann. In den meisten Standesämtern sind kaum Termine belegt, in einigen Kleinstädten gibt es heute gar keine Trauungen. Der Aberglaube besagt zudem, dass am 29. Februar Geborene Geister sehen oder von ihnen besessen sind. Auch was man in einem Schaltjahr anpflanzt, gedeiht demnach nicht. Eine deutsche Bauernregel lautet: „Schaltjahr wird Kaltjahr“ – was im konkreten Fall noch zu beweisen wäre. An anderer Stelle im Internet ist von vielen Gewittern die Rede.

29. Februar galt schon bei den Römern als Unglückstag

Doch nicht nur in der Heimat gibt es Befürchtungen anlässlich des Schaltjahrs, denn Aberglaube ist international. Aus Frankreich stammt etwa die Überlieferung, dass Obstbäume nur alle vier Jahre Früchte tragen, wenn man sie zuvor in einem Schaltjahr pfropft (veredelt). Nach einem mexikanischen Aberglauben bringt es Unglück, an einem 29. Februar zu arbeiten. Auch in Griechenland glaubt man, dass Heiraten in einem Schaltjahr Pech bringt. Diese Ehen werden rasch geschieden, heißt es – wenn nicht zuvor einer der Partner verstirbt. Deshalb drängelten sich im vergangenen Dezember täglich die Hochzeitsgesellschaften vor den über Monate ausgebuchten Kirchen.

Nichts gelingt, alles scheitert, sagt ein russischer Aberglaube. Viele Russen gingen 2016 lieber in Deckung, berichtet nicht ganz ohne Ironie die Moskauer Deutsche Zeitung unter der Zeile „Vorsicht, Schaltjahr!“ Nicht nur wer jetzt heirate, habe ein Problem. Auch wer sich in einem Schaltjahr scheiden lasse, werde nicht glücklich. Ein Hausbau sei demnach ebenfalls keine gute Idee: Wer darin wohne, werde krank, und eine neue Sauna brenne mit großer Wahrscheinlichkeit ab. Insgesamt sollte man im Schaltjahr überhaupt nichts ändern, das führe nur zu Enttäuschungen.

Selbst im fernen China gelten Schaltjahre, die dort folgerichtig Drachenjahre heißen und ausgerechnet 13 Monate haben, selbstverständlich als unheilvoll.

Und der Blick in die Geschichte zeigt kein anderes Bild: Bei den Römern etwa galt der 29. Februar als Unglückstag. Als Valentinian I. im Jahre 364 am Tage zuvor zum Kaiser gewählt worden war, nahm er lieber das Risiko auf sich, dass ihm ein Anderer zuvorkam, als am Schalttag sein Amt anzutreten, und wartete eine bange Nacht. Augustinus überliefert, dass die Römer das gesamte Schaltjahr als Unheil bringend betrachteten – und keine Weingärten anlegten.

Doch es gibt gute Nachrichten. Denn wenn ein Schaltjahr mit einem Sonntag beginnt, ergibt sich daraus die in einem Jahr maximal mögliche Zahl von drei Freitagen mit dem Unglücksdatum 13. Und zumindest diesbezüglich sieht es dieses Jahr gut aus – ausschließlich im Mai gibt es solch einen gefährlichen Freitag. 

Warum gibt es eigentlich Schaltjahre?

Der Einschub ist nötig, weil die Erde 365,2422 Tage für einen Lauf um die Sonne braucht. Ohne Schalttag würde sich also das Datum im Kalender jedes Jahr um fast einen viertel Tag gegenüber der Jahreszeit verschieben: Nach etwa 350 Jahren wäre im Dezember Frühlingsanfang.

Schon die Ägypter kannten das Problem. Pharao Ptolemaios III. ordnete 238 vor Christus im Dekret von Kanopus für jedes vierte Jahr einen Schalttag an. Etwa 200 Jahre später übernahm Cäsar das für seinen Julianischen Kalender. Doch auch mit dieser Korrektur war das Kalenderjahr noch elf Minuten und 46 Sekunden länger als ein Sonnenjahr. Nach 128 Jahren summiert sich diese Differenz zu einem ganzen Tag. 1582 passte Papst Gregor XIII. den Kalender der Wirklichkeit an. Er ließ zehn Tage ausfallen, auf den 4. folgte der 15. Oktober. Außerdem strich er im bis heute geltenden Gregorianischen Kalender einige Schaltjahre. Sogenannte Säkularjahre am Jahrhundertanfang, deren Zahl nicht durch 400 teilbar ist, haben darum keinen längeren Februar mehr. So waren 1800 und 1900 also keine Schaltjahre, wohl aber 2000.

Was einst Pharao, Kaiser und Papst regelten, ist in der Bundesrepublik in der DIN-Norm  28601 verankert. Für etwa 55000 Deutsche heißt das amtlich bestätigt: Nur alle vier Jahre gibt es eine Geburtstagsfeier am „echten“ Datum. Ein betroffener Kieler wandte sich deswegen im Schaltjahr 2000 sogar an die Vereinten Nationen. Die von ihm initiierte UN-Petition „zur dauerhaften Einführung des 29. Februar“ blieb aber erfolglos.

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