Unfallursache weiter offen : Busunglück auf Madeira: 15 Überlebende in Köln gelandet

Mit einem Airbus der Luftwaffe sind 15 Verletzte von Madeira nach Deutschland geflogen worden.
Mit einem Airbus der Luftwaffe sind 15 Verletzte von Madeira nach Deutschland geflogen worden.

Die Identifizierung der Opfer wurde am Samstag abgeschlossen, darunter sollen sich 27 Deutsche befinden.

svz.de von
20. April 2019, 13:37 Uhr

Funchal | Eine Sondermaschine der Bundeswehr mit den Überlebenden der Buskatastrophe von Madeira ist am Karsamstag in Köln gelandet. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Verletzten nach Angaben der Staatskanzlei im militärischen Teil des Flughafens in Köln-Wahn.

Die 15 Verletzten an Bord der Maschine stammen aus dem nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis, dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein sowie aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg, wie die Stadt Köln mitteilte. Der Rettungsdienst der Domstadt stehe mit seinen Teams und Fahrzeugen für den Weitertransport der unterschiedlich schwer Verletzten bereit.

Mehrere Krankenwagen waren vor der Landung der Maschine im Konvoi zum Flughafen gefahren. Das Flugzeug erreichte Köln nach Angaben der Luftwaffe um kurz nach 17 Uhr. Laschet danke den Rettungssanitätern, Ärzten und der Besatzung der fliegenden Intensiv-Station des Airbus "MedEvac". Sieben Betroffene wollten nach Angaben des Reiseveranstalters trendtours am Samstag mit normalen Flügen heimkehren.

Außenminister besucht Unglücksstelle

Außenminister Heiko Maas (SPD) war am Donnerstag mit Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amtes nach Madeira gereist, um sich ein Bild vom Unfallort zu machen und "selbst mit den Betroffenen zu sprechen". Ein weiterer Termin war ein Besuch im Krankenhaus.

Bundesaussenminister Heiko Maas besuchte die Unfallstelle und traf seinen Amtskollegen Augusto Santos Silva. Foto: imago images/photothek
Bundesaussenminister Heiko Maas besuchte die Unfallstelle und traf seinen Amtskollegen Augusto Santos Silva. Foto: imago images/photothek

Überlebende des schweren Busunglücks haben ein Bremsversagen als wahrscheinliche Unfallursache bezeichnet. Die Behörden warnten vor vorschnellen Urteilen. Ein leicht verletzter Passagier berichtete am Donnerstag von seinen Eindrücken. "Ich denke, die Bremsen funktionierten nicht. Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einigen Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich", sagte der Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung "Observador".

Der Mann hatte sich laut Bericht bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte "Observador" nicht.

Im ARD-"Brennpunkt" kam ein deutsches Paar mit der gleichen Schilderung zu Wort. Die Frau erzählte dabei, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. Im Flugzeug werde erklärt, was zu tun sei. "Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück."

Wahrscheinlich 27 Deutsche unter den Todesopfern

Unter den 29 Todesopfern sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin wahrscheinlich 27 deutsche Staatsangehörige. Nach portugiesischen Medienberichten könnten auch zwei Einheimische getötet worden sein. Die Obduktion der Opfer wurde am Samstag abgeschlossen. Sie wurde vom Nationalen Institut für Rechtsmedizin und Forensische Wissenschaften (INMLCF) in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt.

Die Passagiere waren unterwegs zu einem Abendessen, berichten lokale Medien. Foto: imago images/Rui Silva / Aspres / Global Images
Die Passagiere waren unterwegs zu einem Abendessen, berichten lokale Medien. Foto: imago images/Rui Silva / Aspres / Global Images

Liveblog zum Nachlesen: Busunglück auf Madeira: Opfer sollen bis Samstag identifiziert sein

März 2019

Bei einer Beerdigung in Vietnam rast ein Bus in eine Trauergemeinde - und sieben Teilnehmer des Leichenzuges sterben. Der Busfahrer macht dichten Nebel für das Unglück verantwortlich.

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Ein doppelstöckiger Stadtbus rammt in Kanadas Hauptstadt Ottawa eine überdachte Haltestelle. Zwei Fahrgäste im Bus und ein an der Haltestelle Wartender werden tödlich verletzt.

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Sechs Spieler einer Fußballjugendmannschaft und der Fahrer kommen bei einem Busunglück in Peru ums Leben. Der Bus stürzte im peruanischen Amazonasgebiet in einen 90 Meter tiefen Abgrund.

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Bei einem Busunglück mit chinesischen Touristen in Nordkorea kommen 36 Menschen ums Leben.

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Bei einem Busunfall an der südlichen Mittelmeerküste der Türkei sterben drei Reisende aus Deutschland. Ihr Urlaub hatte gerade erst begonnen.

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Beim Frontalzusammenstoß eines Lastwagens mit einem Bus im ostafrikanischen Tansania sterben 42 Menschen.

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Juni 2013

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November 2012

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Die Bundesregierung machte zunächst weiter keine Angaben über die Zahl der ums Leben gekommenen Deutschen. Kanzleramtschef Helge Braun begründete das damit, dass zunächst die Angehörigen informiert würden. "Die Bundesregierung unternimmt nun alles, um dafür zu sorgen, dass schnell Gewissheit für die Angehörigen herrscht", sagte er vor Journalisten in Berlin. Es sei "eine Reisegruppe von vorwiegend deutschen Urlaubern" betroffen.

Unfallort nur 250 Meter vom Startpunkt entfernt

Die Urlauber wollten vom Hotel Quinta Splendida im östlich der Inselhauptstadt gelegenen Ort Caniço zu einem traditionellen Abendessen nach Funchal. Der Bus fuhr eine leicht abschüssige Straße hinunter und bog dann links ab. In der Kurve kam er – nur rund 250 Meter vom Hotel entfernt – von der Fahrbahn ab.

TVI24 berichtete, dass zwei Busse mit deutschen Urlaubern von dem Hotel losgefahren seien. Der zweite Bus war in den Unfall nicht verwickelt.

Der Bus stürzte mehrere Meter tief und schlug in ein Haus ein. Dessen Bewohner war laut "Observador" nicht zu Hause. Eine Augenzeugin sagte dem Sender TVI24, dass sie laute Schreie aus dem Bus hörte. Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen, auf Fotos klaffte ein großes Loch im Ziegeldach und der Rückwand des Hauses.

Im Haus soll sich zum Unfallzeitpunkt glücklicherweise niemand aufgehalten haben. Foto: imago images / GlobalImagens/Rui Silva
imago images / GlobalImagens/Rui Silva
Im Haus soll sich zum Unfallzeitpunkt glücklicherweise niemand aufgehalten haben. Foto: imago images / GlobalImagens/Rui Silva

Reiseveranstalter lässt Angehörige nachreisen

Die meisten Opfer hatten ihre Reise bei Trendtours Touristik aus Frankfurt am Main gebucht. 51 Urlauber in dem Bus waren Kunden des Unternehmens, wie der Reiseveranstalter mitteilte. Zwei weitere Betroffene waren Kunden von Schauinsland-Reisen aus Duisburg. Unter den Opfern waren auch Reisende aus Nordrhein-Westfalen.

Das Reiseunternehmen Trendtours teilte der dpa mit, dass einige Angehörige der Unfallopfer auf dem Weg nach Madeira seien. Das Unternehmen habe ihnen diese Möglichkeit angeboten. Leichtverletzte könnten umgehend die Heimreise antreten. "Wir haben für unsere Gäste ausreichend Flugkontingente organisiert", hieß es.

Bus war fünf bis sechs Jahre alt

Der Reiseveranstalter Trendtours bezeichnete die Busfirma als seriösen und verlässlichen Partner. Der verunglückte Bus sei demnach erst fünf bis sechs Jahre alt und habe im Januar die Inspektion bestanden. Außerdem galt der Mann am Steuer als erfahrener Fahrer. Der Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, nannte alle Mutmaßungen zur Unglücksursache "verfrüht". Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen. Foto: imago images/GlobalImagens
Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen. Foto: imago images/GlobalImagens

Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis einschließlich Samstag an. Ministerpräsident António Costa kondolierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er sei bestürzt und übermittle der Kanzlerin "in dieser schweren Stunde" sein Bedauern, twitterte Costa noch am Mittwochabend. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa wird am Freitag auf Madeira erwartet.

Die sehr gebirgige "Blumeninsel" von der Größe Hamburgs ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal. Nach Angaben des Portals A-Z Madeira stellten Deutsche und Briten 2017 je ein Fünftel der 1,3 Millionen Urlauber.
 

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