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Tag der deutschen Einheit : 25 Jahre Einheit, 16 Bundesländer, ein Deutschland

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stationen auf dem Weg zur Einheit - Zentrale Wiedervereinigung im Eiltempo: Von der ersten freien Volkskammerwahl bis zur Einheitsfeier vergingen weniger als sieben Monate. Feier zum Jubiläum in Frankfurt a. M.

von
erstellt am 03.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Tausende Bürger, Spitzenpolitiker europäischer Staaten und ehemalige Bürgerrechtler der DDR feiern bis Sonntag in Frankfurt am Main das zentrale Fest der Wiedervereinigung Deutschlands vor 25 Jahren. 16 Bundesländer werben jedes für sich, und alle gemeinsam für Deutschland. Aber auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung sagen 71 Prozent der Westdeutschen und 83 Prozent der Ostdeutschen, dass es noch große Unterschiede zwischen West und Ost gibt. Dennoch können sich 41 Prozent der Bundesbürger im Westen vorstellen im Osten zu leben, und mehr als die Hälfte der Ostdeutschen – im Westen zu wohnen. Für 18 Millionen junge Menschen, die nach 1989 geboren sind, ist Deutschland in Ost und West eins.

STATIONEN AUF DEM WEG ZUR EINHEIT

Volkskammerwahl: Caffier vom Ergebnis völlig überrascht

Schweriner Wahllokal in der Ernst-Schneller-Oberschule
Schweriner Wahllokal in der Ernst-Schneller-Oberschule Foto: Höhne
Die gigantische Wahlbeteiligung an der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 wurde danach wohl bei keiner anderen Wahl in Deutschland mehr erreicht: 93,6 Prozent im Bezirk Schwerin, 92 Prozent im Bezirk Rostock und 93,7 Prozent im Bezirk Neubrandenburg. Die CDU an der Spitze der „Allianz für Deutschland“ siegte mit 40,8 Prozent der Wählerstimmen und dem Versprechen, DDR und Volkskammer so schnell wie möglich aufzulösen. In dieser Höhe war der Sieg eine Sensation, schreiben die Zeitungen. Im Bezirk Schwerin holte die Union mit 39,8 Prozent sechs Mandate und im Bezirk Rostock sieben. Im benachbarten Bezirk Neubrandenburg waren es fünf. Auf dem fünften Platz der CDU-Kandidatenliste stand dort der heutige Innenminister Lorenz Caffier und war damals von seiner Wahl völlig überrascht. „Von dieser Position aus hatte ich überhaupt nicht mit einem Einzug in die Volkskammer gerechnet“, erinnert sich Caffier, der Vorsitzender der LPG Lichtenberg war. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1990 beschloss die Volkskammer das Ende der DDR.

 

Die D-Mark ist da: In Ratzeburg wird Aldi leergekauft

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1. Juli 1990 – die D-Mark ist da. Doch der Kaufrausch blieb aus, auch wenn an diesem verkaufsoffenen Sonntag Geschäfte schon die neuen Waren anboten. Die DDR-Bürger fingen vielmehr an, Preise zu vergleichen und zu sondieren, berichteten die Zeitungen am nächsten Tag. Wichtiger als die Tatsache, dass beide deutsche Staaten jetzt politisch gesehen eine Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion waren, schienen vielen Menschen die regionalen Preisunterschiede zu sein. „Für ein Kilogramm Brot mussten die Cottbuser und Leipziger Verbraucher je nach Sorte zwischen 2,19 DM und 3,55 DM auf den Tisch legen, die Schweriner für ihr Mecklenburger Landbrot sogar 3,59 DM“, schimpfte die SVZ auf Seite 1.

Noch deutlicher wurde das Preisgefälle zwischen Ost und West. Mecklenburger fuhren in der ersten DM-Woche massenweise zum Einkaufen nach Lübeck, Mölln und und Lauenburg. Aldi in Ratzeburg musste am 5. Juli sogar zwischenzeitlich schließen, um die Regale wieder aufzufüllen, berichteten am Sonnabend darauf Zeitungen.

Vom Umtausch profitierten viele. Senioren über 60 Jahre durfen bis zu 6000, andere Erwachsene bis zu 4000 und Kinder bis zu 2000 DDR-Mark zum Kurs von 1:1 umtauschen. Darüberliegende Sparguthaben wurden zum Kurs 2:1 gewechselt. Für die westdeutsche Wirtschaft war die Währungsunion ein gigantisches Konjunkturprogramm.

 

Zwei plus vier: Krimsekt und die deutsche Souveränität

Prost – Deutschland bekommt  im September 1990 seine volle  Souveränität zurück.
Prost – Deutschland bekommt im September 1990 seine volle Souveränität zurück. Foto: dpa
Die historische Stunde am 12. September 1990 in Moskau dauerte knapp 20 Minuten. Unter den Augen des Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, unterschrieb als erster Hans-Dietrich Genscher, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland. Ihm folgte DDR-Regierungschef Lothar de Maizière, der nach der Kabinettskrise im August auch Außenminister war. Dann unterzeichnen die Außenminister Eduard Schewardnadse (UdSSR), James Baker (USA), Douglas Hurd (Großbritannien) und Roland Dumas (Frankreich). Am Ende prosteten sich alle mit Krimsekt zu.

Deutschland erhielt im Hotel „Oktober“ mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag seine volle Souveränität zurück. Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs, die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich, verzichteten auf ihre Sonderrechte und machten den Weg für ein geeintes Deutschland frei. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte war ein Land ohne Krieg und Leid vereinigt worden.

Der „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“ legt unter anderem fest, dass die Grenze zu Polen an Oder und Neiße endgültig ist. Außemminister Eduard Schewardnadse wünschte dem deutschen Volk „Viel Erfolg und Wohlergehen“, dieser Tag sei ein Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg.

 

Tag der Einheit: Jubelparty und Pöbeleien
Schier endlose Autoschlangen bewegten sich am Vorabend des 3. Oktober aus Gadebusch und Ratzeburg auf den ehemaligen Grenzübergang Roggendorf-Mustin zu. Die CDU-Verbände Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hatten in den ehemaligen Todesstreifen geladen, um dort unter dem Motto „Grenzenlos feiern“ gemeinsam in die deutsche Einheit zu gehen. Etwa 15000 Menschen kamen.

Mit einer Schiffsglocke wurde um Mitternacht auf dem Rostocker Universitätsplatz der Weg in ein neues Deutschland eingeläutet. Tausende Hansestädter lagen sich in den Armen, um bei Sekt und Feuerwerk den Beitritt ihres Landes zur Bundesrepublik zu feiern. In Schwerin riefen die Kirchenglocken Hunderte in den Dom. Begleitet vom Jubel der tausenden Feiernden intonierte ein Orchester die gesamtdeutsche Hymne. Auf dem Rathausdach wehte ab 24 Uhr die schwarz-rot-goldene Fahne. Die Nacht mit den zahlreichen Volksfesten im Nordosten verlief nicht durchgängig friedlich. In Schwerin kam es zu Rangeleien zwischen zwei Gruppen Jugendlicher. Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. In Rostock skandierten Jugendliche inmitten des Volksfesttrubels ausländerfeindliche Parolen. In Bergen auf Rügen löste die Polizei eine Ansammlung teils vermummter Jugendlicher auf, die vor einem Ausländerheim pöbelten.

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