zur Navigation springen

Blutbad in den USA : 16 Tote bei Gewalttat in Kalifornien

vom

In einer Sozialeinrichtung in San Bernardino, Kalifornien, sollen ein Mann und eine Frau 14 Menschen getötet und 17 weitere verletzt haben. Die beiden Verdächtigen starben später im Kugelhagel der Polizei.

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 07:54 Uhr

Nach der Schießerei mit insgesamt mindestens 16 Toten im US-Bundesstaat Kalifornien ist das Motiv der beiden Verdächtigen laut Polizei noch unklar. Es gebe Hinweise, dass der Bluttat «eine gewisse Planung» vorausgegangen sei, sagte der Polizeichef von San Bernardino, Jarrod Burguan, am späten Mittwochabend (Ortszeit).

Nach ersten Ermittlungen hatten die mutmaßlichen Täter - ein 28-jähriger Mann und eine 27-jährige Frau - am Mittwoch das Gebäude einer sozialen Einrichtung während einer weihnachtlichen Feier mit Sturmgewehren und Schutzkleidung betreten, dann fielen Schüsse. Mindestens 14 Menschen starben dabei, 17 weitere wurden verletzt. Der Mann habe das Fest zuvor verlassen und sei dann zurückgekehrt. Möglicherweise sei es zu einem Streit gekommen.

Die beiden Verdächtigen wurden nach einer Verfolgungsjagd rund vier Stunden später bei einem Schusswechsel mit Polizisten in ihrem Auto getötet. Zunächst war von drei Schützen die Rede. Der Mann und die Frau waren liiert oder verheiratet, wie Burguan sagte.

Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen Schwager des Mannes, die beiden seien verheiratet gewesen und hätten eine sechs Monate alte Tochter.

Der Mann und wurde als US-Bürger mit muslimischen Hintergrund beschrieben, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Polizeiangaben. Er Mann soll seit fünf Jahren in der Sozialeinrichtung gearbeitet haben. Die Frau stammte möglicherweise aus Saudi-Arabien, berichtete die «Los Angeles Times».

Ein terroristischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, sagte FBI-Ermittler David Bowdich. Man werde sich von den Fakten leiten lassen. «Dies ist ein Marathon, kein Sprint», sagte er über die Ermittlungen.

In der nahen Ortschaft Redlands untersuchten Polizisten mit Spezialgerät ein Wohnhaus, in dem einer der Täter gewohnt haben soll. Dort wurde Sprengstoff vermutet. Ein Roboter wurde in das Haus geschickt, um nach möglichem explosiven Material zu suchen.

In der Einrichtung «Inland Regional Center» wird die Betreuung von Menschen mit Entwicklungsverzögerungen koordiniert. Die mehr als 670 Mitarbeiter bieten Programme für 30 000 Menschen an - vom Neugeborenen bis hin zu Senioren.

Präsident Barack Obama forderte in einem TV-Interview am Abend erneut strengere Waffengesetze und stärkere Hintergrundüberprüfungen. Es könne nicht sein, dass jeder in einen Laden gehen und eine Schusswaffe kaufen könne. Nirgendwo in der Welt komme es so häufig zu Gewalttaten mit Schusswaffen wie in den USA. «So etwas passiert in anderen Ländern nicht in derselben Häufigkeit.»

«Unsere Gemeinde hat heute einen schweren Verlust und schweren Schock erlebt», teilte Bürgermeister Carey Davis mit. Die Attacke habe San Bernardino im Herzen getroffen. Später sprach er von einem «schockierenden Ereignis» und kündigte eine Mahnwache an.

Die amerikanisch-islamische Organisation CAIR sprach den Opferfamilien auf einer Pressekonferenz ihr Beileid aus und unterstrich, dass der Islam eine friedliebende Religion sei.

Die schlimmsten Schießereien und Amokläufe in USA

  • Oktober 2015: An einem College im Bundesstaat Oregon kommt es zu einem Amoklauf. Ein 26-Jähriger tötet in der Stadt Roseburg neun Menschen und bringt sich selbst um.
  • Februar 2015: Nach dem Tod seiner Mutter dreht ein 36-Jähriger in Missouri durch. In einem kleinen Dorf geht er nachts von Haus zu Haus und erschießt sieben Menschen sowie sich selbst.
  • Mai 2014: Weil er sich von Mädchen zurückgestoßen fühlt, bringt ein Student im kalifornischen Isla Vista sechs Menschen um. Als die Polizei den 22-Jährigen festnehmen will, tötet er sich.
  • April 2014: Ein Soldat eröffnet nach einem Streit mit Kameraden in der Militärbasis Fort Hood das Feuer. Er tötet drei Menschen,
    verletzt 16 weitere und erschießt sich.
  • September 2013: Auf einer Marinebasis in Washington erschießt ein 34 Jahre alter früherer Reservist wahllos zwölf Menschen. Er selbst stirbt im Gefecht mit der Polizei. Nach Angaben der Ermittler litt er unter Wahnvorstellungen.
  • Juni 2013: Im kalifornischen Santa Monica erschießt ein 23-Jähriger Vater und Bruder. Auf dem Weg zur Universität tötet er drei weitere Menschen, bevor ihn eine Polizeikugel tödlich trifft.
  • März 2013: In einer Offiziersanwärterschule bei Washington erschießt ein US-Soldat zwei Kameraden und sich selbst. Das Motiv bleibt ungeklärt
  • Dezember 2012: Bei einem Massaker an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown (Connecticut) kommen 20 Kinder und sechs Lehrer ums Leben. Der Schütze tötet sich selbst.
  • August 2012: Mit einem Gewehr feuert ein frustrierter Angestellter in einem Supermarkt bei New York um sich und erschießt zwei Kollegen. Danach tötet er sich selbst.
  • Juli 2012: Während der Premiere eines «Batman»-Films schießt ein 24-Jähriger in einem Kino der Stadt Aurora bei Denver (Colorado) um sich und tötet zwölf Menschen. 70 werden verletzt.
  • Oktober 2011: Südlich von Los Angeles werden in einem Friseursalon acht Menschen erschossen. Der Todesschütze war mit seiner Ex-Frau in einen erbitterten Sorgerechtsstreit verwickelt. Auch sie stirbt.
  • Juli 2011: Auf einer Rollerskate-Bahn in Texas sterben sechs Menschen. Vier weitere werden verletzt, als ein Mann vermutlich wegen eines Ehestreits das Feuer eröffnet. Der Schütze tötet sich selbst.
  • November 2009: Kurz vor seinem geplanten Einsatz im Irak feuert ein US-Offizier auf dem Stützpunkt Fort Hood (Texas) um sich. Bilanz: 13 Tote, Dutzende Verletzte. 2013 wird er zum Tode verurteilt.
  • April 2007: Ein Student eröffnet an einer Universität in Virginia das Feuer und tötet auf dem Campus 32 Menschen.
  • April 1999: Zwei Teenager töten zwölf Schüler und einen Lehrer an der Columbine High School in Littleton (Colorado) und anschließend sich selbst.
  • Juni 1994: Ein Amokläufer erschießt in einem Militärhospital in Spokane (Washington) vier Menschen, bevor er selbst durch Polizeikugeln stirbt. Der 20-Jährige war wegen psychischer Probleme kurz zuvor aus der US-Luftwaffe entlassen worden.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen