Tatverdächtiger freigelassen : Tödliche Attacke auf 15-Jährige: Ermittler zweifeln an Zeugenaussagen

Die Spurensicherung am Tatort in Viersen. Foto: dpa/David Young
Die Spurensicherung am Tatort in Viersen. Foto: dpa/David Young

Ein 25-Jähriger hatte sich gestellt, er ist aber nicht der Täter. Er befürchtete wegen etwas anderem Ärger.

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12. Juni 2018, 12:20 Uhr

Mönchengladbach/Viersen | Im Fall der in Viersen durch eine Messerattacke getöteten 15-Jährigen halten die Ermittler erste Täterbeschreibungen von Zeugen für zweifelhaft. Ganz am Anfang sei aufgrund einer konkreten Beschreibung nach einer Person mit bestimmtem Aussehen gefahndet worden, sagte Staatsanwalt Stefan Lingens am Dienstag.

"Wer diese Personenbeschreibung abgegeben hat, weiß ich nicht. Aber es dürfte sich nicht um den Täter handeln." Zunächst hatte die Polizei nach einem 1,70 Meter großen Mann mit nordafrikanischem Aussehen gefahndet. 

Aufgrund dieser Beschreibung sei am Montag nach der Tat ein 25-Jähriger kontrolliert worden. Er hatte die Flucht ergriffen, weil er Ärger wegen Drogen befürchtet habe. Später habe sich dieser Mann gestellt. Er sei nun wieder auf freiem Fuß, weil sich der Tatverdacht nicht erhärtet habe, sagte Lingens. Jetzt werde in alle Richtungen ermittelt. Es gebe aktuell keine konkrete Fahndung. 

Die Tat sei nicht mittelbar, aber im Umfeld von einer Reihe von Zeugen beobachtet worden, "die als Zeugen eine zweifelhafte Qualität haben", sagte der Ermittler. Alkohol dürfe bei den falschen Angaben eine Rolle gespielt haben. Diese hätten dazu geführt, dass in viele, zumeist falsche Richtungen ermittelt worden sei.

Das minderjährige Mädchen war am helllichten Tag am Montagmittag in einem Park der 75.000-Einwohner-Stadt Viersen niedergestochen worden. Der Täter flüchtete. Ein Obdachloser hat nach eigenen Angaben noch versucht, das blutüberströmte Mädchen zu retten, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die alarmierten Rettungskräfte brachten die 15-Jährige in ein Krankenhaus, wo sie wenig später starb.

Die Eltern stellten am Tatort am späten Abend Gedenkkerzen auf. Von Weinkrämpfen geschüttelt brach die Mutter auf der Wiese zusammen. Auch der Vater war zu dem Tatort im „Casinogarten“ in der Innenstadt gekommen.

Die Eltern haben Gedenkkerzen in dem Park abgestellt, wo ihr Tochter angegriffen wurde. Foto: dpa
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Die Eltern haben Gedenkkerzen in dem Park abgestellt, wo ihr Tochter angegriffen wurde. Foto: dpa


Erfahrener Kriminalist leitet die Ermittlungen

Die Mordkommission wird von Ingo Thiel geleitet, dessen Team den Mordfall des 2010 getöteten zehnjährigen Mirco aufgeklärt hatte. Die Polizei hat im Fall der tödlichen Messerattacke auf das Mädchen in Viersen Zeugen aufgerufen, sich bei der Mordkommission zu melden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich am Montagabend bestürzt über die Tat geäußert. Die tödlichen Verletzungen in einem öffentlichen Park machten ihn tief betroffen. Das Ministerium wird laufend über den Ermittlungsstand informiert.

In den vergangenen Monaten sind in Deutschland mehrere jugendliche Mädchen nach Gewaltverbrechen gestorben. So war erst am Wochenende der Tatverdächtige im Fall der getöteten 14-jährigen Susanna, Ali B., im Irak festgenommen worden. Der Flüchtling steht im Verdacht, das Mädchen aus Mainz vergewaltigt und umgebracht zu haben.

Bundesweit Aufmerksamkeit hatte im Dezember 2017 auch der Fall einer 15-Jährigen aus Kandel in Rheinland-Pfalz auf sich gezogen, die in einem Drogeriemarkt erstochen wurde. Am 18. Juni beginnt der Mordprozess gegen den angeblich gleichaltrigen Ex-Freund aus Afghanistan nach Jugendstrafrecht. Der Fall hatte eine Debatte über die Altersfeststellung von Flüchtlingen ausgelöst.

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