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Weltwassertag : 140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee?

vom
Aus der Onlineredaktion

Weltweit haben noch immer viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hierzulande wissen wir dagegen oft gar nicht, wie viel davon wir täglich verbrauchen. Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan hat den Begriff „virtuelles Wasser“ geprägt, um zeigen zu können, welche Mengen in jedem einzelnen Produkt stecken, das wir konsumieren. Am 22. März ist „Weltwassertag“ – über Verschwendung und Mangel des nassen Elements

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Wie viel Wasser braucht man wohl, um eine einzige Tasse Kaffee aufzubrühen? Vielleicht einen Viertelliter, wenn es eine große Tasse ist, könnte man meinen, oder? Wissenschaftler kommen zu einem vollkommen anderen Ergebnis: 140 Liter. Sie beziehen in ihre Rechnung nämlich auch die Wassermengen mit ein, die notwendig sind, um die Kaffeepflanzen zu wässern, zu ernten, ja selbst die Röstung, Verschiffung und sogar das Verpackungspapier verbraucht Wasser.

Für diesen (teilweise versteckten) Wasserverbrauch, der notwendig ist, um ein Produkt zu erzeugen, hat der britische Wissenschaftler John Anthony Allan vom King’s College in London Anfang der 1990er Jahre den Begriff „virtuelles Wasser“ geprägt. So ergibt sich für jedes Produkt ein „Wasserfußabdruck“, der Auskunft darüber gibt, wie viel Wasser in die Herstellung insgesamt eingeflossen ist.

 


Sauberes Image, schmutziges Wasser


Während sein Konzept in der Wissenschaft anerkannt ist, so tun sich vor allem Politik und Wirtschaft mancherorts noch schwer damit, es anzuerkennen, meint Allan: „Virtuelles Wasser hat so auch nur einen kleinen Platz im Denken der Mächtigen.“

Das hat durchaus seinen Grund, denn das Konzept des virtuellen Wassers wirft ein ganz neues Licht auf viele Alltagsdinge und macht deutlich, dass der eine oder andere Gegenstand doch nicht ganz so sauber ist wie sein Image. Denn auch die Verschmutzung des Wassers durch den Gebrauch wird mit berücksichtigt („graues virtuelles Wasser“). Dabei spielt natürlich eine große Rolle, wie und wo die einzelnen Produkte hergestellt werden und wo man sie letztendlich verzehrt beziehungsweise verbraucht – auch dieser Im- und Export schlägt sich im virtuellen Wasser nieder.

Wie viel Wasser braucht der Mensch?
Wir Menschen bestehen zum größten Teil aus Wasser und zwar zu über zwei Dritteln. Ein gesunder Erwachsener kann maximal etwa vier Tage lang ohne einen einzigen Schluck Wasser überleben. Verlieren wir drei  bis fünf Prozent unseres Körpergewichts an Wasser, beginnt das Blut einzudicken, Kopfschmerzen und Krämpfe sind die Folge. Ab ungefähr zwölf Prozent Verlust droht das Verdursten. Viele Ärzte empfehlen, mindestens 2,5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Vor allem ältere Menschen nehmen aber oft sehr viel weniger Flüssigkeit zu sich. Selbst beim Schlafen verlieren wir aufgrund der Feuchtigkeit des Atems Wasser, mindestens 0,2 Liter pro Nacht. Bei einem 1000-Meter-Lauf kann es durchaus ein halber Liter sein, der unter anderem ausgeschwitzt wird. 

 


18  000 Liter für ein Kilo Weizen


Ein Beispiel: In der Slowakei werden für die Herstellung eines Kilogramms Weizen rund 450 Liter Wasser benötigt, in Somalia hingegen ganze 18  000 Liter. Ein Europäer verbraucht nach UNESCO-Angaben im Schnitt etwa 4  000 Liter virtuelles Wasser pro Kopf und Tag – mehr als die Hälfte davon ist importiert.

In vielen Exportländern aber ist die Wasserversorgung oftmals ohnehin katastrophal und so können diese es sich eigentlich gar nicht leisten, das wenige Wasser, das sie besitzen, auch noch zu exportieren. Genau das geschieht aber in zunehmendem Maße im Zuge der Globalisierung. Wassermangel und -verschmutzung verschärfen sich so durch den weltweiten Handel.

Obwohl etwa drei Viertel der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, ist das saubere Trinkwasser, das in den einzelnen Ländern zur Verfügung steht, oft äußerst begrenzt. Die weltweiten Wasservorkommen von insgesamt etwa 1,386 Milliarden Kubikkilometern bestehen zu über 96,5 Prozent aus dem Salzwasser der Meere. Nur 3,5 Prozent der Wasservorräte sind Süßwasser – das sind gerade einmal 48 Millionen Kubikkilometer, wovon etwa die Hälfte als Eis und Schnee unter anderem an den Polen gebunden ist.

Noch einmal etwa die gleiche Menge kommt als Grundwasser vor, aus dem vielerorts ein großer Teil des Trinkwassers gewonnen wird.

Insgesamt sind weltweit etwa 3,6 Millionen Kubikkilometer als Trinkwasser verfügbar, das größte Reservoir ist der Baikalsee in Russland mit einer Länge von 636 Kilometern, einer Tiefe von 1637 Metern und einem Inhalt von 23  000 Kubikkilometern – das ist immerhin der knapp 500fache Inhalt des Bodensees und mehr als die gesamte Ostsee fasst.

 


Mangel und Verschwendung


Während in einigen Ländern wie Äthiopien, Haiti oder Vietnam mehr als jeder Zweite über keinen vernünftigen Zugang zu sauberem Wasser verfügt, leisten andere Länder sich einen im Vergleich geradezu verschwenderischen Umgang mit dem nassen Element. Um die Mangelsituation zu verbessern, wurden laut Vereinter Nationen mittlerweile rund 4000 internationale Erklärungen und Übereinkommen ausgehandelt.

Wasserfußabdruck - Wie viel Wasser steckt im T-Shirt?

 Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur) hat den weltweiten durchschnittlichen Verbrauch an virtuellem Wasser für verschiedene Produkte berechnet. Eine Auswahl (Angaben pro Kilogramm):

Reis: 2500 Liter
Weizen: 1334 Liter  (In der Slowakei werden pro Kilogramm rund 450 Liter benötigt, in Somalia ganze 18000 Liter.)
Kartoffeln: 287 Liter
Rindfleisch: 15415 Liter
Käse: 3178 Liter
Eier: 3300 Liter
Milch: 1020 Liter
Röstkaffee: 18900 Liter
Tee: 8860 Liter
Kakao: 27000 Liter pro Kilogramm Kakaobohnen
Apfelsaft: 950 Liter
Baumwoll-T-Shirt: 2495 Liter pro Stück (250-Gramm-Shirt) Computer: 20000 Liter, allein der Chip verbraucht 32 Liter
Auto: 400000 Liter pro Mittelklasse-Pkw     

 

 

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