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Terror vor 15 Jahren in Amerika : 11. September 2001: Der Tag, der alles veränderte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Schock des 11. September 2001 und die deutsche Politik. 15 Jahre nach den Anschlägen von New York und Washington

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erstellt am 11.Sep.2016 | 09:00 Uhr

„Allen war klar, das ist ein terroristischer Angriff, das wird Folgen haben.“ So erinnert sich Gerhard Schröder an den Tag, der plötzlich alles veränderte, an die dramatischen Stunden des 11. September 2001.

Als die Bilder von den brennenden Türmen des World Trade Centers um die Welt gingen, dauerte es nicht lange, bis der damalige Bundeskanzler die Tragweite begriffen hatte. Am Nachmittag des 11. September 2001 sitzt Schröder an seiner Haushaltsrede, die er am nächsten Tag im Bundestag halten will. Das Manuskript ist Makulatur, die politische Tagesordnung auf der Stelle eine völlig andere.

 

Auf dem Bildschirm „die schrecklichen, unfassbaren Bilder“, Menschen, die in den Tod stürzen, am Telefon plötzlich die tränenerstickte Stimme seiner Frau Doris, die lange in New York gelebt hat. Ohnmacht und Wut auf die Täter seien in ihm hochgekommen. Schröder weiß: „Die Amerikaner werden das nicht auf sich beruhen lassen.“ Das rot-grüne Sicherheitskabinett kommt wenig später zusammen, um über Sofortmaßnahmen zu beraten. Es geht um die Bedrohung und Sicherheitslage in Deutschland und um Solidarität und Unterstützung für den Partner USA.

Erhöhter Schutz für Luftraum und Flughäfen, erhöhte Wachsamkeit nicht nur im Regierungsviertel, auch wenn Innenminister Schily nur von einer allgemeinen oder „abstrakten“ Gefährdung für Deutschland spricht. Am Abend dann, bei der Unterrichtung der Partei- und Fraktionsvorsitzenden in der Regierungszentrale, spricht Kanzler Schröder bereits von der „uneingeschränkten Solidarität“ gegenüber den Vereinigten Staaten, die er dann am nächsten Tag zum ersten Mal öffentlich im Bundestag erklärt. „Meine Damen und Herren, ich habe dem amerikanischen Präsidenten das tief empfundene Beileid des gesamten deutschen Volkes ausgesprochen. Ich habe ihm auch die uneingeschränkte – ich betone: die uneingeschränkte – Solidarität Deutschlands zugesichert“, sagt Schröder in seiner Regierungserklärung. Eine Erklärung mit Folgen.

Der Terrorangriff auf die USA – für Schröder der klassische Bündnisfall. „Völlig klar“ sei ihm gewesen, dass das auch eine Beteiligung an militärischer Intervention bedeuten könne, verteidigt er seine Formel von der „uneingeschränkten Solidarität“. Der Krieg in Afghanistan, der mit einem Bombardement am 7. Oktober begann, und die deutsche Beteiligung seien eine notwendige Entscheidung gewesen, die er auch heute nicht anders beurteile, so der Altkanzler später. „Wenn Deutschland an dieser Stelle eine andere Position eingenommen hätte, wäre das deutsch-amerikanische Verhältnis zerrüttet gewesen, und das zu Recht“, so Schröder.

Dass der Anführer der Attentäter, Mohammed Atta, und andere der Terroristen des 11. September jahrelang in Deutschland gelebt hatten und hier auch große Teile der Anschläge unbehelligt von den Sicherheitsbehörden vorbreitet worden waren – für die politisch Verantwortlichen damals ein Schock. Für die rot-grüne Bundesregierung hätten sich „hochnotpeinliche Fragen“ aufgedrängt, blickt der damalige Vizekanzler Fischer zurück. „Hätte Deutschland die Terroranschläge vom 11. September verhindern können, ja verhindern müssen?“, fragt der Grüne in seinem Rückblick.

Ein stetig größer werdendes Blumenmeer vor der US-Botschaft in Berlin und mehr als 200 000 Menschen bei der Solidaritätskundgebung am 14. September vor dem Brandenburger Tor waren nur zwei Zeichen einer Welle der Anteilnahme und Solidarität in ganz Deutschland.
 

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